Feministische Einzelkämpferinnen Gruppen

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Schlank für den Badestrand? Ne, lieber gewisse feministische Utopien – die Blogschau

Mädchenmannschaft - 25 Mai 2013 - 09:25
Dieser Text ist Teil 204 von 204 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Das BMZ hat unter Dirk Niebel eine Plakat- und Internetkampagne “The Big Five” über Afrika gestartet: Nashorn, Löwe, Elefant, Büffel, Leopard. Africavenir reagierte auf das kolonialrassistische Bild mit einer PM und einem feinen Gegenentwurf.

Katrin vergleicht auf Reizende Rundungen die Bademode in Deutschland gegenüber dem Ausland. Der eklatante Unterschied sticht  ins Auge.

Erst sexy gemacht, und dann einen (halben) Rückzieher. Helga schreibt auf femgeeks über die Figur Merida und den Sexismus bei(m) Disney(Film).

Mein Hals krächzt „ich möchte eine anzeige machen“ „Worum geht‘s denn? Nur so‘n Stichwort.“ Nur ein Stichwort… Stichworte sind Randnotizen. Verstummt. [im Text: V*rg*w*lt*g*ng ausgeschrieben]

Warum „Die Preziöse“ ein neuer Stern am Zeitschriftenhimmel werden kann, steht in der Blattkritik von Different Needs.

Ein Hetenmann erklärt Feminist_innen was der Sex ist und was der Feminismus da machen muss. Bei berechtigten feministischen Kritiken kontert dieStandard auf Twitter mit der Unlust „einer gewissen theoretischen strömung“ U get it?

Ryuu stellt sich einen Tag ohne Heterosexismus vor. Eine Utopie. Schön.

Paula ist neun Jahre alt und will mehr Realitäten lesen, deshalb schreibt sie einen “offen Brief an deutsche Verleger”.

Jetzt bitte kurz anschnallen: Auf femgeeks folgt der größte Linkspam aller Zeiten.

Und während ich diese Blogschau machte und den Linkspam (s.o.) durchlas, hab ich mir Zeit gelassen, weil Tea-riffic zwei Grrrl Power Soundtracks angefertigt hat. Well Done.

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!

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Lass meinen fetten Körper in Ruhe!

Mädchenmannschaft - 24 Mai 2013 - 09:00

Dieser Text ist eine Übersetzung des Blogposts Back Off My Fat Body“, der kürzlich bei Dances with Fat erschienen ist. Wir danken der Autorin für die Erlaubnis zur Zweitverwertung! Ragen wollte immer eine fette Tänzerin sein und fand heraus, dass sie dazu erstmal Fat Activist werden musste. Jetzt tanzt sie nicht nur, sondern spricht und schreibt auch in Vollzeit über Selbstwertschätzung, Körperbilder und Gesundheit in jeder Größer und freut sich auf eine Welt, in der wir erkannt haben, dass jeder Körper großartig ist.

Eine Anmerkung zum Adjektiv “fett”: Das Wort wird in der Fat-Acceptance-Bewegung als Selbstbezeichnung und politischer Begriff verwendet – eine objektive Beschreibung dafür, was “dick” oder “dünn” ist, gibt es nicht.

Bild: Substantia Jones für adipositivity.com

Jeden Tag vernehme ich Botschaften aus der Gesellschaft über meinen fetten Körper. Mir wird mitgeteilt, dass er ein Zeichen moralischen Versagens ist, ein Zeichen von Faulheit, er ist unzulänglich, unattraktiv, bla bla bla – die negativen Botschaften kommen unablässig und sind allgegenwärtig.

Lange Zeit war ich dermaßen entschlossen meinen Körper dafür zu hassen, dem kulturellen Standard von Schönheit nicht zu genügen, dass ich ihn niemals wertschätzte für das, was er tat. Anstatt diesen fantastischen Körper zu verteidigen, der mir ermöglicht, all das zu tun, was ich jeden Tag, jeden Augenblick tue, fiel ich ein in den Chor der Missbilligung. Ich verriet meinen eigenen Körper, um einer willkürlichen Klischeevorstellung von Schönheit anzuhängen, versehen mit einem Quäntchen missgünstiger Billigung, das bestimmt war von meiner permanenten Selbstabwertung, so dass meine Kritiker_innen sich gar nicht erst darum kümmern mussten das zu tun.

Wenn ich eines gelernt habe auf meiner Reise weg von Selbsthass, gestörtem Essverhalten und zwanghafter sportlicher Betätigung, dann ist es, dass mein Körper nicht weniger verdient als meine bedingungslose Liebe und lautstarke Unterstützung. Deshalb sage ich allen, die meinen, mein Körper sei irgendetwas anderes als großartig:

Mein fetter Körper ist viel zu wertvoll, als dass er wie ein gebrauchtes Auto behandelt werden sollte, dessen Wert durch die eine oder andere Verschleißerscheinung reduziert ist. Er ist viel zu erstaunlich, um eine Metapher zu sein oder ein politisches Statement. Er ist viel zu komplex, um nach demselben Prinzip betrieben zu werden wie ein Rasenmäher. Er ist viel zu tiefgründig, um auf ein Verhältnis zwischen Gewicht und Größe reduziert zu werden. Und er ist viel zu großartig, um von irgendjemandem verurteilt zu werden.

Mein fetter Körper ist kein Abbild meines Versagens, meiner Sünden oder meiner Fehler. Mein fetter Körper ist kein Gradmesser für meinen Gesundheitszustand oder meine Fitness. Mein fetter Körper steht nicht zur  Diskussion, öffentlichen Debatte oder  Beurteilung. Mein fetter Körper ist kein Zeichen dafür, dass ich Hilfe brauche oder Hinweise benötige, um Entscheidungen über mein Leben oder meine Gesundheit zu treffen. Mein fetter Körper ist mein ständiger Begleiter, der mir dabei hilft, all das zu tun, was ich tagtäglich und jede Sekunde tue, und er verdient Respekt und Bewunderung.

Wenn du dich nicht in der Lage siehst, meinen Körper wertzuschätzen und ihm mit Respekt und Bewunderung zu begegnen, dann ist das dein Defizit, nicht meines; arbeite daran oder lass es bleiben, aber mich kümmert es nicht. Ebenso wenig bin ich interessiert daran, deine Meinung zu diesem Thema zu hören, also wenn du mit mir zusammen sein möchtest, bist du zu 100% verantwortlich dafür, zu tun was nötig ist, um diese Gedanken für dich zu behalten. Wenn du dazu nicht imstande bist, werde ich aufhören Zeit mit dir zu verbringen – ich verbringe meine Zeit mit Menschen, die mich angemessen behandeln.

Ich werde meinen wunderschönen fetten Körper handhaben wie eine Waffe. Ich werde ihn lieben, ich werde für ihn sorgen, ich werde ihn bewegen, ich werde ihn in der Öffentlichkeit zeigen, ich werde meinen Körper heftigst verteidigen gegen alle, die ihn als irgendetwas anderes einstufen wollen als großartig. Du bist gewarnt – lass mich gefälligst in Frieden.

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#Aufschrei Revisited

Mädchenmannschaft - 23 Mai 2013 - 09:10

Am Montag fand die vom Missy Magazine initiierte Diskussionsrunde zu #Aufschrei statt: “There is more to sexism than meets the eye“. Explizit sollten an diesem Abend Perspektiven Raum bekommen, die in der #Aufschrei-Debatte zu kurz gekommen sind, im Sinne von: Sexismus kann nie getrennt von anderen Unterdrückungen betrachtet werden und existiert immer in Verbindung mit z.B. Rassismus, Heteronormativität und Lookism. Eingeladen wurden Nana Adusei-Poku (Theoretikerin der Visual Culture & Postcolonial Studies), Angela McRobbie (Kulturtheoretikerin), Jasmin Mittag (Gründerin „Wer braucht Feminismus?“), Sookee (queere Rapperin) und Anne Wizorek (#aufschrei), moderiert hat Sonja Eismann (Missy Magazine-Herausgeberin).

Neugier, auch wie es nun nach #Aufschrei weitergehen kann, lockte die Besucher_innen ins Berliner Hau-Theater. Dieses war bis auf den letzten Platz ausverkauft. Vor dem Eingang gab es einige enttäuschte Gesichter, die keine Karte mehr ergattern konnten. Keine Frage: Es schien einer dieser feministischen ‘places-to-be’ zu sein an diesem Montagabend.

Angela McRobbie eröffnete die Veranstaltung mit ihrer Keynote. Sie beschrieb bilderreich, wie Sexismus durch krasse Schönheitsideale am Leben erhalten bleibt. Und wie sehr ein “ironischer” auf neoliberalen Logiken aufbauender Sexismus in den letzten Jahren boomte, einer der von Medienleuten zwar durchschaut, aber trotzdem gerne z.B. in der Werbung herangezogen wird – getreu dem Motto: anything goes. McRobbie wies auch auf neue Formen des Antifeminismus hin, die sich insbesondere durch Medien, Popkultur und die Zivilgesellschaft zeigen. Sie nannte populäre Aussagen wie etwa “Der Feminismus geht zu weit”, “das Ende des Mannes” und “die schlechten Leistungen der Jungs”, um feministische Forderungen zu entkräften. Weiter sprach sie von drei Aspekten, die Herausforderungen für heutige feministische Politik darstellen: 1.) Das durch Konsumkultur ständig aufrecht erhaltene, gewaltvolle “Gefangensein” im eigenen Körper bei gleichzeitiger Anrufung, nicht mehr das Opfer zu sein (oder sein zu wollen); 2.) der Aufschwung eines so genannten corporate feminism, der auf individuelle Erfolgsstories setzt und Misserfolge privatisiert (siehe: Sheryl Sandberg’s Buch “Lean In”, 2013) und 3.) die damit einhergehende Dethematisierung von sozialen Ungleichheiten und dem (meritokratischem) Mythos von weiblichem Erfolg allein durch Leistung.

Eine Frage aber drängte sich nach dem Vortrag auf: Warum wurde gerade diese Perspektive als Keynote gewählt? McRobbies Beitrag kritisierte zwar konsequent einen neoliberalen Individual-Feminismus, der sich perfekt in den Kapitalismus einbettet, liess aber an anderen Stellen Intersektionalität vermissen. Immer wieder machte sie eine Dichotomie zwischen “jungen Feminist_innen” und “alten Feminist_innen” auf – eine Perspektive, die gerade unterschiedliche Positionen unsichtbar macht. Zudem zielte McRobbies Kritik sehr auf die Sozialen Netzwerke ab, allen voran Facebook. Es fehlte aber eine differenzierte Betrachtung auch der Chancen dieser Medien, eben gerade für (feministischen) Aktivismus. Immerhin stand an diesem Tag die #Aufschrei-Aktion im Mittelpunkt, die ohne das soziale Netzwerk Twitter nicht hätte geschehen können.

Nach einer zehnmütigen Lufthol-Pause ging es mit der Podiumsdiskussion weiter. Wichtige Fragen an diesem Abend waren: Was ist von der #Aufschrei-Debatte übriggeblieben? Lag es an der Komplexitätsreduktion der Mainstreammedien, dass Sexismus häufig isoliert betrachtet und eindimensional auf “Männer vs. Frauen” runtergebrochen wurde oder fehlten feministische Inputs zu komplexer Sexismuskritik und Mehrfachdiskriminierung? Nana Adusei-Poku stellte gleich zu Anfang fest: “Intersektionalität war in der #Aufschrei-Debatte nicht wirklich vorhanden.” Anne Wizorek, die sich den Twitter-Hashtag zu #Aufschrei ausgedacht hatte, sieht den Fehler bei den Mainstream-Medien, denn die Aktion selbst sei vielfältiger gewesen, betonte sie. Angesprochen auf die Ironie, dass gerade sie das Gesicht dieses in den Massenmedien behandelten Feminismus wurde, beantwortete sie mit dem Verweis, dass die Mainstream-Medien die vielen Feminist_innen nicht sehen würde, die jeden Tag feministisch arbeiten. Es sei wie Alice Schwarzer reloaded.

Dass sich Sexismus auch im Gewand von rassistischen Stereotypen wie etwa der Exotisierung von schwarzen Frauen*/ of Color, Klassismus und heteronormativen Lebensweisen zeigt, wurde von Adusei-Poku angedeutet, indem sie auf die unterschiedliche Rezeption und Symboliken von Schwarzen und weißen Körpern einging. Dies wurde im Laufe der Podiumsdiskussion mit der Analyse zu #Aufschrei leider nicht verknüpft.

Gerade hier böten sich (selbst-)kritische Fragen an: Welche Unterdrückungserfahrungen wurden von den #Aufschrei-Aktivist_innen in ihren Tweets thematisiert, wieso bedurfte es überhaupt eines Extra-Hashtags für #queeraufschrei (der Erfahrungen unabhängig vom offiziellen #Aufschrei-Hashtag sammelte), wer kam zu Wort in massenmedialen Erzählungen zu #Aufschrei, wer saß auf Podien, in den Talkshows und gab Interviews? Über welche Erfahrungen wurde dann gesprochen, welche fielen hinten runter? Im Zuge von #Aufschrei wurde in letzter Zeit und auch auf der Podiumsdiskussion von Kompromissen gesprochen, die gemacht werden müssten, um den sexistischen Alltag zu beschreiben, so dass es auch nicht “zu kompliziert” werde (siehe O-Töne in der Berliner Zeitung von Anne Wizorek).

Statt weiter auf diese Problematiken einzugehen, war die erste Publikumsfrage eine, die oft in der “Sexismusdebatte” ™ gestellt wird: “Was kann getan werden, damit sich auch Männer für Feminismus interessieren?” Anne Wizorek resümierte, dass durch #Aufschrei Männer auch ein Bildungsangebot erhielten und viele dadurch erkannt hätten, dass Sexismus nach wie vor relevant sei. Adusei-Poku sah in der Fragestellung ein heteronormatives Moment. Denn genau darin liegen ihrer Meinung nach auch die Fallstricke der aktuellen #Aufschrei-Debatte, da sie zwar auf ein gesellschaftliches Problem hinweisen, aber auch selbst ein “Mann-Frau” Bild erzeugen und bestätigen. Die Mehrdimensionalität von Sexismus, die Adusei-Poku als “vielköpfige Hydra” bezeichnete, könne so nicht gut transportiert werden.

Dass ein Mitdenken von verschiedenen Machtverhältnissen schwierig sein kann, wenn mensch von ihnen nicht betroffen ist, ist nachvollziehbar. Aber letztendlich geht damit auch eine Nichtthematisierung bzw. ein Nichtmitdenken von Mehrfachdiskriminierung zu Lasten der Betroffenen einher. Solche Aspekte sprach die Moderatorin Sonja Eismann auf der Podiumsdiskussion an, sie wurden aber oftmals nicht weiterverfolgt bzw. zu einem Problem der Mainstreammedien gemacht. Dieser Punkt sollte allerdings eine zentrale Frage in der Auswertung der #Aufschrei-Debatte darstellen. Was wurde vom #Aufschrei gelernt, so dass vielleicht weniger die Frage nach “den Männern” oder der (Un)Möglichkeit des Flirtens im Vordergrund steht – was auch von einigen #Aufschrei-Initiatorinnen in der medialen Darstellung der Debatte kritisiert wurde – sondern die Frage in den Mittelpunkt gestellt wird, wie Mehrfachdiskriminierungen sichtbarer werden und gleichzeitig gesellschaftliche Veränderungen bewirkt werden können. Wie kann eine Debatte geführt werden, die eben die Vielschichtigkeit von Diskriminierung “einfach” benennen kann, so dass die Botschaft dennoch eine klare bleibt.

Es ist ein Erfolg der #Aufschrei/Sexismus-Debatte, dass die Antidiskriminierungsstelle einen erhöhten Zulauf von Betroffenen von Sexismus verzeichnet, die sich Hilfe suchen, wie Wizorek anmerkte. Doch wie kann und soll es nun weitergehen? Insgesamt ist unser Resüme zur Podiumsdiskussion durchwachsen: Ein paar Ideen wurden durchaus angesprochen; so plädiert Sookee für eine bessere und kritische Ausbildung von Pädagog_innen und McRobbie empfiehlt Feminist_innen den “langweiligen Marsch” durch die Bürokratie, um feministische Politiken voranzutreiben. Was von dem Abend bleibt, ist die Perspektive “Weitermachen”. Zu wenig wurde allerdings über konkrete Alternativen und Ideen gesprochen, wie feministischer (Online-)Aktivismus in Zukunft stärker komplexe Machtverhältnisse berücksichtigen kann. Auch da heißt es für uns alle: “Weitermachen”.

Den Text schrieben Sabine, Magda und Charlott.

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Reproduktion und (partei-)politisches Engagement

Mädchenmannschaft - 22 Mai 2013 - 15:09
Dieser Text ist Teil 39 von 39 der Serie Muttiblog

neulich war ich beim “kennenlernabend” einer partei. beginn: 19.30 uhr. ich kam so grade eben pünktlich, ca. 7 leute saßen schon da. ich dachte: nett, überschaubar. was ich nicht ahnte: dass alle paar minuten noch jemand eintraf. vielleicht bin ich ein bisschen spießig, aber mit der vorstellungsrunde selber begannen wir dann erst um acht.

gut, im normalfall ist das einfach nur ärgerlich. aber: ich war nachmittags bereits beim elterninfonachmittag der kita, in die minime ab sommer geht. minime selbst (der ist jetzt etwas über zwei jahre alt) ließ ich bei der babysitterin. abgelöst wurde die babysitterin nach zwei stunden von meiner schwester, damit ich anschließend auf besagten kennenlernabend gehen konnte.

zurück zum kennenlernabend: um acht begann die vorstellungsrunde, dann stellte eine die strukturen der partei auf kommunalpolitischer ebene vor. “und mittwochs trifft sich arbeitskreis xy, an jedem ersten dienstag dann die initiative zur weltrettung (setze hier beliebige initiative ein), der wahlkampf beginnt dann und dann und wir brauchen noch leute die dies und jenes machen. …” wow, dachte ich, um also irgendwie aktiv mitzumachen müsste ich sehr sehr viele abende hier verbringen. dabei bin ich ja schon in ‘privilegierter’ lage: der vater von minime ist generell genau so ein guter minime-aufpasser und ins-bett-bringer wie ich, hat aber auch schon mal jobs außerhalb der 9-17uhr. meine schwester ist regelmäßig da, um das kind abends oder am wochenende ein paar stündchen zu bespaßen (nicht nur mir zuliebe, sondern auch, weil sie ihn gerne sieht). eine babysitterin ginge zur not auch. aber alles eben nur ab und zu. zum beispiel, wenn ich mich mit anderen feministinnen der regionalliga treffe. oder mal mit einer freundin zum kaffee-kölsch-klönen, denn ja: zeit für mich selbst versuche ich auch irgendwo her zu nehmen.

um 22.20 uhr verließ ich die veranstaltung, bei der sich inzwischen scheinbar sehr grundlegende, wichtige politische debatten auftaten. was mir noch auffiel nach der vorstellungsrunde: die teilnehmenden waren in der regel sehr jung (abiturient_innen, studierende) oder schon weit über 50. fragen, anyone?

ich wollte mich parteipolitisch engagieren, weil mir bestimmte themen wichtig sind. aber wenn ich so sehe, wie parteipolitik – zumindest auf kommunaler ebene – aussieht, dann weiß ich auch, warum frauen- und familienpolitik grade so aussieht, wie sie ist: weil die, die es betrifft, mit anderen dingen beschäftigt sind. liebe angela mcrobbie, deine aufforderung, dass feministinnen sich in der POLITIK einmischen sollen, in allen ehren: wer passt dann auf mein kind auf?

(dass problem, keine zeit/kraft/energie für politisches engagement in parteien zu haben, tritt ja nicht nur im falle von kinderbetreuung auf. so wundert es zum beispiel auch nicht, dass die interessen von beschäftigten im prekären bereich wenig eingang in die arbeitsmarktpolitik finden. erst kommt das fressen, dann die moral (redewendung, nach b. brecht))

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Bedingungsloses Grundeinkommen, heimlicher Abbau einer Gedenkstätte für Sinti und Roma – kurz verlinkt

Mädchenmannschaft - 22 Mai 2013 - 09:08
Dieser Text ist Teil 191 von 191 der Serie Kurz notiert

Aus Protest gegen die Homo-Ehe hat sich ein Nazi in Frankreich öffentlich erschossen.

Die Empörung nimmt ab, der Rassismus nicht. Auf jetzt.de erzählen fünf Studierende von ihren alltäglichen Rassismuserfahrungen.

Auf Colorlines kritisiert Schauspielerin Lucy Liu die Rollenvergabe nach rassifizierten Kriterien. (englisch)

David Jay porträtiert auf The Scar Project Brustkrebs-Überlebende. (englisch)

In Wiesbaden lässt eine Schule eine Gedenkstätte für Sinti und Roma still und heimlich abbauen. Nach Protesten wird behauptet, sie habe nie existiert, schreibt die taz.

Unterstützer_innenInfo hat ein neues Heft herausgebracht. In “Kompass” geht es um Mythen und Realität im Bezug auf sexualisierte Gewalt.

DieStandard.at hat ein Interview mit Ina Praetorius zur Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen geführt.

Sharon Dodua Otoo schreibt im Nachgang zum taz-Panel über Aktivismus und Ally sein. (englisch)

Die Süddeutsche hat Geschlechterforscherin Melanie Groß zu Geschlechterrollen, dem Barbie Dream House in Berlin und der Farbe Pink interviewt.

Red No. 3 nimmt sich der typischen Aussage an, die (auch) Feminist_innen oft als “Kritik” zu hören bekommen: “Du möchtest nur mit Menschen reden, mit denen du einer Meinung bist“. (englisch)

Nachdem eine Jobcenter-Mitarbeiterin einen Mann trotz schwerwiegender Herzerkrankung zur Arbeit gezwungen hatte und dieser daraufhin einen Herzstillstand erlitt, droht ihr nun eine Strafanzeige.

Neonazi-Experte Bernd Wagner bestätigt bei einem Gespräch anlässlich des NSU-Prozesses in der Heinrich-Böll-Stiftung: Rassismus ist in deutschen Behörden strukturell verankert.

Seit in München der NSU-Prozess läuft, sind mehrere Einrichtungen Zielscheibe von Einschüchterungsversuchen vermutlich aus der rechten Szene geworden. Besonders heftig traf es eine Rechtsanwaltskanzlei, die vor Gericht die Angehörige eines Mordopfers vertritt, so sueddeutsche.de.

Die EU-Grundrechteagentur veröffentlichte am vergangenen Freitag, dem Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie Ergebnisse ihrer Online-Befragung, an der 93.000 Menschen teilnahmen: Gewalt, Isolation und Angst gehören zum Alltag vieler LGBT.

Raise Our Story teilt Erfahrungen von Menschen, die im Kindes- und Jugendlichenalter als sogenannte “undokumentierte Einwander_innen” in die USA einreisten.

In Irland soll die rigide Gesetzgebung über Abtreibungen reformiert werden. Frei entscheiden dürfen Schwangere weiterhin nicht, schreibt die Jungle World.

Nadine hat mit der taz über das Buch “queer_feminismus. label & lebensrealität” gesprochen, das sie zusammen mit Leah Bretz geschrieben hat.

Termine in Aachen, Berlin, Braunschweig, Düsseldorf, Hamburg, Kiel und Wien findet ihr nach dem Klick: 

Düsseldorf: Falls ihr spontan seid: heute Abend findet im Linken Zentrum ein Filmabend zum Thema “Women in Punk – from 77 to Riot Grrrl” statt.

Aachen: Das L*dyfest Aachen veranstaltet eine Drag Party am 1. Juni.

Berlin: Auftritt von Prinzessin Paula am 9. Juni beim Soli-Café für die Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und MigrantInnen.
Die Emanzipatorische Antifaschistische Gruppe Berlin lädt zum Vorbereitungstreffen gegen den alljährlichen Marsch der fundamentalistischen AbtreibungsgegnerInnen. Los geht es am Freitag, 31.5., 18 Uhr in der Meuterei (Reichenbergerstraße 58).

Braunschweig: Drop the Thought hat eine ganze Reihe an Terminen zusammengestellt.

Hamburg (31. Mai) und Berlin (3. Juni): Veranstaltung “queer and the colony: conversation of nation, sex and home“ mit Kyla Pasha, Lahore/Pakistan & Ponni Arasu, Chennai/ India
Die Frauenstiftung filia informiert zusammen mit Menschenrechtsaktivistinnen aus der Slowakei jeweils am 13. und am 14. Juni über Zwangssterilisationen an Rroma-Frauen.

Kiel: In Kiel gibt es eine neue lesbische Gruppe für Ausflüge in und um Kiel.

Wien: Am 11. Juni diskutieren Philosophin Birge Krondorfer, die Politikwissenschafterinnen Alexandra Weiss und Niki Staritz und die Literaturwissenschafterin Ulli Koch in der Buchhandlung ChickLit von 19 bis 21 Uhr zu den Herausforderungen, mit denen sich feministische Theoretiker_innen und Aktivist_innen aktuell konfrontiert sehen.

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Radiofeature: “Maskuline Muskelspiele”

Mädchenmannschaft - 21 Mai 2013 - 15:00

Wer_welche sich viel in feministischen Internetsphären aufhält, stolpert wohl früher oder später auch einmal über den Begriff “Maskulisten” oder “Männerrechtler” – oder erlebt diese gar in der Kommentarspalte des eigenen oder anderer Blogs.

Nun wird sich ein Radiofeature mit dem Namen “Maskuline Muskelspiele” mit diesem Phänomen auseinandersetzen. Die Sendung hat den folgenden Rahmen:

In der breiten Öffentlichkeit werden „Maskulisten“ hierzulande kaum wahrgenommen. Dabei sind die Anti-Feministen auch in Deutschland überaus aktiv. das ARD radiofeature beleuchtet ab 22. Mai, mit welchen Strategien sie in Deutschland gegen die angebliche Unterdrückung der Männer kämpfen. ARD-Autor Ralf Homann taucht ein in eine Szene, die sich vor allem im Internet konstituiert. Maskulisten stricken online aus rechtsextremen Verschwörungstheorien ihre Kampagnen. Die Parolen werden mitunter sogar von meinungsführenden Medien aufgegriffen. das ARD radiofeature fragt bei Experten, Verfassungsschützern und der Bundesregierung nach Ursachen und Maßnahmen gegen maskulistische Umtriebe.

Maskulisten agieren manchmal subversiv, oft aggressiv und von Hass erfüllt. Auch vor Morddrohungen gegen Andersdenkende schrecken sie nicht zurück. Selbst bei Anders Behring Breivik, der in Norwegen vor zwei Jahren 77 Menschen tötete, betonen skandinavische Terrorismusexperten dessen Anti-Feminismus. Auch in Deutschland hat Brevik Sympathisanten, die sich auf seine maskulistischen Positionen berufen – und gegen Grundlagen der Demokratie kämpfen, insbesondere den in der Verfassung verankerten Gleichheitsgrundsatz.

Konkret thematisiert wird unter anderem das Frauenbild von Breivik und die Rolle von “Hatespeech” für Maskulisten. Die Sendung könnt ihr ab morgen online nachhören oder aber direkt im Radio. Es stehen folgende Sendertermine an:

  • SWR 2: 22. Mai ab 22.03 Uhr
  • SR 2 Kultur Radio: 25. Mai ab 09.05 Uhr
  • Bayern 2: 25. Mai ab 13.05 Uhr
  • Nordwestradio (RB): 26. Mai ab 09.05 Uhr
  • NDR Info: 26. Mai ab 11.05 Uhr
  • WDR 5: 26. Mai ab 11.05 Uhr
  • hr2-Kultur: 26. Mai ab 18.05 Uhr

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»Flüchtlingsfrauen sagen: „Es reicht!“.«

Mädchenmannschaft - 21 Mai 2013 - 09:00

…unter diesem Titel ist im April erstmals eine »Frauenflüchtlingskonferenz« in Deutschland selbstorganisiert worden. Die beteiligten Aktivist*innen hatten sich letztes Jahr auf dem BREAK ISOLATION Refugee Summer Camp kennengelernt. In einem speziellen Zelt wollten sie sich dort ursprünglich ein Wochenende lang über die Situation von geflüchteten Frauen* austauschen. Zentral war die Frage danach, weshalb die Beteiligung von Frauen* in dem selbstorganisierten Kampf von Geflüchteten und Migrant*innen so gering ist, obwohl gerade sie »die meiste Ausgrenzung, Erniedrigung und Ausbeutung in ihrem (Flüchtlings-) Alltag erleben«. Nach dem Wochenende war aber noch lange nicht alles gesagt; die Aktivist*innen beschlossen, das Zelt die kompletten zehn Tage lang aufgebaut zu lassen. In diesen zehn Tagen fiel der Entschluss, ein eigenes Camp zu organisieren. Das ist nun vom 19.04. – 21.04.2013 in Hamburg realisiert worden.

Der Aufruf zu der Konferenz (der in neun Sprachen übersetzt worden ist ist) beginnt mit den Worten:

Liebe Freundinnen und Schwestern,

jede von uns trägt den Schmerz der Vergangenheit. Wir haben Armut, Elend, Krieg, politische Verfolgung, sexuelle Gewalt und Erniedrigung erlebt. Wir sind einen langen, beschwerlichen Weg gegangen und gemeinsam befinden wir uns hier in der Migration im Exil. […]

Die Konferenz sollte Gemeinsamkeiten der Aktivist*innen aufzeigen, aber auch mögliche Formen der Solidarität. Der Austausch sollte dabei im Vordergrund stehen; sowohl über die Situationen in den Herkunftsländern der Frauen*, ihre individuellen Migrations- und Fluchtgründe wie auch ihr Leben in Deutschland, inklusive dem Einfluss der rassistischen, sexistischen und ausgrenzenden Gesetzgebungen. Letztenendes sollten Konzepte entwickelt werden, wie geflüchtete Frauen sich stärker organisieren und für ihr Recht auf politischen Widerstand eintreten können. Nun ist ein Video veröffentlicht worden, das einen Einblick in die dort geführten Diskussionen gewährt:

Es schließt mit dem Aufruf:

Wir sind in Lagern. Wir sind nicht sichtbar. Man hört uns nicht. Aber ihr Frauen, die organisiert seid, seid da. Bitte meldet euch, damit wir euren Weg finden. Damit wir zu euch kommen können. Oder kommt ihr zu uns.

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Happy Birthday: 40 Jahre Spinnboden Lesbenarchiv und Bibliothek e.V. in Berlin

Mädchenmannschaft - 20 Mai 2013 - 15:31

Die letzten 40 Jahre, in denen Spinnboden – Lesbenarchiv und Bibliothek e.V. neben Herstory in New York zum mittler­weile größten Lesben­archiv der Welt angewachsen ist, waren mitunter turbulent: Am 25. Mai 1973 beschloss die Frauen­gruppe der „Homosexuellen Aktion Westberlin“ (HAW) ihre Protokolle, Flug­blätter und Briefe zu sammeln und legte damit den Grund­stein für das heutige Spinnboden-Archiv. In den kommenden Jahren wurden Spenden gesammelt, Förder­gelder beantragt, ein Verein gegründet, Ver­anstaltungen organisiert, Stellen geschaffen und für deren Erhalt gekämpft (denn Kürzungen im Bereiche Frauen-Lesben-Trans*-Arbeit waren damals wie heute keine Selten­heit, wie gerade auch wieder bei der Lebensberatung Berlin e.V. zu beobachten ist).

Wie aus der Pressemitteilung (PDF) zu entnehmen ist, umfasst die Sammlung von Spinnboden ver­schiedene Dokumente über die Berliner „Freundinnenkultur“ der 20er Jahre und aus der Lesben­bewegung der 70er Jahre, private Sammlungen, wissen­schaftliche Arbeiten, Belletristik und eine umfassende Film­sammlung. Die internationale Präsenz­bibliothek und die Dokumenten­sammlung umfasst ca.10.000 Bücher, über 1600 Zeitschriften­titel, 1000 Plakate sowie Bild-und Tonträger zur Lesben­geschichte und –bewegung.

In diesem Monat wird also 40-jähriges Bestehen gefeiert. Einige Veranstaltungen haben bereits statt­gefunden, z.B. eine öffentliche Kundgebung zum Gedenken an das Leid lesbischer Frauen im National­sozialismus. In der Pressemit­teilung (PDF) findet ihr weitere Ver­anstaltungen. Am 25. Mai 2013 lädt der Spinnboden ein zur großen Jubiläums­feier. Mit dabei sind: Coco Lorès, die Rapperin Sookee und Djane trust.the.girl.

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Von Artamanen bis Zschäpe – Frauen in der rechten Szene

Mädchenmannschaft - 20 Mai 2013 - 09:03
Dieser Text ist Teil 1 von 1 der Serie Gender und Rechtsextremismus

Welche Bedeutung haben eigentlich Frauen in rechten Netzwerken? Wie bringen sie sich ein? Wie sind sie einzuschätzen?  Und aus welchen Gründen werden sie oftmals übersehen, werden ihre Taten kleingeredet? Was gibt es zu rechtem Gedankengut und Geschlecht zu sagen? Mit diesen Fragen, und sicher noch einigen mehr, wollen wir uns ab heute in einer neuen Artikelserie “Gender und Rechtsextremismus” auseinandersetzen. Für diese Reihe haben wir uns für den Begriff Rechtsextremismus entschieden, um ein Einstellungsmuster zu bezeichnen, wie es hier bei “Netz gegen Nazis” beschrieben wird. Als anderer und oft synonym verstandener Begriff wird im allgemeinen auch “Rechtsradikalismus” genutzt, der unserer Meinung nach jedoch verkürzt ist. Nach besseren Begriffsalternativen wird noch gesucht. Kritisch anzumerken bleibt, dass “Rechtsextremismus” ein Begriff der Extremismustheorie ist, die unseren politischen Anliegen entgegenläuft und rechtes Gedankengut als “Randproblem”, das mit linker Politik und linken Utopien gleichgesetzt werden könne, strategisch verharmlost.

Seit dem 06. Mai läuft nun der sogenannte “NSU-Prozess” gegen Beate Zschäpe sowie André E., Holger G., Carsten S. und Ralf Wohlleben. (Zu den UnterstützerInnen hat die Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung Informationen zusammengetragen.) Mit dem Beginn des Prozesses ging selbstredend auch die Berichterstattung weiter, die Beate Zschäpe vor allem hinsichtlich ihres Aussehens kommentierte (“Ihr langes Haar glänzt. Vermutlich war sie noch gestern beim Gefängnisfriseur.” FOCUS) oder sie als “Nazi-Braut” bezeichnete (BILD).

Zwei Beispiele von vielen die zeigen, dass die mediale Wahrnehmung von rechten Frauen immernoch bestimmt ist durch klare sexistische Stereotype. Dabei ist die Forschung zu dieser Thematik seit Jahren weiter. So antwortet auch “Anna” vom Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus im Buch “Fantifa. Feministische Perspektiven auf anti-faschistische Politik” auf die Frage, ob sich denn in den letzten zwanzig Jahren die Wahrnehmung rechter Frauen geändert hätte:

Da würde ich unterscheiden: In den Kreisen, die Recherchearbeit machen, Forschung betreiben und publizieren zum Thema extreme Rechte, hat sich einiges getan. Hier werden Frauen- bzw. Geschlechterthemen überhaupt inzwischen deutlich häufiger berücksichtigt, so mein Eindruck. [...]
In der allgemeinen Öffentlichkeit allerdings ist das Bild häufig noch das der Frau als Mitläuferin, wenn überhaupt. Oftmals auch in sexualisierter Weise: Sie ist nur als “Freundin von…” vorstellbar. Das wurde recht gut sichtbar, als im November 2011 die Taten und das Kernpersonal der so genannten Zwickauer Terrorzelle des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) bekannt wurden. [...] Obwohl anfangs nichts klar war über die Beteiligung der einzelnen Mitglieder an der Mordserie des NSU, bezeichneten diverse Medien die Frau sofort als “Nazi-Braut” und “Betthäschen” der Mörder-Nazis.

Das Forschungsnetzwerk veröffentlichte so auch bereits im November 2011 einen offenen Brief an Medienschaffende und Wissenschaftler_innen durch solche Wortwahl nicht die Taten rechter Frauen zu verharmlosen. (Wir berichteten.) Auch zum diesjährigen Prozessbeginn äußerte sich das Forschungsnetzwerk in einem weiteren offenen Brief:

Entgegen aktueller wissenschaftlicher und empirischer Forschung und Erkenntnisse reproduzieren Medien und Behörden in ihren Berichten noch viel zu häufig Frauenbilder, die extrem rechte Akteurinnen, wenn überhaupt, als Mitläuferinnen, Freundinnen, Ehefrauen, harmlos, unpolitisch und unbedeutend darstellen. Beate Zschäpes Aktivitäten zeigen, dass diese Wahrnehmungen und Umdeutungen eine Sackgasse sind. Die Verharmlosung der Rolle von Frauen in der extremen Rechten spiegelt nicht nur sexistische Stereotype wider, sie verharmlost auch die rassistisch und antisemitisch motivierten Taten selbst.

Doch Mainstream-Medien und bundesdeutsche Behörden sind nicht allein im Nicht-Beachten rechter Frauen. Lange Zeit fiel auch einer kritischeren Forschung dieser Fokus schwer, denn zu erst musste es zu einer Auseinandersetzung mit der Möglichkeit von Täterinnenschaft kommen. Die Frage lautete: Können Frauen in einem patriarchalen System überhaupt Täterinnen sein?

Die Antwort muss ganz klar “Ja” lauten. Christina Thürmer-Rohr zeichnet in ihrem Aufsatz “Die unheilbare Pluralität der Welt – von Patriachatskritik zur Totalitarismusforschung” aus dem Jahr 1997 einige Entwicklungen dieser Debatte in Deutschland nach. (Mit dem gesamten Aufsatz hat sich Nadine hier schon einmal auseinandergesetzt.) Thürmer-Rohr beschreibt, wie Anfang der 1980-iger Jahre die These der Mittäterinnenschaft entstand:

Die Handlungen der Frauen sind demnach nicht nur aufgezwungene und ihre Handlungsbegrenzungen nicht nur durch Zwang verhinderte Handlungen, sondern sind auch selbstgewählte, oft selbstgewollte, vor allem aber dem System dienliche Handlungen. Frauen werden nicht nur verstrickt, verletzt und mißbraucht von einem schädigenden System, sondern sie steigen auch eigentätig ein, sie gewinnen auch etwas, sie ernten Privilegien und fragwürdige Anerkennungen, sie profitieren von ihren Rollen – sofern sie sie erfüllen.

In dem Begriff der Mittäterin soll gleichzeitig die Täterinnenschaft (zu meist rassistische Gewalt durch weiße Frauen), aber eben auch die Unterdrückung, die qua Geschlecht vorliegt, eingeschlossen sein. Der Begriff soll die ambivalente Positionierung deutlich machen.

Dass weiße Frauen aktiv als Täterinnen (und hier wurde meist dieser Begriff gewählt) an der Unterdrückung von PoC (mit)wirken, haben natürlich aber vor allem Schwarze Theoretiker_innen/ Aktivist_innen und Theoretiker_innen/ Aktivist_innen of Colour wie bell hooks, Angela Davis und Audre Lorde herausgearbeitet. Dabei schrieben und schreiben sie nicht nur zu Frauen, die konkret in rechte Zusammenhänge einzuordnen sind, sondern beispielsweise auch über weiße Feminist_innen.

Eines ist deutlich: In einem Gesellschaftssystem, welches von unterschiedlichen Machstrukturen durchzogen ist, wo Sexismus eben nicht das einzige ist, ist auch (Mit)Täterinnenschaft möglich und Frauen können von innerhalb des Systems von bestimmten Handlungen profitieren. Nach diesem Prinzip sind auch rechte Gruppierungen zu betrachten. Im zweiten Teil der Serie werde ich genau dies noch einmal intensiver tun und aufzeigen, welche Rollen rechte Frauen einnehmen.

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Selbermach-Sonntag (19.05.13)

Mädchenmannschaft - 19 Mai 2013 - 10:38

Diejenigen von euch, die jetzt so langsam wieder aus der Eurovision-Song-Contest-Hölle auftauchen, müssen wahrscheinlich noch die Reste des Käseigels wegräumen und Sektgläser spülen, bevor sie dazu kommen, von ihrer Woche zu berichten. Alle anderen können ja schonmal loslegen – der Selbermachsonntag ist eröffnet! Wart ihr vielleicht gestern beim Bühnenwatchprotest anlässlich des Theatertreffens dabei? Habt anderweitig demonstriert, protestiert, euch engagiert? Spannende Texte geschrieben? Tolle neue Tipps für die Selbstfürsorge erprobt? Musiktipps um die ESC-verklebten Ohren freizuspülen? Her damit!

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Samstagabendbeat mit Ebow X

Mädchenmannschaft - 18 Mai 2013 - 17:00

Auf der Website von Ebow X gibt es ein besonderes Schmankerl, um mal einen Begriff aus der Musikerin Heimatregion zu bemühen: Und zwar ein 23minütiges Nonstop-Snippet-Video, eigentlich besser gesagt fast einen Kurzfilm zum inzwischen etwa ein Jahr alten Mixtape “Habibi’s Liebe & Kriege”. Eine Besprechung  von Sookee könnt ihr in der Februar-Ausgabe der an.schläge lesen (und in verschiedenen Interviews mit Ebow u.a. warum sie den ständigen M.I.A.-Vergleich nicht so dolle findet), zum Audiostream geht’s hier, noch mehr gibt’s bei Ebows Soundcloud. Und eine Facebookseite hat die Künstlerin auch. Gerade auch weil ich mir bei Ebows Texten nicht immer zu 100% sicher bin, was ich davon halte(n sollte): ich bin gespannt auf das Album, das noch dieses Jahr erscheinen soll und freu mich sehr drauf.

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Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

Mädchenmannschaft - 18 Mai 2013 - 09:00
Dieser Text ist Teil 203 von 203 der Serie Genderissimi: Die Blogschau

Vergangenen Sonntag war Muttertag. Katharina von Sich mit Worten bevorraten will nicht nur zu diesem Anlass mehr als Blumen.  Auch Melanie ist kein Fan dieses Begängnisses, reflektiert aber zu diesem Anlass ihre Sicht auf Dankbarkeit für  Mütter.

Gleich ein bunter Strauß an Berichten darüber, wie wenig mensch sich selbst in vermeintlich alternativen,  emanzipatorischen Umfeldern auf Pausen vom *istischen Alltag verlassen kann:

Kotzwürg-Sexismus galore beim BarCamp Graz.  Und mehr als genug Kackscheiße auch beim Workers Youth Festival in Dortmund.  Das erfolgreiche Modelabel American Apparel geriert sich als hipper Awareness-Laden, kommt aber seit jeher nicht ohne Sexismus aus.  An der Heidelberger Uni lacht man über NSU-Verharmlosung in Tateinheit mit Plumpsexismus von vorvorgestern. An der Düsseldorfer Uni soll ein antifeministisch dominiertes  Männerreferat gegründet werden. Und angesichts der von großem Pressetamtam begleiteten Proteste gegen die “Barbie Dreamhouse Experience” konnte mensch sich auch nur noch an den Kopf packen.

Edward von Twidgeridoo! berichtet unter dem bitter sarkatischen Titel “Meine erste Internierung” über erfahrene(n) Rassismus und Polizeigewalt. Mehr (Grundlagenarbeit für) rassistische Kackscheiße ist zu erwarten bei der Innenminister*innenkonferenz (IMK), die vom 22.-24. Mai in Hannover stattfindet und wo auch Asyl- und Migrationspolitik auf dem Programm steht – Protest wird bereits organisiert.

Die ständige Erwartung, verfügbar zu sein – für Diskussionen, Erklärungen oder den Wohlfühlfaktor: Frau Dingens hat genug davon. A propos Erwartungshaltung: Seitdem ich auf meinem Profilbild Tatyana Fazlalizadehs Anti-Street-Harrassment-Shirt trage, wird immer wieder gefragt, wo es dieses großartige Shirt den gebe – und auch High on Clichés kennt den Ärger über die ständige Aufforderung “Lächel doch mal!”.

Die Brust-OP von Angelina Jolie ist nicht nur ein Knaller für die Boulevardmedien, sondern auch ein Politikum. Mel gibt Kontext und findet:  “Well done, Angelina Jolie”.  Merle Stöver möchte Jolie für ihre Entscheidung respektiert sehen – gerade von Feministinnen. Und weil (gerade auch Frauen*-)Gesundheit immer ein politisches Thema ist, berichtet my myself & child über ihren “Gebärmutterschnupfen” und lädt zur Vernetzung ein.

Und wo wir schon bei Körper und Selbstbestimmung sind: Grrrlghost hat anlässlich der Debatte um die “Pille danach” noch ein Video beizusteuern.

Shopping ist nicht für alle ein Vergnügen – die Suche nach passenden BHs auch nicht, wie Ryuu berichtet. Außerdem ist Ryuu aus Berlin – nach wie vor Sehnsuchtsort für viele – weggezogen und erzählt, warum. Und dass auch in anderen Städten mit B am Anfang ordentlich was los sein kann, lässt sich Helgas umfangreicher Terminliste für Braunschweig entnehmen.

Außerdem hat Helga ein Buch über Pionierinnen der Archäologie gelesen und rezensiert.

Ninia LaGrande interviewt Jasmin Mittag,  Initiatorin der Kampagne “Wer braucht Feminismus?” in Deutschland.

Nele Tabler schaut die  TV-Serie Call the Midwife (Ruf die Hebamme) und findet schwangere Heldinnen.

Anne Roth sammelt Beispiele von Fällen, bei denen feministischen Medien, Blogs, Zeitschriften, Fernseh- oder Radiosendungen von Zensur betroffen waren (oder sind).

Für eine bessere Vernetzung der feministischen Blogosphäre listen wir jede Woche auf, was unsere Kolleg_innen über die Woche so melden und tun. Haben wir etwas vergessen oder übersehen? Kennen wir dein brilliantes Blog etwa noch gar nicht? Dann sag uns bitte Bescheid!

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Parteienpolitikverdrossenheit. I dislike.

Antje Schrupp - 17 Mai 2013 - 10:07

© contrastwerkstatt – Fotolia.com

Die Tage kam wieder mal eine Forsa-Studie heraus, die die „Politikverdrossenheit“ in Deutschland beklagt. 30 Prozent der Wahlberechtigten wissen noch nicht, ob sie im September wählen gehen oder wen sie dann wählen.

Ich bin eine davon. Ich weiß einfach nicht, wen ich wählen soll. Ich bin mit keiner der antretenden Parteien genug einverstanden, um ihr meine Stimme zu geben. Denn für eine Partei zu stimmen bedeutet ja, zu sagen: Du sollst, wenn du die Mehrheit bekommst, in meinem Namen regieren.

Keine Politikerin stellt sich nach einem Wahlsieg vor die Kamera und sagt: „Vielen Dank, liebe Leute, die Ihr uns gewählt habt. Wir wissen, wie schwer euch die Entscheidung gefallen ist, und wir freuen uns aufrichtig, dass Ihr uns wenigstens für das kleinere Übel haltet.“

Wenn meine Stimme so interpretiert würde, könnte es ja noch angehen. Aber so ist es nicht. Die Politiker_innen stellen sich hin und sagen: Seht ihr, soundsoviel Leute haben uns ihr Vertrauen gegeben, wir haben den Wählerauftrag, was wir tun ist toll!

Und deshalb kann ich keiner der zur Wahl stehenden Parteien meine Stimme geben, weil ich jetzt schon weiß, dass sie sie fehlinterpretieren und zur Selbstlegitimation missbrauchen würden.

Mein Nichtwählen hat aber natürlich überhaupt nichts mit Politikverdrossenheit zu tun, und auch nichts mit Politikmüdigkeit, sondern es ist im Gegenteil die Folge davon, dass ich politisch denke. Dass ich die Sache mit dem Wählen und dem „Wählerauftrag“, den ich da vergeben soll, offenbar ernster nehme als ich es in den Augen derer, die mich zur Wahlbeteiligung auffordern, sollte.

Ich will mein Nichtwählen gar nicht mit dem alten Anarchospruch „Wenn Wahlen etwas verändern würden, dann wären sie verboten“ verbrämen. Natürlich ist da was dran, Parlamentswahlen sind von ihrem Wesen her systemkonform. Aber so what. Ich mache den lieben langen Tag so viele systemkonforme Dinge, dass es auf so ein bisschen Wählen auch nicht ankommt. Einmal in fünf Jahren irgendwo meine Stimme abzugeben, hindert mich ja nicht daran, an den restlichen Tagen auf die Revolution hinzuarbeiten.

Außerdem stimmt es ja ganz einfach nicht, dass Wahlen nichts verändern. Natürlich ändern sie was. Natürlich ist es ein Unterschied, ob die AfD in den Bundestag kommt oder nicht, ob Merkel demnächst weiter mit der FDP regiert oder ob es zu einer großen Koalition kommt, und so weiter. Natürlich haben Wahlergebnisse Einfluss auf die realen Geschehnisse in der Welt, auf Gesetze, auf Stellenbesetzungen, auf Ausschüsse und so weiter. Deshalb finde ich es wirklich blöd, dass ich all das mit meinem Nichtwählen gar nicht beeinflussen kann.

Und deshalb habe ich einen Vorschlag (update: Die Idee stammt ursprünglich von Benni Bärmann, aber da das damals nicht verbloggt wurde, hatte ich es inzwischen wieder vergessen), wie wir das Wahlverfahren so ändern können, dass auch Nichtwählenkönnende wie ich die Möglichkeit haben, sich daran zu beteiligen.

Ich habe nämlich durchaus eine Meinung, die sich per Abstimmungsverfahren ausdrücken ließe. Denn ich kann zwar keiner der vorhandenen Parteien meine Stimme geben, aus den oben genannten Gründen, aber dennoch sind mir nicht alle Parteien gleich unlieb. Ich habe durchaus Präferenzen in dem Sinn, dass ich manche Parteien deutlich schlimmer finde als andere.

Ich wäre also durchaus bereit, meinen politischen Willen in Form einer „Minusstimme“ auszudrücken. Also zu sagen: Von den vorhandenen Parteien will ich von der Partei X am allerwenigsten vertreten werden. Ich könnte mir denken, dass es anderen auch so geht, und ich würde wetten, dass die Möglichkeit, eine Minusstimme zu vergeben, mehr Menschen an die Wahlurnen brächte. Somit würden die Wahlergebnisse auch ein umfassenderes Bild vom „politischen Willen des Volkes“ abbilden, als sie es jetzt tun.

Jede_r Wahlberechtigte dürfte dabei nur eine Stimme haben, man müsste sich also entscheiden, ob man die Plus- oder die Minusstimme vergeben möchte. Aber es ist ja durchaus interessant zu erfahren, welche Parteien von einer Vielzahl von Menschen nicht nur gleichgültig betrachtet, sondern regelrecht abgelehnt werden.

Mein Vorschlag ist nicht nur ein pragmatischer, sondern durchaus auch ein inhaltlicher. Denn damit ein Politiker oder eine Politikerin legitimiert ist, „im Namen des Volkes“ zu sprechen, reicht es aus meiner Sicht eigentlich nicht aus, dass er oder sie 51 Prozent der Menschen hinter sich versammelt. Ich finde, es ist auch wichtig, dass die anderen 49 Prozent sie oder ihn nicht gerade hassen, sondern immerhin halbwegs akzeptieren und damit leben können.

Mit Minusstimmen hätten wir vermutlich weniger Probleme mit rechtsextremen Parteien. Vielleicht auch weniger Probleme mit Populisten. Wie wäre die Wahl wohl für Berlusconi ausgegangen, wenn es in Italien Minusstimmen gäbe? Oder für Bush in den USA? Für Orbán in Ungarn? Ich denke wirklich, dass es gut wäre, wenn in einem Wahlergebnis nicht nur abgebildet würde, wer Zustimmung aus der Bevölkerung bekommt, sondern auch, wer in hohem Maße abgelehnt wird.

Ein gewisses Problem wäre es höchstens, dass es mit Minusstimmen neue, kleine Parteien vielleicht schwerer hätten, im Parteienspektrum Fuß zu fassen, weil sie leicht Opfer von Anti-Propaganda werden könnten. Aber ich denke, dafür ließe sich bestimmt eine Lösung finden. Man könnte zum Beispiel die Fünf-Prozent-Hürde senken oder eventuell auch ganz abschaffen.

Was haltet Ihr von der Idee? Hab ich was Wichtiges übersehen?


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Geschlecht im Recht – zum 39. Feministischen Juristinnentag in Berlin

Mädchenmannschaft - 17 Mai 2013 - 09:11
Dieser Text ist Teil 14 von 14 der Serie Feminismus im Recht

Die heutige “Feminismus im Recht”-Kolumne wird nicht von Maria beigesteuert, sondern von Kollegin Dr. Anja Schmidt, die am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie der Uni Leipzig arbeitet. Sie hat für uns netterweise einen Erfahrungsbericht zum Feministischen Juristinnentag verfasst.

Der 39. Feministische Juristinnentag (FJT) fand vom 3. bis zum 5. Mai in Berlin in Berlin statt. Besonders habe ich mich über die offene und konstruktive Atmosphäre gefreut, in der unterschiedliche feministische Positionen und geschlechterkritische Perspektiven Raum hatten.

Den Eröffnungsvortrag hielt Dr. Laura Adamietz von der Uni Bremen. Sie ließ die Rechtsprechung des Bundesverfassungsrechts zu den Rechten von Trans*-Personen Revue passieren, kritisch und unter Beleuchtung der Fortschritte, die sie für die Anerkennung des wirklichen Geschlechts dieser Menschen gebracht hat. Dass es im Bundestag bis zur im Herbst anstehenden Wahl wahrscheinlich nicht mehr gelingen wird, das eigentlich nur noch als Torso geltende “Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen. Transsexuellengesetz” an die verfassungsrechtlichen Vorgaben anzupassen oder es besser neu zu ordnen, ist mehr als beschämend, zumal hierzu bereits seit der vorigen, 16. Wahlperiode verschiedene Gesetzesentwürfe eingebracht wurden.

Die nachfolgenden AG und Foren spiegelten die Bandbreite juristisch-feministischer Themen wieder, unter anderem ging es um Gewalt gegen Migrant_innen, die Strafverfolgung bei sexualisierter Gewalt, die Reform des Sorgerechts nicht miteinander verheirateter Eltern und die Rechtslage von intersexuellen Menschen. Ich besuchte die AG “Selbstbestimmungsrecht im Personenstandsgesetz? Ein Diskurs in INTER*-Realitäten”, geleitet von der Juristin Juana Remus (Uni Bremen) und von Lucie Veith, der zwangstransexualisiert wurde und der 1. Vorsitzender des Bundesverbandes Intersexuelle Menschen ist.

Juana Remus referierte sehr sorgfältig und pointiert zur Inter*-Personen betreffenden Rechtslage. Lucie Veith brachte sehr eindrücklich und kraftvoll die Erfahrungen und Perspektiven eines Inter*-Menschen ein und insistierte nachdrücklich darauf, dass das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit vollumfänglich auch für Inter*-Kinder realisiert werden muss. Diese Forderung ist in der aus der AG hervorgegangenen Fachstellungnahme ebenso enthalten, wie die Forderung, Eingriffe in die Geschlechtlichkeit des Kindes und die Entfernung hormonproduzierender Organe zu unterlassen, bis das Kind eigenverantwortlich entscheiden kann sowie die Forderung nach einem besonderen Schutz von intersexuellen Kindern in ihrer geschlechtlichen Selbstbestimmung und die Forderung nach der Abschaffung des Geschlechtseintrages im Personenstandsregister.
(genauer unter http://www.feministischer-juristinnentag.de/Resolutionen.html).

In dem anschließenden Forum “Verfügung über Kinderkörper: Kinderkörper und chirurgische Intim-Eingriffe” wurden die Perspektive von Inter*-Personen, die feministischen Positionen zur Genitalbeschneidung von Mädchen und Positionen zur religiös motivierten Beschneidung von Jungen in einem gemeinsamen Diskurs zusammengeführt. Ein sehr mutiges Unternehmen, da insbesondere die Diskussion um die Beschneidung von Jungen sehr emotionalisiert geführt wird und hinsichtlich der unterschiedlich motivierten Intimeingriffe an Kindern verschiedene feministische / geschlechterkritische Perspektiven aufeinanderprallen. Von Standpunkten, die sich gegen Diskriminierung aus religiösen Gründen wenden und die Beschneidung an Jungen verteidigen, bis hin zu Standpunkten, die sich aufgrund von Erfahrungen von Interesex*-Personen und von beschnittenen Frauen und Mädchen strikt gegen Eingriffe an den Genitalien von Kindern wenden.

Ich bin sehr froh, dass dieses Unterfangen gewagt wurde, auch wenn spürbar war, dass die Diskussion sehr heikel ist. Nicht zuletzt aufgrund der gut organisierten Moderation von Lucy Chebout ist es gelungen, alle Perspektiven zu Wort kommen zu lassen und zu verdeutlichen, dass dem Konflikt zwischen dem Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit des Kindes und dessen Recht auf negative und (!) positive Religionsfreiheit (sein Recht, nicht auf eine Religion festgelegt zu werden, und sein Recht, religiös eingebunden aufzuwachsen) nicht leicht beizukommen ist. Ich hatte den Eindruck, dass jedenfalls das Verstehen der jeweils anderen Position vertieft wurde und dass damit die Basis für sachliche Diskussionen, die noch nicht zu Ende geführt sind, gestärkt wurde.

Zur geschlechterkritischen Perspektive passend schloss der FJT mit einem Beschluss zur Einladungspolitik des FJT, wonach er “offen für alle Frauen, alle, die sich als Frauen fühlen, und alle, die sich keinem der herkömmlichen Geschlechter zuordnen können oder wollen” ist. Ich freue mich auf den Jubiläums-FJT Anfang Mai 2014 in Leipzig!

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Demo in Berlin: “Keine Streichung bei FrauenLesbenTrans*-Projekten”

Mädchenmannschaft - 16 Mai 2013 - 13:24

Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit & Soziales hatte vor wenigen Wochen angekündigt, dass die Lesbenberatung Berlin e.V. und das Familienplanungszentrum Balance jeweils 15.000 Euro im laufenden Haushaltsjahr einsparen sollen, um damit ein neu entstehendes Projekt zur psychologischen Begleitung wohnungsloser Frauen mitzufinanzieren (wir berichteten).

Dass 15.000 Euro für keine psychosoziale Einrichtung wie die Lesbenberatung leicht zu stemmen sind – mehr noch – sich die Einsparungen empfindlich auf die Arbeit der Lesbenberatung auswirken werden und damit die Gesundheitsversorgung von lesbischen, bisexuellen Frauen und Trans* gefährden, haben Senatsverwaltung und Berliner Abgeordnetenhaus bei ihrem Beschluss offenbar nicht bedacht.

Anlässlich der geplanten Kürzungen soll nun am Freitag, dem Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie vor der Senatsverwaltung demonstriert werden. Außerdem sollen die bereits gesammelten Unterschriften gegen das Kürzungsvorhaben übergeben werden. Los geht es um 11 Uhr in der Oranienstraße 106. Kommt zahlreich, zeigt euren Unmut und unterstützt die Arbeit der Lesbenberatung!

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Trotz Kritik von allen Seiten: Notfallverhütung bleibt rezeptpflichtig

Mädchenmannschaft - 16 Mai 2013 - 09:00

Der Gesundheitsausschuss des Bundestags hat gestern beschlossen, dass die sogenannte “Pille danach” auch weiterhin in Deutschland nur auf Rezept erhältlich sein wird. Das bedeutet: Wer Notfallverhütung braucht, muss sich dafür in eine (Notfall-)Praxis, am Wochenende oder abends ggf. in ein Krankenhaus begeben und nicht selten eine Untersuchung über sich ergehen lassen, deren Notwendigkeit mehr als zweifelhaft ist. Erst danach kann das Rezept – wenn es denn ausgestellt wird – in einer Apotheke vorgelegt und das Medikament erworben werden – jedenfalls sofern sich die_der Apothekerin nicht aus obskuren “ethischen” Gründen weigert, es rauszugeben, was auch schon vorgekommen sein soll. Meiner Erfahrung nach werden da mindestens um die 20 Euro fällig, wenigstens kommt seit Anfang des Jahres keine Praxisgebühr mehr dazu.

Damit stellt sich der Bundestag gegen die Empfehlung verschiedener Expert_innengremien, unter anderem der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Begründung ist natürlich wieder mal in patriarchalisch-paternalistischer Manier der Schutz der Patient_in – fiele die Rezeptpflicht weg, so das Argument, sei es ja quasi vorprogrammiert, dass wir alle uns das Zeug wie Smarties reinpfeifen, leichtsinnig und uninformiert wie wir sind. Und was da nicht alles passieren kann… Komischerweise kriegen es potentiell von Schwangerschaft betroffene Menschen in anderen Teilen der Welt offenbar dennoch hin, ihren “Pille danach”-Konsum  halbwegs verantwortlich zu managen (und Mediziner_innen finden trotzdem ein Auskommen): In insgesamt 79 Ländern sind Notfallverhütungspräparate frei erhältlich, darunter sämtliche EU-Staaten außer Italien, Polen und eben Deutschland.

Wie es praktisch so laufen kann, wenn mensch sich in der Lage sieht, die “Pille danach” zu benötigen, beschrieb vor wenigen Tagen Nicole von Horst – und stellt die Idee in den Raum, auf einer online einsehbaren Karte zu verzeichnen, bei welchen Krankenhäusern und Ärzt_innen der Versuch, die Pille danach zu bekommen, mit Problemen verbunden war. Tolle Idee – Unterstützung wanted! (Persönlich könnte ich zwei Stellen beisteuern, wo es damals außer den Kosten keine Probleme, auch keine Untersuchung gab, zum Glück.)

Eigentlich verhüte ich nie. Ich mag die Existenzpanik und Überforderung, potenziell schwanger zu sein. & die süße #Pilledanach #wiesmarties

— Mina Dingens. (@miinaaa) 15. Mai 2013

Charlott hat vor nicht allzu langer Zeit schon einmal die Problematik analysiert und stellt die wichtigen Fragen:

Es braucht also (mal wieder) eine großangelegte Kampagne zu reproduktiven Rechten, denn letzten Endes hängen all die in diesem Rahmen debatierten Probleme zusammen. Wir müssen uns fragen, wer_welche entscheidet über Zugänge zu Verhütung (und in dem Rahmen auch Notfallverhütung)? Wer_welche hat überhaupt Zugang? Welche Personen werden bei diesen Diskussionen häufg übersehen (zum Beispiel Trans*-Personen, denn nicht nur Cis-Frauen können schwanger werden)? Über wessen Sexualität wird in diesen Debatten ständig gerichtet?

Es bleibt bei dem Fazit, welches accalmie kürzlich schon hier gezogen hat: Reproduktive Rechte sind, auch in Deutschland, alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Wie restriktiv die Lage bereits ist und ohne kontinuierliche Kämpfe möglicherweise noch werden könnte, sollte nicht unterschätzt werden.

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Update: So schnell kann’s gehen, hurra – die interaktive Karte findet ihr hier, bestückt sie fleißig!

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Bionade, feministische “Humorlosigkeit” und die nächste Löschdebatte bei Wikipedia – kurz verlinkt

Mädchenmannschaft - 15 Mai 2013 - 15:04
Dieser Text ist Teil 190 von 190 der Serie Kurz notiert

Wir berichteten letzte Woche über den trans*feindlichen Werbespot von Bionade. Durch eure vielen Beschwerden reagierte Bionade mit einem Statement (Facebook-Link), welches weder eine Auseinandersetzung mit den Kritiken, noch eine Entschuldigung beinhaltet (sondern sogar behauptet, bei Bionade gäbe es gar keine Diskriminierung!). Falls ihr noch die Kraft habt, lasst Bionade weiterhin wissen, dass Diskriminierung kein Verkaufsschlager sein darf. Für die Zukunft kann folgendes gelten: Das schöne an (trans*feindlicher) Bionade – mensch kann sie auch weglassen!

In dem Band “Aufstand aus der Küche” von Silvia Federici wird neben zwei neuen Beiträgen auch die bereits 1974 verfasste feministisch-marxistische Ökonomiekritik „Counter-Planning from the Kitchen“ erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht.

Die US-amerikanische Satirezeitschrift The Onion ist mal wieder vorn mit dabei, was sexistische Gewalt angeht. (englisch)

The New Yorker berichtet über einen Fall in Cleveland, nach dem drei Frauen, die ein Jahrzehnt als vermisst galten und zum Teil bereits für tot erklärt wurden, aus dem Haus, in dem sie festgehalten worden waren, befreit werden konnten. Ein Mann hatte eine der Frauen dabei beobachtet, wie sie vergeblich versuchte, die Tür von innen aufzubrechen. Er ordnete das Gesehene sofort als häusliche Gewalt ein und half ihr die Tür zu zerstören. (englisch)

Bei Shakesville erklärt Melissa McEwan noch einmal, was es mit feministischer “Humorlosigkeit” bezüglich *istischer “Comedy” auf sich hat (englisch).

CosmoTV berichtet über einen Dokumentarfilm von Mirza Odabaşi zum rassistischen Brandanschlag auf ein Solinger Wohnhaus vor 20 Jahren, bei dem fünf Menschen getötet worden sind. Der Film wird Ende Mai in Solingen uraufgeführt.

DieStandard.at würdigt die kürzlich verstorbene Frauenrechtlerin Hannelore Mabry.

The feminist wire analysiert die Karrieren und Selbst_Repräsentationen von Beyoncé und Lauryn Hill und entdeckt trotz der Unterschiede nicht wenige Gemeinsamkeiten. (englisch)

Ms.Magazine veröffentlicht einen Nachruf auf Brustkrebsaktivistin Barbara Brenner (englisch)

Angelina Jolie hat sich angesichts ihres genetisch stark erhöhten Brustkrebsrisikos für eine präventive Mastektomie entschieden. In der NY Times berichtet sie darüber – politisch brisante Punkte wie die Debatte um körperliche Selbstbestimmung, Gesundheitsrisiken, Gesundheitsindustrie und damit in Verbindung stehende finanzielle Faktoren werden zwar lediglich angerissen, dennoch ist das Öffentlichmachen dieser Entscheidung per se bereits als politischer Akt zu werten. (englisch)

der verein xart splitta gestaltet raum_rahmen für trans_x_ende, trans_xend empowernde kreative anwesende konkrete visionäre künstlxsche aktionen_ideen_politiken. aktuell gibt es zwei aufrufe für spoken word, kurzfilme, performances, tanz, musikstücke,… für einen performanceabend sowie fotos, gemaltes, collagen, gezeichnetes, geschriebenes … für ein printprojekt.

La Voix du Yemen interviewt Alaa Al-Eryani, die kürzlich die Initiative The Yemeni Feminist Movement startete.

with WINGS and ROOTS, ein Dokumentarfilmprojekt, das die Geschichten und Visionen fünf junger Menschen in Berlin und in New York erzählt, braucht eure Unterstützung!

Rassistischer Polizei-Alltag in Deutschland: Weil eine Frau, die auf offener Straße zusammengebrochen war, sich nicht ausweisen konnte und kein für die Beamten verständliches Deutsch sprach, wurde sie in Gewahrsam genommen, anstatt notärztliche Versorgung einzuleiten. Erst als ihr Mann sie als vermisst meldete und wenig später schließlich vor Ort war, reagierte die Polizei.

Der aktuelle Löschantrag für den Begriff “Femizid” heizt die Debatte über die Macht der Maskulisten auf der Wissensplattform an, schreibt dieStandard.at.

Termine in Berlin, Bochum, Göttingen, Braunschweig und deutschlandweit anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie gibt es nach dem Klick!

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT) demonstriert die Lesbenberatung Berlin am Freitag vor der Senatsverwaltung für Gesundheit & Soziales gegen die geplanten Kürzungen. Mehr Infos auf der Webseite oder auf Facebook.

Auf lesben.org gibt es eine Liste mit Veranstaltungen anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie und Transphobie am 17. Mai.

Am Sonntag findet in Bochum das Queer Beat Festival statt.

Canim Kreuzberg, ein Dokumentarfilm über das Leben der Aktivistin Kiymet Özdemir, die sich für die Rechte der türkischen Gastarbeiter_innen, für diskriminierungsfreie Bildung und gegen Rassismus in Deutschland einsetzte, feiert am 23. Mai im Berliner Moviemento Premiere.

Feministische Mai-Termine in Göttingen wurden zusammengestellt von [femKo], einer queer-feministischen Gruppe in Göttingen.

Am 29. Mai in Braunschweig: Jenseits der Norm – Wie kann das Studium der Ingenieurwissenschaften attraktiver werden? mit Helga Hansen

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Worte schöpfen, Alternativen lesbar machen

Mädchenmannschaft - 15 Mai 2013 - 09:00
Dieser Text ist Teil 72 von 72 der Serie Die Feministische Bibliothek

Wissen wir immer was wir sagen? Welche Normalitäten stellt unsere Sprache her…

…und wie kann jede_r Einzelne diese verändern?

Welche_r tagtäglich versucht, sich selbst solche Fragen zu stellen, nach Möglichkeit vielleicht sogar Antworten zu finden und sie auch Kindern nahe zu bringen, sieht sich oft vor Herausforderungen. Ich bin daher sicher, dass sich viele Kinder-Bezugspersonen begierig auf Bücher wie machtWORTE!, das “gesellschaftskritische ABC-Buch für Kinder”, stürzen – so wie auch ich es getan habe.

Buchcover, Quelle: machtWORTE!-Website

Das Ende 2012 im Berliner Jaja Verlag erschienene Buch machtWORTE! 26 und mehr Anregungen Sprache immer wieder neu zu erleben ist hervor gegangen aus einem Uni-Seminar zu sprachlichen Diskriminierungen. Dort hatten sich die Autorinnen Cindy Ballaschk, Maria Elsner, Claudia Johann und Elisabeth Weber kennengelernt und gemeinsam mit Illustratorin Ka Schmitz ihr Buchprojekt auf den Weg gebracht. Das Buch, zu dem es auch eine informative Website gibt, ist folgendermaßen aufgebaut:

Wir kombinieren zu jedem Buchstaben des deutschen Alphabets Worte und Illustrationen, in der Art und Weise, dass Alternativen zum vermeintlich Normalen lesbar und sichtbar werden. So folgen die Bilder den ver_rückten Assoziationsketten und lösen viele verschiedene Gedanken aus.

Damit eröffnet sich die Möglichkeit, den eigenen Sprachgebrauch zu überdenken und als machtvolle Handlung bewusst zu machen. Es soll ermutigen, aktiv am Wortschöpfungsprozess teilzunehmen.

Ohne ausgewiesene Kinderbuchexpertin™ zu sein, lehne ich mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: machtWORTE! ist kein “Standard-Kinderbuch”. Das finde ich toll. Gleichzeitig machen seine Besonderheiten für mich eine angemessene Würdigung ehrlich gesagt etwas heikel.

Eine differenzierte und ausführliche Besprechung findet sich bei kritisch-lesen.de. Ich finde diese Rezension größtenteils (bis auf einige Bemerkungen im Abschnitt “Sprachphilosophische Voraussetzungen”, die mich doch arg an Haupt- und Nebenwiderspruchsdebatten erinnern) nachvollziehbar, daher mache ich es mir an dieser Stelle einfach und verweise für eine umfänglichere Analyse einfach mal auf sie. Ihr Fazit, dass das Buch einen “Ansatz,  der die Bedürfnisse der jungen Leser_innen in den Mittelpunkt stellt” verfolgt, teile ich allerdings nur bedingt.

Ich freue mich wie Bolle über jedes deutschsprachige Kinderbuch, das Normen über Bord wirft. Ich kenne kein anderes Buch wie machtWORTE! und möchte es daher ausdrücklich empfehlen. Auch wenn ich leider sagen muss: Für das konkrete Setting “ich und das Kind, mit dem ich das Buch angeschaut und vorgelesen habe”, hat das Konzept nicht funktioniert. Die Hinweise am Ende des Buches, die zu jeder Buchseite Anregungen zur Auseinandersetzung geben, habe ich  allerdings erst später entdeckt.

Einerseits enthält das Buch recht wenig Text und mutet insgesamt eher Bilderbuch-haft an, andererseits erwies sich der vorhandene Text teilweise als zu voraussetzungsvoll und zu wenig bezogen auf des Kindes Erlebniswelt, um zu fesseln und ein wirkliches Vorlesevergnügen zu erzeugen. Das Kind konnte mit vorgelesenen Sätzen wie “Entsteht be_Hinderung durch betroffene Blick_e_winkel?” oder “Ist ich Intimität?” oder “Die Nächstenliebe des Norm_Aals macht den Nixer normal” spontan einfach recht wenig anfangen und wollte meistens relativ schnell zum nächsten Buchstaben weiter blättern. Ich hatte nicht den Eindruck, dass das Kind sich durch die Lektüre angeregt fühlte: Eher erschien es mir etwas ratlos angesichts der teilweise doch ziemlich ambitionierten bis abstrakten Sprachspiele. An denen ich widerum zuweilen meine Freude hatte, doch ich sah mich nicht dazu in der Lage, sie dem Kind zu vermitteln oder mit ihm zu teilen.

Die Crux des Vermittlungsbedarfs sehe ich allerdings nicht exklusiv bei Büchern wie machtWORTE! – vielmehr ist die Idee, Lektüre mit Kindern ausführlich zu besprechen, zumal parallel zum Vorleseprozess, meiner Erfahrung nach nicht immer sonderlich erfolgversprechend. Meine ganz persönliche Erfahrung: Wenn das bereits erwähnte Kind ein Buch vorgelesen haben möchte, dann möchte es nicht mit mir konferieren, sondern es möchte eine fesselnde Geschichte hören – möglichst ohne Unterbrechungen oder Zwischenbemerkungen meinerseits. Diese Geschichte kann ruhig “bizarr” sein, ein Comic mit Sprechblasen sein oder anderweitig außergewöhnlich erzählt – aber damit das Kind sich in diese Geschichte versenken, das vielzitierte Kopfkino anwerfen, sich dem Erzählfluss hingeben kann, funktioniert es nicht, wenn ich ständig unterbreche, um irgend etwas zu erklären, zu fragen, zu kommunizieren, zu diskutieren… Das gilt übrigens auch für Sachbücher. Dem Kind macht das schlicht und ergreifend kein Vergnügen, es stellt von sich aus auch nur wenige Fragen während des Vorlesens, geschweigedenn Fragen, die vom unmittelbaren Text weg zu kritisch-philisophischen Betrachtungen oder zu vertieften Auseinandersetzungen mit der vorlesenden Person führen würden, und wird bei ausführlichen Anmerkungen meinserseits ungeduldig. Verständlich.

Das eben geschilderte ist übrigens ein ganz entscheidender Punkt, warum ich auch aus der Perspektive der weißen Kinderbuchvorleserin das gebetsmühlenartig vorgetragene Argument, man könne Kindern Rassismus in Kinderbüchern doch erklären (und damit dann auch gleich magischerweise irgendwie beseitigen), gelinde gesagt skeptisch betrachte.

Es ist natürlich gut möglich, dass mir einfach eine ordentliche Portion Kreativität, Einfühlungsvermogen und/oder Vermittlungsfähigkeit fehlt. Oder dass machtWORTE! völlig unabhängig von irgendwelchen konzeptionellen Erwägungen schlicht und ergreifend nicht den Geschmack besagten Kindes traf. Genauso gut kann es sein, dass dieses Kind von der gemeinsamen Lektüre mit jemand anderem als mir durchaus viel gehabt hätte. Oder zu einem anderen Zeitpunkt haben wird. So bleibt für mich erstmal der Eindruck, dass machtWORTE! ein ambitioniertes, liebe- und gedankenvoll gemachtes, poetisches, kritisches und extravagantes Buch ist – für Erwachsene oder besser gesagt für Menschen, die bestimmte Voraussetzungen zum Umgang mit (subversiver) Sprache mitbringen. Was natürlich kein Schaden ist, denn auch von derartigen Büchern kann es nie genug geben. Antinormativität ist ja kein Genre an sich. Und umso mehr es davon gibt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass tatsächlich für jeden Geschmack etwas dabei ist!

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“Für Assata” von Audre Lorde: “Ich träume von deiner Freiheit” (1977)

Mädchenmannschaft - 14 Mai 2013 - 09:51

Sie ist die erste schwarze Frau auf dieser Liste, die nach 9/11 erstellt wurde. Als Belohnung für Informationen, die zu Assata Shakurs Festnahme führen, dafür gibt es zwei Millionen Dollar. Am  2. Mai 2013 gibt das FBI auf einer Pressekonferenz bekannt, dass Shakur auf der “Top 10 Terror List” steht.

“An eben diesem Tag vor 40 Jahren wurde ein Auto, in dem Assata Shakur saß, angehalten. Es entwickelte sich eine Schießerei, in welcher zwei Personen starben und Shakur angeschossen wurde (unter anderem in den Rücken). Sie wurde schließlich für den Mord am Polizisten Werner Forester von einer vollständig weißen Jury zu lebenslanger Haft verurteilt.” (mehr zum Hintergrund bei Charlott: “Wanted: Assata Shakur”)

Die Rekonstruktion des Vorfalls am besagten 2. Mai 1973 und die Tat, welche Assata Shakur begangen haben soll, sind eingebettet in eine Zeit, in welcher das FBI den Krieg gegen schwarze Führungspersonen wie Malcolm X, Angela Davis, Stokley Carmichael, Martin Luther King*  und die Black Panther Bewegung erklärt hat und rassistische Polizeigewalt an der Tagesordnung stand (Bsp. 1992, L.A., Rodney King).

Shakur gelingt die Flucht aus dem Gefängnis. Dass ausgerechnet Kuba der Revolutionärin seit 1984 politisches Asyl gewährt, ist eine Ohrfeige für die USA. Erst vor kurzem war auch noch Jay-Z mit Beyoncé dort auf honey moon und zog mit seinem “Offen Brief“ das Embargo der USA gegen Kuba ins Lächerliche. Und dann sind da die Bosten-Attentate, welche die Bundesbehörde unter Druck setzen. Lächerlich will das FBI nicht wirken, auch vierzig Jahre später ein Zeichen setzen und die schwarze Protestbewegung nicht anerkennen. Jahre später keine Aussöhnung, sondern eine Fortführung und Abschreckung.

Audre Lorde (*1934- †1992), eine der wichtigsten Frauen feministischer Gegenwartsgeschichte, hat im Jahr 1977 auch ein Zeichen gesetzt, und ein Gedicht für Assata geschrieben. Ein Gedicht, dass unter die Haut geht, einer Aussichtslosigkeit innere Kraft und dem Begriff der Freiheit wieder eine Bedeutung schenkt, die Sinn ergibt.

For Assata

New Brunswick Prison, 1977

In this new picture your smile has been to war
you are almost obscured by other faces
on the pages
those shadows are sisters
who have not yet spoken
your face is in shadow
obscured by the half-dark
by the thick bars running across your eyes
like sentinels
all the baby fat has been burned away
like a luxury your body let go
reluctantly
the corners of your mouth turn down
I cannot look into your eyes
who are all those others
behind you
the shadows are growing lighter
and more confusing.

I dream of your freedom
as my victory
and the victory of all dark women
who forego the vanities of silence
who war and weep
rather than our enemies
something against our selves
in each other
rather than our enemies
falsehoods
Assata my sister warrior
Joan of Arc and Yaa Asentewa
embrace
at the back of your cell.

- Audre Lorde

Eine deutsche Übersetzung des Gedichts “For Assata” von Charlott Schönwetter findet ihr hier. Es handelt sich nicht um eine literarische Übersetzung, sagt Charlott, ich finde sie sehr gelungen. Danke dafür.

New Brunswick Gefängnis, 1977

Auf diesem neuen Bild ist dein Lächeln im Krieg gewesen
Du bist fast verdeckt von anderen Gesichtern
Auf den Seiten
Diese Schatten sind Schwestern
Die jetzt noch nicht gesprochen haben
Dein Gesicht ist im Schatten
Verdeckt durch die Halb-Dunkelheit
Der dicken Balken, die über deine Augen gehen
Wie Wachposten
All der Babyspeck ist verbrannt
Wie ein Luxus, den der Körper hergab
Widerstrebend
Deine Mundwinkel nach unten
Ich kann nicht in deine Augen schauen
Wer sind all die anderen
Hinter dir
Die Schatten werden heller
Und verwirrender.

Ich träume von deiner Freiheit
Als mein Sieg
Und der Sieg aller dunklen Frauen
Welche auf die Eitelkeiten der Stille verzichten
Welche kämpfen und weinen
Eher als unsere Feinde
Manches gegen uns selbst
In uns
Eher als unsere Feinde
Falschheiten
Assata meine Schwester Kämpferin
Joan of Arc und Yaa Asantewa
Umarme
Im hinteren Teil deiner Zelle.

- Audre Lorde

 

Eine Leseempfehlung zu Assata Shakur ist ihr offener Brief aus dem Jahr 1998.

 

 

* Martin Luther King stand ebenfalls unter FBI-Beobachtung und galt als ein Wackelkandidat, denn solange er “weißen, liberalen Werten” “gehorsam” war, war er sicher, falls nicht, so wäre er eine sicherheitspolitische Bedrohung, ein “Messiah”, geworden. Für die taktische Kriegsführung war damals das geheime Programm “COINTELPRO” (= Counterintelligence Program) der US-Bundespolizei zuständig.

“2. Prevent the RISE OF A “MESSIAH” who could unify, and
electrify, the militant black nationalist movement. Malcolm X might have
been such a “messiah;” he is the martyr of the movement today. Martin
Luther King, Stokely Carmichael and Elijah Muhammed all aspire to this
position. Elijah Muhammed is less of a threat because of his age. King
could be a very real contender for this position should he abandon his
supposed “obedience” to “white, liberal doctrines” (nonviolence) and embrace
black nationalism. Carmichael has the necessary charisma to be a real
threat in this way.” (Quelle: COINTELPRO)

Kategorien: Deutsche Blogs

Tödliche homophobe Attacke

Mädchenblog - 13 Mai 2013 - 16:31

In Wolgograd starb ein Russe nach einer homophoben Attacke (Triggerwarnung).

Nach einem tödlichen Angriff auf einen homosexuellen Mann in Russland am Sonntag haben die Behörden zwei Verdächtige festgenommen. Die Nachrichtenagentur RIA Novosti meldete unter Berufung auf die Behörden in der südlichen Stadt Wolgograd am Montag, dass einer der Verdächtigen eingeräumt habe, das 23-jährige Opfer schikaniert zu haben.

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