Feministische Einzelkämpferinnen Gruppen

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Samstagabendbeat mit CocoRosie

Mädchenmannschaft - 4 Feb 2012 - 18:45

Im Rückblick ist es mir ein völliges Rätsel, warum der Samstagabendbeat bisher noch nie CocoRosie gefeaturet hat. Dieses Manko sei hiermit behoben:

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Feministisch schreiben und flattrn – die Blogschau

Mädchenmannschaft - 4 Feb 2012 - 10:03

Den Vortrag „Trans*, Transphobie, Trans*Support“ der Gruppe Wider die Natur gibt es bei den Chilligays zum Nachhören.

Einen Workshop zu feministischem Schreiben hat copper, boom! besucht. Wie diskriminiert Sprache und was kann alles dabei herauskommen, wenn man mit ihr experimentiert?

„Es reicht!“ meint Mother-Mable. Das immer wieder­kehrende Bashing von Patch­work-Familien muss ein Ende finden.

Feministisch Flattrn? Die Anarchistelfliege hat eine Liste an feministischen Blogs erstellt, die bei Flattr dabei sind.

Die Filemmacherinnen Natalie Munter­mann und Alexandra Schröder suchen Eltern, die gängigen Geschlechter­klischees etwas entgegen­setzen möchten, berichtet Fuckermothers. Wer sich entschieden hat, sein Kind unabhängig von männlich/weiblichem Schubladen­denken zu erziehen und gerne teilnehmen möchte, kann sich per E-Mail melden.

Eine Rede von der Richterin des Bundesverfassungsgerichts Prof. Dr. Susanne Baer zum Festakt am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen findet ihr auf dem LSVD Blog.

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Vergewaltigung – was‘n das?

Mädchenblog - 4 Feb 2012 - 07:06

An den Anfang am besten erstmal ne große, fette Triggerwarnung!

Beim aus Langeweile durchs Netz klicken bin ich auf ein noch nicht ganz eine Woche altes Interview mit Kriminalhauptkommissarin Heike Lütgert, Dozentin für Kriminologie und Kriminalistik an der FH für öffentliche Verwaltung NRW in Bielefeld, gestolpert. Darin vertritt sie die Meinung, daß das Gewaltschutzgesetz durchaus zu einer kleinen Besserung der Lage geführt habe, nämlich insofern, als daß nun mehr Frauen sich trauen, gegen häusliche Gewalt vorzugehen.
Dabei fällt auch die heißdiskutierte Frage, wie viele Falschanzeigen es denn wohl gebe – und was überhaupt dazu führe:

Bereitet manchen Schwierigkeiten, sie zu verlassen:
die Täterperspektive.
Psychedelic Photography, über Daily Art Press
.

Wie oft täuschen Frauen Gewalt oder Vergewaltigung vor?

Die Quote der Taten, die so eingestuft werden, liegt bei 7 Prozent. Erwachsene Frauen tun das also höchst selten. Wir haben aber bei einer Auswertung in Detmold festgestellt, dass junge Opfer bis 25 Jahre am häufigsten Vergewaltigungen vortäuschen.

Warum?

Viele geben die Anzeige nicht freiwillig auf, sondern werden von ihren Freundinnen oder anderen nahestehenden Personen massiv dazu gedrängt. Häufig ist es so, dass sich ein Mädchen mit einem Jungen trifft, von dem die Eltern nichts wissen dürfen. Beim Date will der Junge dann mehr als das Mädchen. Aber das wagt das Mädchen nicht zu sagen und erfindet später den Fremden im Park. Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben. Allerdings verändern sie unter dem psychischen Druck die „Rahmenhandlung“, weil sie Angst haben, aufgrund der Vorgeschichte mitschuldig zu werden.

Und wie immer bei Themen, die in irgendeiner Form frauen- oder genderspezifisch sind, hüpfen in der Kommentarspalte auch so gleich zahlreiche schrill keifende Maskulistentrolle von links und rechts ins Bild. Da schon der erste Kommentar von einem Menschen, der sich Maskulinistin (btw – müßte es eigentlich nicht „Maskulistin“ heißen, so wie „Feministin“ statt „Femininistin“? ), stammt und gleich mal mit dem gerade sehr in Mode gekommenen „50% der häuslichen Gewalt wird von Frauen an Männern verübt“ um sich wirft, hatten die meisten der ähm, sagen wir mal ‚weniger desinformierten Personen‘, anscheinend schon keine Lust mehr, irgendeinen Kommentar zu verfassen, denn der Kommentarteil ist hier ganz klar in maskulistischer Hand.
Die Kommentatorin Ma Dalton wagt sich dennoch ins schon arg verwüstete Schlachtfeld und versucht, einiges klarzustellen (drittletzter Kommentar, von oben). Unter anderem weist sie darauf hin, daß die Mädchen in obig zitiertem Beispiel für Falschaussagen, beschränkt man sich auf die im Interview mitgeteilte Faktenlage, sehr wohl trotzdem Vergewaltigungsopfer sind, auch wenn sie bei der Vernehmung gelogen hatten – und nicht
(…) Lügnerinnen und Verbrecherinnen, Täterinnen eben, die mit langjährigen Gefängnisstrafen bestraft werden müssten. , wie Kommentator Hans das sieht.
Hilft aber nix. Hilft gar nix.
Eigentlich steht schon in dem Interview:

Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben.

Dennoch: zwei Kommentare weiter macht sich Kommentator Pit lächerlich, indem er auf Ma Daltons Vorschlag, das Interview nochmal genauer zu lesen, wie folgt reagiert:

Ließ du ihn nochmal. Da steht nichts von einer Vergewaltigung sondern jedeglich, dass der Junge mehr wollte als das Mädchen. ABer nicht ob sie das zugelassen hat oder sich gewehrt hat.

Man kann sich bei dem Ganzen nun immerhin damit trösten, daß dieser Erguß an Itentellekt und Empathie wenigstens der (wohl endgültig) letzte Kommentar zu diesem Interview ist und dadurch einen barmherzigen Schlußstrich unter dieses Trauerspiel zieht.
Ma Dalton hat offensichtlich aufgegeben und beschlossen, vorläufig einfach mal keine Perlen vor die Säue mehr zu werfen, und bei Gott, wer kann’s ihr verdenken!
Auch ich geb meinen Senf dazu lieber hier im Mädchenblog ab, wo der zu erwartende Maskulistenshitstorm wenigstens nicht durch den Moderationsfilter kommt und die Kommentarspalte vom Schlimmsten verschont bleibt, so daß zumindest die Chance für eine Diskussion besteht, die das Niveau eines sexistischen Brüllaffenstammtischs ein wenig übersteigt.

Und nachdem ich mich jetzt gefühlte 10 Minuten lang an meiner Schreibtischplatte festgekrallt habe, um dem starken Bedürfnis zu widerstehen , den Kopf gegen ebenselbe zu hauen, und zwar mehrmals, (schließlich will ich nicht noch mehr Gehirnzellen verlieren, hab ich doch schon das Gefühl, beim Lesen habe sich die ein oder andere vor Verzweiflung ins Nirvana verabschiedet) – da frage ich mich doch ganz ernsthaft: Kann man etwas wirklich so derartig hartnäckig nicht kapieren??? Schon die kleine Karin kapiert es, wenn Papa schimpft „Du darfst den Stefan nicht immer an den Haaren ziehen, das mag der nicht, auch, wenn er sich nicht wehrt!“ (habt Ihr gemerkt, wie brav maskulistisch-korrekt ich das Beispiel gewählt habe? Will mir ja schließlich nicht vorwerfen lassen, hier würden immer nur männliche Personen die Täter und immer nur weibliche die Opfer! )

Denn Widerstand hin oder her, das spielt überhaupt keine Rolle. Es bleibt dennoch Vergewaltigung, wenn nicht irgendwelche ausschlaggebenden Details von Frau Lütgert weggelassen wurden. Mangelnde Gegenwehr macht einen derartigen Übergriff nämlich nicht einfach – Abrakadabra! – zu einvernehmlichem Sex.

Das schlimme ist ja, daß mich eine derartige Reaktion (wenngleich der Kopf-auf-Tischplatte – Impuls noch immer als direkte Folge einsetzt) indes noch nicht mal mehr überrascht. Man kennt das ja inzwischen. Da reißt man sich doch immer und immer wieder den Arsch auf, um den Leuten einerseits das Konzept der Definitionsmacht näher zu bringen, fällt einem an anderer Stelle auf, daß noch nicht einmal die vergleichsweise weitaus simpler angelegte juristische Definition verstanden wurde oder gar gänzlich unbekannt ist!
Es stimmt, man kann es doch einfach wirklich nicht oft genug wiederholen!

Und falls da womöglich auch bei den hiesigen LeserInnen noch irgendwelche Zweifel oder Erinnerungslücken vorhanden sein sollten, vielleicht zur unser aller Sicherheit an dieser Stelle noch ein weiteres Mal die offizielle juristische Definition:

§ 177
Sexuelle Nötigung; Vergewaltigung

(1) Wer eine andere Person
1. mit Gewalt,
2. durch Drohung mit gegenwärtiger Gefahr für Leib oder Leben oder
3. unter Ausnutzung einer Lage, in der das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist,

nötigt, sexuelle Handlungen des Täters oder eines Dritten an sich zu dulden oder an dem Täter oder einem Dritten vorzunehmen, wird mit Freiheitsstrafe nicht unter einem Jahr bestraft.“

Und da steht nirgendwo etwas, daß Wehrhaftigkeit in irgendeiner Weise zwingend notwendig ist, um den Vorfall als Vergewaltigung zu verbuchen.

Wie kann es sein, daß es scheinbar so vielen Leuten an Einsicht und/oder Empathie mangelt?

Ein Bekannter von mir – männlich, heterosexuell – hat mir mal gesagt, daß es für Männer (zumindest denen, die sich nicht mehr als der Durchschnitt mit feministischen Themen beschäftigen) manchmal gar nicht so einfach ist, sich auf Anhieb in die weibliche Lage der Dinge reinzudenken, ganz einfach, weil Sachen wie Vergewaltigtwerden sie nur in den seltensten Fällen als Opfer betrifft und weil die Angst vor sexuellen Übergriffen einfach nicht solchermaßen zur alltäglichen Gefühls- und Erfahrungswelt der meisten heterosexuellen Männer und Jungs gehört, wie das bei Frauen der Fall ist. Und daß es daher toll wäre, wenn wir ein bißchen geduldiger wären und ihnen manche Sachen vielleicht einfach noch ein zweites Mal erklären würden.
Nun bin ich zwar der Ansicht, daß sich besagter Mensch in diesem Fall weitaus weniger beratungsresistent gezeigt hätte als der taz-Kommentator Pit, aber dennoch entspreche ich seiner Bitte und erkläre es für die Pits und Hans‘ dieser Welt einfach noch einmal:

(Achtung – hier nochmal eine fette, große, blinkende Triggerwarnung!!!)
Versetzt Euch doch mal in das Opfer hinein, stellt Euch beispielsweise vor, ihr habt in Eurem Verein oder auf Eurem Arbeitsplatz einen Euch sympathischen Menschen kennengelernt und verabredet Euch auf ein Bier irgendwo. Und sämtliche Freunde haben Dich gewarnt, das lieber bleiben zu lassen, weil es ein schräger Typ ist und er nach Ärger riecht, und Du denkst Dir „Ach was, scheiß drauf. Die brauchen bloß nicht zu denken, ich wäre derart ängstlich – und überhaupt, was denken die eigentlich, daß ich kein harter Typ wäre! Mit dem könnt ich’s im Notfall schon aufnehmen! Ich geh da jetzt trotzdem hin.“ Tja, und genau wie die Mädels aus dem Beispiel, die statt einer Vergewaltigung eigentlich einen netten, romantischen Abend erwartet haben, verläuft Deine Nacht auch nicht so, wie Du es Dir vorgestellt hast: Statt Tischkicker, Bier und Männergespräche zu genießen, wirst Du überwältigt von ihm vergewaltigt.
Da Du allerhöchstens damit gerechnet hast, die Fresse poliert zu kriegen, stehst Du erstmal unter Schock, Du bringst keinen Ton raus und er überwältigt Dich mit Leichtigkeit. Vielleicht hast Du in dem Moment aber auch einfach zu viel Angst, um Dich zu wehren – wer weiß, womöglich macht ihn das nur noch wütender, veranlaßt ihn zu noch schlimmeren, schmerzhafteren Torturen, gar Mord? Du denkst: vielleicht ist es um so schneller vorbei, wenn ich einfach nur stillhalte, vielleicht vergeht ihm dann der Spaß an der Sache?
Hinterher ist Dir das peinlich, Du fühlst Dich schwach, schmutzig und gedemütigt, und in Deiner Not vertraust Du einem Freund oder Verwandten an, daß Du sexuell mißbraucht wurdest. Und der ist natürlich traurig und verflucht wütend und drängt Dich, die Polizei einzuschalten. Das willst aber Du wiederum eigentlich keinesfalls! Wäre es Dir doch am Liebsten, wenn Du die Sache schnell vergessen, aus Deinem Leben einfach wegstreichen könntest! Und stattdessen aufs Polizeirevier? Einem Fremden detailliert erzählen, daß Du von einem anderen Typen mißbraucht wurdest? Daß Du ihn nicht überwältigen, nicht daran hindern konntest, nicht mal geschafft hast, wegzulaufen?
Andererseits – was denkt denn dann besagter Freund oder Verwandte? Fast jeden Tag ruft er Dich an, fragt mitleidig, wie es Dir geht, verflucht den Kerl, der Dir das angetan hat, und drängt Dich immer wieder zur Anzeige. Und fast jeden Tag mußt Du aufs Neue Nein sagen und erklären, warum Du das nicht willst.
Und irgendwann bröckelt der Widerstand und Du denkst, der sieht mich sowieso schon als eine schwächliche Memme, und Du kannst das Mitleid in seiner Stimme echt nicht mehr hören, und fragst Dich, ob er Dich jetzt womöglich für einen noch viel größeren Waschlappen hält. Weil Du Angst hast, zur Polizei zu gehen. Weil Du, statt auf Rache zu sinnen (persönlich sowieso nicht, aber auch noch nicht mal ganz spießig via Behörden) Dich zu Haus wie ein verwundeter Hund ins Körbchen zurückziehst, eingeschüchtert wie ein kleines Kind, wahrscheinlich aus lauter Angst vor dem Täter.
Also gehst Du doch zur Polizei. Und mußt dort der Polizei – im schlimmsten Fall ist es eine Beamtin, ‚besten‘falls ein anderer Mann – en detail von Deinem schlimmsten Alptraum erzählen. Auch noch einer Person in Uniform, einer Uniform, die ihn oder sie als jemanden auszeichnet, von Berfus wegen mit solchen Schweinen souverän fertig zu werden. Und sich vielleicht noch viel weniger als Deine Vertrauensperson vorstellen kann, wie man in einer solchen Sitution noch nicht mal versucht, sich zu verteidigen. Oder wie man überhaupt so bescheuert sein kann, mit so einem berüchtigt gewalttätigen Psychopathen einen Saufen gehen zu wollen – noch dazu, wenn man sowieso ein Weichei ist, das sich nicht zu wehren weiß! Und hatten ihn seine Freunde/Kollegen nicht noch gewarnt? Wie blöd muß man eigentlich sein…
Niemals! denkst Du. Die Situation ist schon entwürdigend genug, das willst Du Dir nicht auch noch antun müssen!
Also erfindest Du einen Fremden im Park. Du warst auf dem Weg werweißwohin und da kam er aus dem Gebüsch, ein ganz muskulöser Kerl, mindestens 1,90. So mit Überraschungseffekt und enormer physischer Überlegenheit hört sich die Schilderung nicht mehr ganz so peinlich an, Du kommst nicht ganz so sehr als schwächlicher Depp rüber.
Und sie läßt sich auch leichter erzählen, Du kannst Dich vom Geschehenen ein bißchen distanzieren, hast Dich beim Erzählen vielleicht ein bißchen besser im Griff und heulst nicht auch noch los oder so. Denn während Du Dich dem Trauma, das von der wahren Begebenheit rührt, noch unkontrolliert ausgeliefert fühlst, ist dieser Hergang kontrollierbar, formbar, da von Dir geschaffen.
Kurzum: Du lügst.
Aber bist Du nicht dennoch vergewaltigt worden? Fühlst Du Dich dann weniger mißbraucht? Macht das den Vorgang damit in irgendeiner Weise zu einvernehmlichem Sex? Klar, Du bist in gewisser Weise durch die Lüge auch zu einem ‚Täter‘ geworden – doch auch wenn eine Falschaussage jeglicher Art Unrecht sein mag, so ist es doch bei weitem nicht mit sexuellem Mißbrauch zu vergleichen und die Folgen dürften in den meisten Fällen nicht halb so gravierend sein und in diesem Fall ist auch der ehrlichste, liebevollste Mensch (also nicht gerade jemand, vor dem die Gesellschaft normalerweise durch Freiheitsentzug seinerseits geschützt werden müßte) versucht zu lügen – während eine Vergewaltigung doch nochmal ganz andere Skrupellosigkeit verlangt.
Doch nur, weil Du Dich mit einer Lüge auch schuldig gemacht hast und zum ‚Täter‘ wirst, bist Du eben dennoch auch Opfer, eben Opfer einer Vergewaltigung. Und der Täter bleibt auch immer noch Täter, auch, wenn Du ihn nicht benennst oder gar absichtlich schützt. Seine Tat verliert damit nicht an Grausamkeit, es ist immer noch eine kriminelle Handlung, die vollzogen wurde. Oder hat der Täter es nun nicht mehr verdient, bestraft zu werden? Sollte er nun etwa nicht mehr aus dem Verkehr gezogen werden? Ist es ihm nun nicht mehr möglich, dasselbe womöglich auch anderen anzutun? Weil Du gelogen hast, ihn nicht benannt hast?
Bist Du nun, nach Deiner Falschaussage „kein ‚Opfer‘“, sondern ein „Lügner und Verbrecher“, eben „ein Täter, der mit einer langjährigen Gefängnisstrafe bestraft werden muß“?
Oder ganz einfach ausgedrückt: Hat nun etwa keine Vergewaltigung mehr stattgefunden?
Von dem her find ich die Antwort dieser Kommissarin doch recht eindeutig:

Die Mädchen täuschen also keine sexuellen Übergriffe vor, die hat es ja tatsächlich gegeben.

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Wildwasser-Selbsthilfe_Solisause mit fabulös – glamourösen Konzerten am Dienstag 7.2. im Südblock

Mädchenblog - 3 Feb 2012 - 16:43

von Seni Görmem Imkansiz (elektro/wave-istanbul),
Prunella Explosion (acoustic/folc/experimental-Bielefeld/Berlin)
und albertaalert (electropop/folc/herumgealberta-Kassel)

ab 20:00 Einklang mit DJane Duo Female*Frontage
ab 21:00 Konzerte –
anschliessend Party mit DJane LuCee Pearl (Tanzmusik) und anderen

Eintritt 8€ / später Party 4€ im Südblock, Admiralstrasse 1-2, Berlin-Kreuzberg *open for all gender*
zum Flyer

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Von „Bitch-Appeal“ und Mädchenbier

Mädchenblog - 3 Feb 2012 - 09:41

Ich habe keine Lust mehr feiern zu gehen! Ich gehe gerne zu meinen Freund_innen oder lade sie ein. Ich gehe auch gerne etwas mit ihnen trinken. Aber „Feiern“ = durch die Nachtclubs ziehen, frustriert mich. Zu dieser Erkenntnis komme ich interessanterweise nicht beim Feiern, sondern als ich mit ein paar Freundinnen zusammensitze. Wir sinnieren darüber, wie beschissen es ist, Single zu sein. Denn entgegen der Vorurteile, man habe als Singlefrau doch alle Möglichkeiten sich mal so richtig auszutoben und zu „feiern“, haben wir, die Singles sind, festgestellt: Singledasein = viel zu wenig bis gar kein Sex = Frust.
Eine aus der Runde will uns das nicht glauben – ist übrigens die einzige in einer Beziehung. Das wäre doch sooo einfach! Wir sähen doch gut aus. Da bräuchten wir doch nur auszugehen und dann ginge das alles von selbst. Ist das so? Ich bin beim „Feiern“ wirklich noch NIE auch nur ansatzweise ernsthaft angegraben worden.
Eine Freundin sagt, das wundere sie überhaupt nicht. Ich hätte nämlich diesen „Bitch-Appeal“, wenn ich feiern ginge. Ich verstehe den Ausdruck nicht. „Bitch-Appeal“ – sollte man da nicht erst recht in Sachen Abschleppen erfolgreich sein? Nun breitet sie eine ganze Palette an sexistischen Denkweisen vor mir aus, die sich zusammenfassen lassen mit: „Männer interessieren sich nur für kleine, niedliche Mädchen.“
Aber klein bin ich doch und ich ziehe gelegentlich auch gerne kurze Kleider oder Röcke an. Eben genau das sei ja der „Bitch-Appeal“. Ich würde mich mädchenhaft anziehen, aber mich nicht so benehmen. „Männer“ könnten mich dann nicht zuordnen und wüssten nicht, wie sie mit mir umzugehen haben. Deswegen mieden sie ernsthaften Umgang.
Aha. Und was ist an mir nicht „mädchenhaft“ genug?
Das ganze finge schon damit an, dass ich nüchtern tanzen würde. Vor allem die Art und Weise wie ich tanze, würde zu viel Selbstsicherheit zeigen. Ich würde signalisieren, dass mir „bewusst“ sei, dass es aufreizend wirken könne bzw. (noch schlimmer!) ich würde zeigen, dass es mir gleichgültig sei, wie ich beim Tanzen aussehe, obwohl nüchtern. Das wirke arrogant. Solche Frauen seien Männern zu anstrengend.
Ich sinniere über meine letzte Tour, die recht lange zurück liegt, denn s.o.. Schon bei den Getränken wird zwischen „Mädchenbier“ und „normalem“ Bier unterschieden. „Mädchenbier“ sind süße Mixbiere. Ah! Klein und „süß“, da war doch was. Ich mag süßen Alkohol nicht. Ich trinke lieber normales Bier. Der Ausdruck „Mädchenbier“ scheint mir übrigens von den „Mädchen“ selbst erfunden worden zu sein. Zumindest lassen sie keine Gelegenheit offen damit zu kokettieren. Ich dagegen fange mir jedes Mal einen blöden Kommentar, wenn ich einfach nur Kölsch trinken will. Sei es von den „richtigen Mädchen“, die ihre „Jungs“ unaufhörlich kichernd zum Mädchenbier-Kaufen losschicken oder eben von Männern, die mich merkwürdig zu finden scheinen. Ich darf mir dann gefallen lassen, dass einer der Typen mir eine Flasche Korn aus dem Kiosk mitbringt und mir in die Hand drückt: „Die Claudia ist halt eine ganz Harte. Die bekommt was Hartes!“ Ich kaufe mir dann mein „hartes“ Bier selbst. Ist er das wieder, der Bitch-Appeal?! Nachdem sich die „Mädchen“ nach ihrem zweiten Mädchenbier schon so richtig „betrunken“ gemacht haben –wer’s glaubt, wird selig – dürfen sie jetzt auch tanzen und lustig sein. Ab in die Disko. Dort werden die Getränke natürlich nur von „Männern“ geholt. Das gehört sich ja so. Dafür wird sich dann auch übertrieben bedankt. Ist ja auch echt schwer, den Weg zur Theke zu finden. Fast überflüssig zu erwähnen, dass der Weg zur Toilette dem Klischee entsprechend auch nur in Begleitung gefunden werden kann. Ich hab schon keine Lust mehr auch nur irgendetwas zu trinken. Ich sehe mich um und sehe nur noch Potenzgehabe und gackernde Hühner und frage mich: Bin ich zu anspruchsvoll? Mich ödet alles an und ich merke: Ich bin tatsächlich eine arrogante, frustrierte Spaßbremse, die kein „Mädchenbier“ trinkt.
Als es endlich vorbei ist, lassen sich die „Mädchen“ von ihren Typen nach Hause bringen und ich nehme mir ein Taxi. Auch das kann ich dank meines „Bitch-Appeals“ – allein.

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Sexistische Werbung im öffentlichen Raum

Mädchenblog - 3 Feb 2012 - 09:30

Ich gehe durch die Stadt und sehe Plakate, auf denen lange, nackte Frauenbeine ein Deo für Männer bewerben. Ein Kfz.-Anhängerverleih wirbt auf einem Plakat mit der Abbildung eines Anhängers, vor dem sich drei leicht bekleidete Frauen lasziv räkeln. Darüber prangt in großen Buchstaben der Werbeslogan „MIET MICH. BENUTZ MICH.“ Ich steige in die Bahn und lese den Werbespruch „Einfacher als Männer.“ In einer Zeitschrift stoße ich auf die Werbeanzeige eines Hostelanbieters. Zu sehen ist ein tangatragender weiblicher Unterleib. Auf dem Tanga findet sich der Schriftzug „24 h OPEN“. Ein Lieferwagen fährt vorbei. Darauf die Aufschrift: „Wir machen Geile Bodenbeläge.“ Darunter – auf dem Fahrzeugboden – räkelt sich eine nackte Frau. Ich komme nach Hause, sehe fern und werde mit Werbespots überschwemmt, in denen Frauen der Familie das Essen servieren, in denen für die Schönheitsentwicklung der Frauen geworben wird („Erwecke die Göttin in dir“; bei Männer heißt es nicht „Schönheits-„ sondern einfach „Pflegeprodukte“), in denen Frauen die Wäsche waschen und ihren Kindern gesunde Süßigkeiten geben und Männer die tollen Autos fahren.Ich höre schon die Fragen und Bemerkungen: Und? Warum ist das denn jetzt schlimm? Frauen sind nun mal schöner. Und sie stehen eben häufiger in der Küche und gehen lieber shoppen.
NEIN! Fragt einen Schwulen und er wird nicht finden, dass Frauen die schöneren Wesen sind. Heterosexuelle Männer finden das. Lesbische Frauen auch. Und warum unterstützen zum Teil auch heterosexuelle Frauen diese Aussage? Weil ihnen jede Werbung, jeder Film, jede Frauenzeitschrift, jede Männerzeitschrift zeigt, dass Frauen schön sind/sein sollen/sein müssen. Eigentlich sind aber Frauen schön, so wie Männer schön sind, weil Menschen schön sind/schön sein können. Das Problem ist, dass dieses „Frauen-sind-die-schöneren-Wesen“ zu einer Aufspaltung von Frauen und Männer in zwei Kategorien führt: Die eine Hälfte sieht gut aus, muss gut aussehen und wird auch immer an ihrem Aussehen gemessen. Bei der anderen Hälfte sind andere Eigenschaften wichtiger, sie sind die Menschen, die handeln und entscheiden und die DARAN gemessen werden. Um es mit John Berger zu sagen: “Men act and women appear.” Frauen sehen nicht einfach nur gut aus. Sie werden reduziert auf ihr Aussehen und damit auch auf ihr Aussehen für den männlichen Blick (Kein weibliches Pflegeprodukt wird mit einem nackten Mann beworben!) und damit letztlich wieder auf ihre Verfügbarkeit für männliche Sexualität (auch dort sind Männer wieder die Handelnden, diejenigen, die Frauen ansprechen, abschleppen, „nehmen“. Frauen müssen dabei nur eins: Gut aussehen. Und irgendwann nicht mehr „nein“ sagen. Das ist sogar in weiten Teilen gesellschaftlicher Konsens!).
Was ist mit den anderen Beispielen? Dass Frauen häufiger in der Küche stehen, mag sogar stimmen. Dass sie lieber shoppen gehen ist ein unhinterfragtes immer wieder neu reproduziertes Klischee. Werbung zeigt also teils die sexistische, diskriminierende Wirklichkeit, teils Klischees. Und? Was ist daran jetzt schlimm?
Schlimm daran ist, dass diese „Wirklichkeit“ nicht DIE Wirklichkeit ist bzw. nicht sein muss. Zahlreiche Untersuchungen und Studien weisen darauf hin, dass die Dichotomie der zwei Geschlechter biologisch und soziologisch widerlegbar ist und selbst bei vereinzelt im Durchschnitt vorhandenen Unterschieden die Unterschiede innerhalb der Geschlechtsgruppen wesentlich größer sind, als die zwischen den Geschlechtern.
Schlimm daran ist, dass Medien, und insbesondere auch Werbung, nicht ohne Einfluss auf uns sind. Mit Kindern durchgeführte Studien der quantitativen Medienwirkungsforschung deuten darauf hin, dass Kinder, die häufig fernsehen, eher traditionelle Berufswünsche äußern als Kinder, die wenig Zeit vor dem Fernseher verbringen. Auch neigen häufig fernsehende Kinder im Vergleich zu jenen, die seltener fernsehen, stärker dazu, sich für geschlechtsspezifisches Spielzeug zu entscheiden, und geben eher stereotypisierte Antworten auf Fragen nach richtigem Rollenverhalten von Mädchen und Jungen. Studien der qualitativen Medienwirkungsforschung fanden heraus, dass Frauen, die zunächst zu ihrem Führungsinteresse befragt und dann kurzzeitig traditionelle Fernsehwerbung gezeigt bekamen, anschließend ein geringeres Interesse hinsichtlich beruflicher Führung zeigten.
Jeden Tag prasseln zahllose Werbekampagnen auf uns ein. Die meisten von ihnen nehmen wir (anders als beispielsweise Filme), gar nicht bewusst wahr. Ihre Botschaft und das, was sie uns über soziale Normen, Körpermaße und Verhaltensregeln mitteilen, erreichen uns aber dennoch und arbeiten in unserem Unterbewusstsein an unseren Vorstellungen.
Werbung nimmt also teil an der täglich stattfindenden Konstruktion von Geschlecht: „Wie sehe ich als Frau aus?“, „Was macht mich zu einem richtigen Mann?“. Bereits die Werbung für Kinder gibt es kaum noch in „geschlechtsneutral“: Besuche ich die entsprechenden Programme mit deren Werbung, sehe ich dunkel gehaltene, mit Rockmusik unterlegte Werbung für Jungen, die auf Kampf, Schnelligkeit, Aggressivität abzielt. Und ich sehe blonde Mädchen mit Zöpfchen, die lieb lächeln und mit Küchengeschirr und Puppen spielen. Küchengeschirr und Puppen? Kinder lernen bei allem, was sie tun, für ihr späteres Leben. Worauf bereiten wir die Mädchen vor?? Und warum würde es uns nicht im Traum einfallen, Jungen dasselbe Spielzeug zu geben? Jetzt hat es auch ein Spielzeug erwischt, dass bisher „einfach nur“ die Kreativität von Kindern fördern wollte: LEGO. Für Mädchen hat es sich jetzt etwas Neues ausgedacht: Sie können auch noch bauen, immerhin, das schon. Aber eben das, was Mädchen interessiert (oder interessieren soll): Eine Wellnessoase, eine Showbühne und – natürlich – ein Küche! Und es gibt jetzt eine weibliche Legofigur. Sie ist – oh Wunder – dünner, also ziemlich dünn, sie trägt knappere Kleidung und: sie hat Brüste.
Wir kämpfen dafür, dass Frauen und Männer gleiche Chancen haben. Dass sie gleich viel verdienen. Dass sie – beruflich und privat – dieselben Dinge tun dürfen und müssen. Nur unterliegen wir selbst – und insbesondere auch unsere Kinder – jeden Tag Bildern und Texten, die uns etwas ganz anderes suggerieren.

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Ich, ich gehöre hierher

Mädchenmannschaft - 2 Feb 2012 - 17:54

Groß und gerade steht Nazim, etwas breit. Seine gebräunte Haut ist ledrig, die Zähne vergilbt vom Rauchen. Mit seinen tiefschwarzen Augen beobachtet er aufmerksam die Menschen um ihn herum. Nazim ist angekommen. Als sich die Türen öffnen und er seinen Bruder hinter der Absperrung am Berliner Flughafen entdeckt, steckt Nazim seine goldene Halskette unters Hemd. Der Bruder braucht sie nicht sehen.

Zusammen betreten sie die Wohnung des Bruders. Es riecht nach türkischem Gebäck und Essen. Sein Blick schweift über die arabischen Kalligraphien im Flur und bleibt an dem Kopftuch seiner Schwägerin hängen. Sie nickt ihm zu und lächelt. Er öffnet seinen Mund, um etwas zu sagen, und schließt ihn gleich wieder seufzend. Es lohnt sich nicht.

Beim Abendessen stochert die Schwägerin lustlos auf ihrem Teller herum. Nazim und sein Bruder reden über die Kindheit und Fußball. Keine gefährlichen Themen. Als sie ihnen ausgehen, wartet Nazim noch einen Moment und bedankt sich dann für das Essen. Jetzt schnell.

Umgezogen steht Nazim an der Tür zum Wohnzimmer. Er hebt die Hand zum Abschied. Sein Bruder, der mit Tee, Mandeln und gesalzenen Sonnenblumenkernen auf ihn wartete, eilt ihm überrascht nach. Er guckt Nazim wortlos an. Du bist doch erst heute aus der Türkei gekommen. Willst du dich nicht ausruhen? Wortlos schaut Nazim zurück. Ich bin nicht wegen dir hier, das weißt du.

Draußen knöpft Nazim sein Hemd auf. Die goldene Kette kommt zum Vorschein. Praktizierende muslimische Männer tragen kein Gold. Rückständige tragen kein Gold.

Ich bin hier, sagt Nazim sich. Endlich. Nur um hier zu sein, ist Nazim in der Türkei auf die Polizeischule gegangen. Irgendwann als Kommissar würde er mit einem yesil pasaport, dem grünen Pass für hohe Beamte, Europa bereisen. In die Wiege der Moderne wollte Nazim. Und ausgerechnet sein Bruder lebt hier.

Der rückständige, religiöse Bruder. Er hatte sich in die Tochter der deutschtürkischen Familie, die jeden Sommer in der Nachbarwohnung lebte, verliebt und war mit ihr nach Berlin gezogen. Seit acht Jahren lebt er mit seiner Familie hier, während Nazim in einer kleinen Stadt an der Westküste der Türkei Streife fuhr. Ich, ich gehöre hierher.

Nazim ignoriert die türkischen Imbisse, den libanesischen Supermarkt, das italienische Restaurant. Das, das, das nicht. Das ist es auch nicht. In einer Seitenstraße, endlich, entdeckt Nazim eine Kneipe. Als er die Tür öffnet, weht ihm eine Alkoholfahne ins Gesicht. Nach Bier riecht es hier. Ein bisschen klebrig ist es von dem Frittierten, das verkauft wird. Er setzt sich an den hintersten Tisch des Raumes und bestellt. Trinkend, trinkend und trinkend beobachtet er.

Die korpulente Frau hinter der Theke mit dem lauten Lachen. Ihr rotes Unterhemd zeigt einen tiefen Ausschnitt, der immer weiter rutscht, wenn sie lacht. Und der Mann, der sich weit über die Theke lehnt, macht weiter Witze. Der alte türkische Mann mit dem vernarbten und eingefallenen Gesicht, der seit Ewigkeiten vor ihm sitzt und ihm sein Leid erzählt, schnappt sich sein Glas. Nazim lacht.

Dieser Text ist in der taz als Kolumne veröffentlicht worden.

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Antwort der ZEIT

Medienelite - 2 Feb 2012 - 10:00

Ein_e Redakteur_in der ZEIT schrieb mir gestern eine E-Mail auf meine Kritik am rassistischen Sprachgebrauch in einem ihrer Artikel über Rassismus mit der freundlichen Bitte, das zu ergänzen, was ich hiermit tue.

Liebe Nadine Lantzsch,

Ich arbeite bei der Zeit und Fabian Dannenberg ist ein guter Freund von mir. Zusammen haben wir die Idee fuer den Artikel entworfen, und ich habe ihn bis zur Produktion betreut. Ich bin nicht weiss.

Fabian und ich haben Wort fuer Wort abgesprochen, was in der Ueberschrift, der Unterzeile und der Bildunterschrift steht. Die Zeile fand er “genau richtig”, weil sie den rassistischen Hass klar und abscheulich widerspiegelt.

Der Post auf Medienelite basiert also auf zwei Annahmen, die nicht stimmen. Mir ist es wichtig, das zu korrigieren und Fabians Artikel zu verteidigen. Ich waere Dir daher dankbar, wenn Du die Fehler korrigieren oder meine Antwort als Kommentar darunter stellen koenntest.

Viele Gruesse,

Khue Pham

Zur Transparenz: Es ist also in diesem Fall so, dass Worte wie “N.” in der Überschrift sowie “Rassenhass” in der URL, die ich in meinem Artikel kritisierte, offenbar mit dem Autor abgesprochen waren.

Das ist natürlich zu begrüßen, also die Absprache. Dieser Teil meiner Kritik ist demnach nicht zutreffend.

Auch wenn hier von Betroffenen bestimmt wurde, was wie genannt wird, impliziert die Verwendung von “Rassenhass” ohne Anführungszeichen und ohne weitere Kontextualisierung, es gäbe so etwas wie “Menschenrassen”, die aufgrund ihrer “Rassenzugehörigkeit” diskriminiert werden.

Die Verwendung von N. im Artikel kann natürlich ein Trigger für Betroffene darstellen, genauso wie in der Überschrift, aber sie sind immerhin eindeutig als Zitate gekennzeichnet, wo klar ist, dass N. keine Selbstbezeichnung oder korrekte Bezeichnung darstellt. Im N-Wort drückt sich natürlich erstmal, wie Redakteur_in und Autor ebenfalls meinen, Rassismus aus. Die Verwendung des N-Wortes ist _immer_ rassistisch. Es gibt keine Ausnahme. Ich finde, dass der Artikel das gut illustriert. In der Überschrift kulminiert also das, was der Autor in seinem Artikel beschreibt. Ich sehe ein, dass das ein gutes Argument für die Verwendung im konkreten Fall ist. 

Als eine, die in Sachen Herrschaftskritik auch auf Sprache achtet, finde ich es trotzdem unglücklich, dieses Wort in die Überschrift zu packen. Da die hiesige Gesellschaft weder aware in Sachen Rassismus ist, noch kritisch mit Rassismus umgeht, kein antirassistisches Wissen zum Alltagswissen gehört, trägt die Verwendung des N-Wortes (vor allem so plakativ in der Überschrift) zur Normalisierung bei. Das N-Wort wird nach wie vor benutzt, um Schwarze zu beleidigen oder über Schwarze Menschen zu sprechen, auch wenn dahinter die Absicht steht, mit der Verwendung zu illustrieren, dass hier gerade über Rassismus/rassistische Beleidigung gesprochen wird.

Da weiße die Definitionsmacht darüber besitzen, wie über Rassismus gesprochen wird, bricht die Verwendung mit dieser Definitionsmacht leider nicht. 1 Will sagen, dass auch weiße dann die Verwendung des N-Wortes für legitim halten, wenn sie Rassismus kritisieren wollen. Da ihnen die Entscheidung darüber nicht zusteht, finde ich Sprachpolizei immer gut, um ihnen diese Sprache “wegzunehmen” oder zumindest mit Abkürzungen wie “N-Wort”  oder “N.” zu arbeiten, um anzuzeigen, dass hier ein Problem mit dem Sprachgebrauch besteht und Betroffene nicht weiter zu verletzen / zu triggern.

Ich freue mich sehr über diese E-Mail, da Feedback zu Kritik an Artikeln in Massenmedien selten ist. Und weil mit dieser Tatsache an der einen oder anderen Stelle doch mal gebrochen wird.

Wer sich mit rassistischem Sprachgebrauch auseinandersetzen will, dem_der sei “Afrika und die deutsche Sprache” und “Wie Rassismus aus Wörtern spricht” als Einstiegsliteratur empfohlen. “Rassismus auf gut Deutsch” ist empfehlenswer für alle, die die anderen Bücher schon kennen bzw. einen akademischeren/sprachwissenschaftlicheren Zugang wollen.

Notes:

  1. Weshalb ich das Wort nicht mehr ausgesprochen/ausgeschrieben verwende – egal, mit wem und in welchem Kontext ich spreche/schreibe.

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Endlich mal selber machen: Programmieren!

Mädchenmannschaft - 2 Feb 2012 - 09:22

2012 als Jahr des Programmierens? Auf Fiona, die gerade über ihren Einstieg ins Programmieren bloggt, haben wir vor kurzem schon hingewiesen und damit ist sie nicht die einzige. Auch Haley Mlotek vom Toronto Standard hat sich daran gewagt und zwar mit Ladies Learning Code – einem Projekt, das Frauen „digital alphabetisieren“ möchte, um Ihnen so eine Stimme und mehr Macht zu geben. Trotz der explizit politischen Aussagen beschreibt man sich nicht als feministisch, wie Mlotek verwundert feststellt, aber immerhin habe sie viel gelernt. Nicht speziell auf Frauen aber auf Anfänger_innen ausgerichtet ist Code Academy, das als Onlineprojekt unabhängig von Zeit und Ort „durchgespielt“ werden kann.

Auch wenn es 2013 vielleicht anders aussehen wird, derzeit sind Pro­grammierer­innen selten und in der Open Source-Szene sind sie noch seltener. Das muss nicht sein, dachte sich auch Valerie Aurora und gründete mit Mary Gardiner vor knapp einem Jahr “The Ada Initiative” (benannt nach Ada Lovelace). Inzwischen ist die Initiative gewachsen und hat einiges vor, schreibt TechWorld. Dass es neben Ada Lovelace noch weitere gute Programmiererinnen gibt, beweist ein Beitrag bei it republik.

Während besseres Technikverständnis, mehr Mitsprachemöglichkeiten und überhaupt die Möglichkeit, selbst Programme zu schreiben, gute Gründe sind, sich mit Informatik auseinander zu setzen, ist es das oft angeführte Geld leider nicht. Wie auch Ingenieurinnen verdienen Entwicklerinnen von Computerspielen tat­sächlich weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Selbst wenn sie besser qualifiziert sind, so develop.

Mehr Informationen zu Frauen in den MINT-Fächern (Mathe­matik, Infor­matik, Natur­wissen­schaften und Tech­nik) findet Ihr diesen Monat im Dossier in der rechten Seitenleiste.

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Transphobie, Schwarze Feministen und die Schmerzensmanndebatte – kurz notiert

Mädchenmannschaft - 1 Feb 2012 - 17:09

Auf The Root erzählt Byron Hurt, wie er erst den Sexismus seines Vaters weiterlebte – und dann zum Schwarzen Feministen wurde.

Nachdem im kanadischen Vancouver die Anzahl sexualisierter Übergriffe kontinuierlich gestiegen war, ist sie im letzten Jahr erstmals gesunken – und zwar um sage und schreibe zehn Prozent. Von offizieller Seite wird dies zurückgeführt auf eine Ende 2010 gestartete Aufklärungskampagne, die sich – und hier wird es interessant, weil untypisch – unter dem Titel Don’t Be That Guy (Sei nicht dieser Typ) mittels Plakaten an junge Männer wendet und damit den Fokus vom poten­tiellen Opfer von Gewalt zum potentiellen Täter verschiebt.

Das Feuilleton diskutiert, ob wir wieder härtere Typen brauchen. Mit Standpunkten von vorgestern und unnötiger Verbissenheit. Der junge Mann hat seine Rolle ver­loren? Gut so! Auch die FAZ widmet sich der aktuellen Weiche-Männer-Diskussion:
Zum Schießen / Totlachen / auf dem Boden kringeln.

Geodreiecke sind unhandlich und niemand hat sie dabei – aber zum Zeichnen sind sie eigentlich ganz praktisch. Mathematikerin Vi Hart erklärt, wie man sich aus einem Stück Papier schnell bei den verschiedensten Winkeln behilft. Mit einem Angle-a-Tron:

Noch einmal Kanada: Seit einem halben Jahr quasi unbemerkt blieb eine Regelung des kanadischen Verkehrsministeriums. Danach dürfen nur Menschen in Flugzeuge gelassen werden, deren soziales Geschlecht mit dem Eintrag in ihren Ausweispapieren übereinstimmt. Trans­personen, die ihren Pass noch nicht geändert haben oder das noch gar nicht dürfen, dürfen damit in Kanada nicht mehr in Flugzeuge steigen. Ebenso genderqueere Menschen, die auf den ersten Blick nicht klar einem Geschlecht zugeordnet werden können, wie Christin Milloy berichtet.

Inzwischen gibt es schon eine Petition an die kanadische Regierung, Transmänner und -frauen nicht weiter zu diskriminieren. Eine weitere Petition gibt es für das Transmädchen in Berlin, das in die Psychatrie eingewiesen und zwangsweise als Junge erzogen werden soll.

Das Medizinstudium ist inzwischen weiblich dominiert, im Beruf sind Ärztinnen aber deutlich unzufrieden. Das ärzteblatt berichtet, dass fast 80 Prozent Unter­schiede in der Beurteilung ihrer Arbeit sehen; Fast 90 Prozent sind der Meinung, dass Männer schneller befördert werden.

Nach langen Querelen werden im Berliner „Homo-Mahnmal“ nun auch lesbische Paare gezeigt, so Queer.de. Erinnert wird an die von Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen – da Lesben im Gesetz nicht erwähnt wurden, beschränkte man sich bisher auf schwule Paare. Dennoch wurden auch lesbische Frauen als „Asoziale“ eingestuft und verfolgt.

Die Termine wieder nach dem Klick:

Heute abend und am 15. Februar beginnt im Berliner New Yorck 59 wieder die Vorbereitung auf eine Woche voller Aktivismus mit Abschluss am 8. März als Frauenkampftag.

Ebenfalls heute, dafür in Dresden, (Facebook-Event) beginnt die Tour von Jolly Goods – bis zum 11. Februar durch die Schweiz und Deutschland.

In Wuppertal gibt es am 2. Februar eine Podiumsdiskussion zu Gender in den MINT-Fächern, zum Abschluss der Vorlesungsreihe „Gender interdisziplinär“.

In Bremen beginnt am 3. Februar das Festival „Women in (e)motion“ mit internationalen Musikerinnen.

Feminismus in historischer Perspektive“ heißt am 4. Februar eine von Studierenden organisierte Konferenz in Köln.

Zum 7. Todestag von Hatun Sürücü zeigen die Grünen am 7. Februar in Berlin den Film „Hüllen – Drei Frauen. Drei Generationen. Leben mit und ohne Kopftuch“ von Maria Müller.

Bis zum 9. Februar gibt es in Oldenburg noch eine Ausstellung zu Genitalverstümmelung an Frauen.

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Das Bloggermädchen des Jahres 2011

Mädchenmannschaft - 1 Feb 2012 - 09:00

Im vergangenen Dezember haben wir euch aufgerufen, eure Bloggerin des Jahres zu wählen. An die 70 verschiedene Blogs habt ihr daraufhin vorgeschlagen – eine bunte Mischung aus neu und bekannter, Politik und Kultur, Worten und Bildern. Nicht einfach war die Auswahl für uns, und wenn man sich die teilweise denkbar knappen Ergebnisse anschaut, so war es für euch offenbar auch nicht viel leichter, euch für ein Gewinnerinnenblog zu entscheiden… Nichts desto trotz steht sie nun fest, unsere und eure Bloggerin des Jahres 2011: Mit 15 Prozent aller abgegebenen Stimmen gewinnt eine Frau, die unermüdlich an den Barrieren rüttelt, die Gehörlosen, Schwerhörigen und anderen Menschen mit Behinderungen so oft im Weg sind  – sowohl in den Köpfen als auch außerhalb:

Julia Probst mit ihrem Blog
Mein Augenschmaus – Die Welt mit den Augen sehen

Wir gratulieren herzlich!!!

Auf den  zweiten Platz habt ihr mit 13 Prozent der Stimmen Ninia Binias a.k.a. Ninia LaGrande gewählt, eure liebste Slammerin, Top-Ukulelistin(?)-to-be und Den-Werberat-in-Trab-Halterin. Die mit 12% Stimmenanteil dritte im Gewinner­innen­bunde ist Fuckermothers – noch nicht allzu lange in der Blogosphäre, aber bereits ein heller Stern, der aus feministischer Perspektive das weite Feld der Mutterschaft beleuchtet.

HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH AN ALLE GEWINNERINNEN!

Wir freuen uns auf ein weiteres Jahr, das ihr in euren Blogs begleitet.

Für die vielen tollen Vorschläge und Neuentdeckungen bedanken wir uns! Und wir können auch nicht wirklich genug davon bekommen, also: Stellt uns und euch gegenseitig weiterhin tolle Blogs vor, verlinkt sie an passender Stelle – zum Beispiel unter diesem Beitrag hier oder im Selbermach-Sonntag – oder macht Vorschläge für unsere Serie WWW Girls, in der wir regelmäßig Bloggerinnen und ihre Arbeit vorstellen. Julia Probst, Ninia Binias und Fuckermothers waren übrigens auch schonmal dabei.

Und wenn ihr selber bloggt, macht es wie schon mehr als 650 Bloggerinnen vor euch: Werdet Mitglied der Girls On Web Society, und stellt eure Arbeit dort vor.

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Gott im Gendertrouble

Antje Schrupp - 31 Jan 2012 - 23:05

Nicht erst seit dem berühmten Satz von Mary Daly „Wenn Gott männlich ist, dann ist das Männliche Gott“ ist das Geschlecht Gottes ein wichtiges Thema in der feministischen Theologie. Speziell der christlichen, denn im Unterschied zum Judentum und zum Islam ist der christliche Gott sozusagen ganz besonders männlich. Zum einen, weil Jesus als die Person, in der „Gott Mensch geworden ist“ ein Mann war, und zweitens, weil es im Christentum kein Bilderverbot gab, was bedeutet, dass Legionen von Künstlern Gott gemalt und in Stein gehauen haben, und zwar so gut wie immer in männlicher Gestalt.

Mein Theologiestudium liegt ja jetzt schon ein paar Jährchen zurück, und umso interessanter finde ich ein Buch zu lesen, in dem die Autorinnen der Frage nachgehen, was sich in den letzten Jahren – auch ausgelöst vom Gender-Trouble des Dekonstruktivismus – so in punkto Gott und Gender getan hat. Ich bin erst halb durch, aber ich das Buch enthält so viele kluge Gedanken, dass ich schon mal ein paar aufscheiben muss, um nicht alles wieder zu vergessen.

Helga Kuhlmann beschäftigt sich in ihrem Aufsatz mit der Frage „Wird Gott in Jesus Christus zum Mann?“. Die theologische Frage, die dahinter steckt, ist diejenige, ob das Geschlecht von Jesus sozusagen zufällig männlich war (nach dem Motto: Gott wollte Mensch werden, und da es die nur in den Varianten Mann und Frau gibt, musste er sich halt für eines entscheiden, er hätte genauso gut eine Frau werden können), oder ob Gott mit Absicht eine männliche Inkarnation gewählt hat, also eben nicht Mensch, sondern dezidiert Mann geworden ist.

Letzteres behaupten zum Beispiel diejenigen, die aus der Männlichkeit Jesu den Ausschluss der Frauen aus dem Priesteramt begründen (mit dem Argument, die Priester, die sozusagen stellvertretend für Christus das Abendmahl praktizieren, müssten diesem „ähnlich“ sein, und Männer seien ihm eben ähnlicher als Frauen). Diese Auffassung ist zwar auch heute noch verbreitet, aber natürlich nicht in der feministischen Theologie. Sie ist ja auch zu offensichtlich ein Deckmäntelchen, damit man sich nicht von alten patriarchalen Gewohnheiten trennen muss. Also sozusagen keiner echten Auseinandersetzung wert. (Oder höchstens ein Anlass, aus der Kirche auszutreten, was ja auch viele Frauen gemacht haben).

Die emanzipiert gebügelten Theologen von heute betonen natürlich, dass sie Gott keineswegs als männlich ansehen, benutzen aber dennoch weiter männliche Metaphern (Herr, Richter, König und so weiter) und sprechen von Gott immer als „er“ und nie als „sie“. Rein zufällig und bloß pragmatisch. Das ist die „Versuchung des Neutrums“, die glaubt, das Weibliche in männlichen Metaphern und männlicher Sprache mitmeinen zu können, was aber nicht funktioniert.

Neuerdings wird das noch weiter gedreht, wie Kuhlmann am Beispiel des Heidelberger Systematikers Wilfried Härle zeigt: Er verteidigt die männlichen Metaphern für Gott, weil dadurch eine größere Distanz zwischen Gott und den Menschen betont werde. Die Argumentation geht dann ungefähr so: Wenn wir alle Gottes Kinder sind, ist es besser, sich Gott als Vater vorzustellen, denn Mütter kümmern sich um einen, während Väter distanzierter sind und man sich auch ein bisschen vor ihnen fürchtet. So wie man es auch mit Gott tun soll. Diese Argumentation fällt natürlich in dem Moment in sich zusammen, wo Väter anfangen, sich anders zu verhalten als die patriarchalen Väter von früher. Die Metapher von „Gott als strengem Vater“ wäre demnach ein Auslaufmodell, das sich (hoffentlich) bald von selbst überholt, weil es keine patriarchalen, sondern nur noch fürsorgliche, quasi „mütterliche“ Väter gibt. Theologisch wäre dagegen einzuwenden, dass man hier mal über das Gottesbild diskutieren müsste. Ist es wirklich angemessen, sich Gott als distanziert, streng und ein bisschen zum Fürchten vorzustellen? Nö. Jedenfalls nicht angemessener, als sie sich als fürsorglich, helfend, schutzgebend vorzustellen.

(Kleiner Einschub: In demselben Band zeigt Gerlinde Baumann in ihrem Aufsatz „Ist der Gott des Alten Testaments männlich?“, dass Gott dort zwar als dezidiert „männlich“ geschildert wird, aber eher im Sinne von „königlich“. Sie stellt die kluge Überlegung an, dass die meisten Attribute von „herrschaftlich-königlicher Männlichkeit“ damals – wie übrigens auch heute – auf die meisten real-existierenden Männer gar nicht zutreffen).

Aber zurück zur Männlichkeit Jesu und was sie bedeutet. Helga Kuhlmann schlägt da eine dritte Denkrichtung vor (neben: Sie war Zufall und: Sie war Absicht), und zwar die Möglichkeit, dass sich in Jesus eine gegen den Strich gebügelte Männlichkeit zeigt. Jesus ist zwar unbestreitbar ein Mann, aber so wie er in den Evangelien geschildert wird, wird er nicht gerade als Paradebeispiel von „doing male gender“ geschildert. Sondern zum Beispiel als schutzbedürftiges Kind, als Weisheit (die weibliche Sophia), als Mitfühlender und so weiter. Kuhlmanns Argument ist, dass vor allem die „Leiblichkeit“ Jesu betont wird, und dass deshalb die Geschlechterdifferenz (er ist ein Mann und keine Frau) in der christlichen Systematik keine Rolle spielen sollte: Gott, so ihre Schlussfolgerung, wird in erster Linie Mensch und nicht Mann.

So sehr ich die Argumentation nachvollziehen kann und auch teile, so melden sich bei mir an dieser Stelle doch meine differenzfeministischen Fragezeichen. Denn die Männlichkeit Jesu bleibt dennoch eine Tatsache, auch wenn sie performanzmäßig unterlaufen wird und mir die Betonung von Jesu Menschlichkeit und Leiblichkeit durchaus Anknüpfungs- und Identifizierungsmöglichkeit gibt, auch wenn ich kein Mann, sondern eine Frau bin. Aber die Differenz ist damit ja längst nicht aufgehoben, denn wir beide – sowohl Jesus als auch ich – haben nach wie vor die ganze geschlechterdifferente Geschichte der vergangenen 4000 Jahre plus auf dem Buckel.

Mit anderen Worten: Ich werde mich mit Jesus niemals so identifizieren können, wie ein Mann es kann, da gebe ich dem Vatikan vollkommen Recht. Ich bin Jesus nicht in derselben Weise „ähnlich“, wie ein Mann es ist. Da ich aber natürlich die Schlussfolgerung des exklusiv männlichen Zugangs zum Priestertum (und den ganzen übrigen Rattenschwanz an Frauenfeindlichkeit, die das faktisch nach sich zog) nicht teilen kann, muss ich mir eine andere überlegen. Und  zwar zunächst einmal die, dass die Männlichkeit Jesu für Frauen – und damit für das Christentum allgemein – ein PROBLEM bleibt, das sich nicht postgendermäßig auflösen lässt.

Nicht in dem Sinne, dass das Christentum deshalb für Frauen prinzipiell ungeeignet wäre. Auch nicht in dem Sinne, dass irgendjemand daran Schuld ist, denn ich sehe schon ein, dass Gott eben irgendetwas werden musste. Gott ist faktisch ein Mann geworden, was im Übrigen angesichts der patriarchalen Gesellschaftsstrukturen vor 2000 Jahren auch keineswegs Zufall war. Und damit müssen wir nun irgendwie zurechtkommen.

Dass an einem Problem niemand Schuld ist und dass man es nicht hätte verhindern können, bedeutet ja nicht, dass es kein Problem mehr wäre. Die Männlichkeit Jesu bleibt ein Problem, und diesem Problem muss man sich stellen, es lässt sich nicht de-konstruieren. Ich vermute, es lässt es sich auch nicht lösen. Möglicherweise könnte man das aber sogar zu einem Vorteil wenden im Vergleich zu den „geschlechtsneutraleren“ Varianten Judentum und Islam. Denn die Männlichkeit Jesu bleibt uns Christinnen ein ständiger Stachel im Fleisch und verhindert, dass wir uns in angeblich geschlechtsneutralen, faktisch aber eben doch männlich konnotierten Gottesmetaphern bequem einrichten.

Gerlinde Gerber, Silke Petersen, Wolfram Weiße (Hg): Unbeschreiblich weiblich? Neue Fragestellungen zur Geschlechterdifferenz in den Religionen. Berlin 2011.


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Mann schockiert: Patriarchat ist kein Wunschkonzert

Mädchenblog - 31 Jan 2012 - 16:10

The Amazing Atheist hat sich vor Kurzem in einem Video über Feminismus ausgelassen. Quintessenz war, dass er weder einen Feminismus noch einen Maskulismus für gerechtfertigt hält. Es gehe darum, Sexismus zu bekämpfen, egal gegen wen. Denn Sexismus kann jeden betreffen. Soweit so gut. Eine tolle Aussage. Teile ich voll und ganz. Würde er nicht versuchen, seine Behauptung zu untermauern, indem es das Patriarchat verleugnet und würde er seine Diskussion nicht auf dem Rücken des Feminismus austragen.


(Ich habe unten Kommentare gepostet, die ich bereits auf meinen englisch-sprachigen Text bekommen habe.)

Denn der Feminismus mit all seinen unterschiedlichen Strömungen hat gar eine Menge zu einer besseren Situation von Frauen beigetragen – und auch von Männern. Gerade der poststrukturalistische Feminismus hilft Männern, sich vom Männlichkeitswahn zu befreien. Den Feminismus hingegen pauschal zu verunglimpfen ist ein Einschüchterungsmittel, das so alt ist wie der Feminismus selbst. Genauso unnütz ist es, für den Wunsch nach einer Sexismus-freien Gesellschaft, das Patriarchat zu verleugnen.

Das Problem, das The Amazing Atheist hat, ist, dass er die Vorstellung eines Patriarchats persönlich nimmt. Er fühlt sich persönlich beleidigt, wenn jemand sagt, dass wir in einer Gesellschaft leben, die von Männern dominiert wird. Er selbst sieht sich nicht als Frauenhasser oder Sexist, deswegen will er sich auch nicht vorwerfen lassen, dass er als (weißer) Mann nun mal eine privilegierte Stellung in seiner Gesellschaft hat. Hat er aber – auch wenn er noch so ein netter Kerl ist. Ich empfehle folgendes Interview von Noah Sow mit Austen Brandt, die sich neben Rassismus auch über Sexismus unterhalten und zeigen, dass wir alle davon betroffen sind.

Mit seiner Einstellung sollte sich The Amazing Atheist eigentlich darüber freuen, dass es so ein Phänomen wie das Patriarchat gibt, dass es also gesellschaftliche Strukturen sind, die Frauenhass hervorbringen und nicht nur der individuelle Mann selbst. Wenn wir das verstehen lernen, dann erkennen wir endlich, dass Männer nicht grundlegend die schuldigen Täter sind und Frauen die unschuldigen Opfer. Dann wird klar, dass Frauen nicht die besseren und Männer nicht die schlechteren Menschen sind. Denn die patriarchalen Strukturen werden von uns ALLEN immer wieder reproduziert und manifestiert, egal ob von Männlein oder Weiblein.

Daher muss Mann sich auch nicht – wie The Amazing Atheist behauptet – jeden Tag sein Hirn zermartern und überlegen, was er mal wieder anstellen könnte, um eine Frau in die Pfanne zu hauen, sie gehörig zu unterdrücken oder sonst wie zu knechten. Solche Anstrengungen sind überhaupt nicht nötig. Das passiert jeden Tag wie von selbst.

Sprache, Kleidung, Körpersprache, Ernährung, Sport, Beruf, Haushalt, Besitzverhältnisse, Wissenschaften, Medien, Institutionen – wie Familie, Heirat, Schule, Kirche – …, im Prinzip all unsere Lebensbereiche sind durchzogen von heteronormativen bzw. patriarchalen Strukturen. Diese Einteilung von Geschlechterrollen in zwei gegensätzliche Pole mit einem hierarchischen Gefälle zieht sich durch alle ökonomischen, sozialen und politischen Bereiche hindurch. Eine Hierarchie, die genauso gebildet wird, wie jede andere auch: ein Abstufung von dem Normalen, Universellen, Überlegenen zum Defizitären, Anderen, Sonderhaften. In vielen Sprachen ist diese Betrachtungsweise fest verankert: für Mann und Mensch gibt es dasselbe Wort. Übrigens sind genau die gleichen Mechanismen von Normal und Anders auch im Rassismus und in der Homophobie vorzufinden.

Wenn ein Homosexueller sich darüber beschwert, dass wir in einer homophoben Gesellschaft leben, würde sich The Amazing Atheist sicherlich auch nicht auf den Schlips getreten fühlen. Wenn ein Schwarzer sagt, er lebe z.B. in den USA oder Deutschland in einer rassistischen Gesellschaft, dann würde The Amazing Atheist sicher auch nicht beleidigt schmollen. Wir leben nun mal in einer homophoben, rassistischen und auch sexistischen Gesellschaft.

Menschen, die darunter leiden, sind daher einst auf die Straße gegangen und haben sich gegen Diskriminierung aufgelehnt. Sogenannte Bewegungen sind daraus entstanden. Und ja, sie haben sich das Recht herausgenommen, sich erst einmal um ihre eigenen Belange zu kümmern, denn darum ging es nun mal in den einzelnen Bewegungen. Irgendwie logisch, oder?

Wenn Frauen kaum Grund-, Bürger- und Menschenrechte zuerkannt wurden, dann hatten sie wohl erst mal besseres zu tun, als für irgendwelche Wünsche der Männer zu kämpfen. Ich glaube nicht, dass The Amazing Atheist von Schwarzen in den USA verlangt hätte, dass sie sich damals neben ihrer Befreiung und Emanzipation auch noch um vernachlässigte Interessen der Weißen hätten kümmern sollen. Und es gab genügend Weiße, die sich auf derselben ökonomischen und sozialen Stufe wir die Schwarzen befanden.

Das heißt aber noch lange nicht, dass diese Bewegungen rein exklusiv und völlig abgeschottet von der Mehrheitsgesellschaft abliefen. Ganz im Gegenteil. Erst durch die Frauenbewegung konnten auch Männer ihr Mannsein überdenken und etliche Restriktionen bezüglicher ihrer Geschlechtsidentität entdecken. Erst durch die Schwulen- und Lesben-Bewegung konnten auch Heteros ihre eigene Sexualität überdenken und erkennen, dass Geschlechtsverkehr nicht das Non plus ultra ist. Natürlich gibt es immer wieder Gruppierungen unter solch heterogenen Bewegungen, die sich abspalten und deren Mitglieder unter sich bleiben wollen. Das Gros funktioniert jedoch nach dem Prinzip der Offenheit und dem Willen, eine bessere Gesellschaft für alle zu schaffen.

Der Feminismus z.B. hat wesentlich dazu beigetragen, dass überhaupt über sexuellen Missbrauch gesprochen und dieser verstärkt aufgeklärt wird. Feministen haben nie behauptet, dass nur Frauen Opfer sexueller Gewalt sind und Vergewaltigung aufgrund sexuellen Triebstaus des Mannes geschieht. Mitnichten.

Der Grund, warum Männer in der Diskussion um sexuelle Gewalt kaum als Opfer, sondern stets als Täter vorkommen, liegt mal wieder an unserem guten alten Patriarchat. Denn nach patriarchalen Vorstellungen ist der Mann der Starke und die Frau die Schwache. Aufgrund dieser heteronormativen Vorstellungen hat sich ein Mythos um sexuelle Gewalt gebildet, der völlig in die Sackgasse führt: triebgesteuerter Mann überfällt nachts aufreizend gekleidete Frau. Der weltweite Slutwalk im Sommer 2011 war bestes Beispiel dafür, dass auch heute noch gegen das Vorurteil angekämpft werden muss: wenn eine Frau sich sexy kleidet, muss sie sich nicht wundern, dass sie vergewaltigt wird.

Es ist eine wüste Behauptung von The Amazing Atheist, dass Feministen die Seite der Männer völlig außer acht lassen würden. Es stimmt einfach nicht. Feministen diskutieren diese Themen weit mehr als das Gros der Gesellschaft.
Es sind nicht die Feministen, die Männer verlachen, weil sie Opfer häuslicher Gewalt werden. Das sind die un-feministischen Nachbarn, Freunde, Arbeitskollegen, Polizisten und Richter schon selbst. Nach Aussage von The Amazing Atheist soll es vor 200 Jahren noch das Patriarchat gegeben haben, vielleicht auch noch vor 50 Jahren. Aber heute? Niemals! Denn wenn es das Patriarchat gäbe, dann müsste das Leben für Männer wie im Schlaraffenland sein. Z.B. müssten Männer nicht in den Krieg ziehen. Komisch: vor 200 Jahren mussten Männer aber auch schon in den Krieg ziehen und noch so reichlich andere Dinge tun, die ihnen herzlich wenig Spaß bereiteten, die ihnen aber die Vorherrschaft rechtlich, ideologisch und normativ sicherten.

Denn in einem Patriarchat geht es nicht um die wahllose, anarchische Gewalt eines Mannes, der heute mal Kuchen, morgen mal Steak essen, heute mal blonde Locken, morgen schwarzen Kurzschnitt tragen oder heute mal Sex mit Frauen und morgen mal Sex mit Männern haben will. Das Patriarchat ist kein Wunschkonzert eines narzisstischen Tyranns, sondern ein ausgeklügeltes System an sozialen Strukturen und Praktiken, die Männern und Frauen verschiedene Verhaltensweisen, Geschlechtsidentitäten und Positionen zuweist, welche bewirken, dass Männer die Oberhand behalten – wenn auch zum Missfallen des Einzelnen. Darauf kann aber keine Rücksicht genommen werden. Das System muss funktionieren. Darauf kommt es an.

Es war übrigens die feministische Kritik, die das enge Verständnis von Patriarchat geöffnet hat, dass es sich beim Patriarchat um eine personale Herrschaft eines Mannes über seine Frau und Tochter handeln würde und so um eine Verfügungsgewalt über ihre Körper. Feministen haben den Begriff erweitert auf jegliche identitätsstiftende Mechanismen, sei es durch Medien, Ernährung, biologische Theorien, familiäre Ideologien, Pädagogik, Beruf, etc. die wir selbst immer wieder reproduzieren und deswegen für normal halten. Eine gesellschaftliche Struktur funktioniert am Besten, wenn sie reichlich Belohnungen dafür parat hält, dass man seine Rolle besonders gut erfüllt, wie in Form von sozialer Anerkennung und eben nicht über rohe Gewalt.

Am Besten funktioniert ein soziales Gefüge, wenn keiner merkt wie es funktioniert. Wenn jeder glaubt, das sei alles schon richtig so und logisch und normal und natürlich. Je weniger übrigens eine Gewaltherrschaft einer Menschengruppe über die andere funktioniert, desto mehr werden Machtmechanismen auf religiöse, politische, wissenschaftliche und philosophische Bereiche übertragen, die viel subtiler wirken. Gerade mit biologistischen Klischees versucht man heutzutage immer noch die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau zu rechtfertigen.

The Amazing Atheist begründet leider die Vorherrschaft der Männer über die Frauen damit, dass die Männer stets mehr Verantwortung übernehmen und mehr arbeiten mussten. Klar, die Frauen saßen immer nur zuhause auf ihren dicken Hintern und haben Schokolade gegessen. Beispiel 19. Jh.: Proletarier-Frauen mussten arbeiten, aber das Geld beim Ehemann abgeben. Bürger-Frauen durften nicht arbeiten und waren vom Geld des Ehemannes abhängig. Eigenen Besitz hatten beide Sorten Frau nicht. Ich glaube nicht, dass The Amazing Atheist es wagen würde, sich vor eine Gruppe Afroamerikaner zu stellen und zu sagen: Wir Weißen hatten stets die Herrschaft über Euch, weil wir einfach mehr gearbeitet haben und mehr Verantwortung tragen mussten. Dass Lohn an Leistung gekoppelt sei ist eine typische Vorstellung des American Dream, der Meritokratie – also einer Utopie. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied – schön wär’s. Denn das kann nur funktionieren, wenn Chancengleichheit für alle gegeben ist. Ist sie aber nicht. Und so täuscht dieser Ansatz vielmehr über bestehende Missstände im Sozial- und Bildungssystem hinweg und leugnet Phänomene wie Diskriminierung völlig.

Hier mal ein paar Zahlen, die zeigen, dass es keinen kausalen Zusammenhang zwischen „Viel arbeiten“ und „Viel verdienen“ gibt. Nach dem aktuellen UN Gender Report erbringen Frauen 66% der weltweiten Arbeit, produzieren 50% an Nahrungsmitteln und verdienen nur gerade mal 10 Prozent an den Gewinnen. In manchen Ländern führen Frauen gar 70 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit aus, produzieren 90 Prozent an Nahrung und besitzen nur 1 Prozent an Boden. Außerdem haben Männer global weit mehr Freizeit als Frauen.

Dass Frauen global weniger in bezahlter Arbeit auftauchen, hat einen einfachen Grund: bezahlte Arbeit bedeutet Unabhängigkeit und Geld bedeutet Macht. Die Bindung der Frau an Heim und Herd ist übrigens auch ein Grund, warum Frauen eher für das Sorgerecht für ihre Kinder herangezogen werden und weniger Männer. Die Regelung, dass Frauen den Haushalt machen, das Essen auf den Tisch bringen, Kinder hüten und auf das Geld des Mannes angewiesen sind, wurde auch nach der Scheidung aufrecht erhalten. Mithilfe der Alimente. Ob geschieden oder nicht – auf diese Art konnte die gewohnte Rollenverteilung beibehalten werden und die Frauen blieben dem Arbeitsmarkt fern. Zugleich wollte man eine plötzliche Verarmung vermeiden. Noch ein Grund, warum meist eher Frauen das Sorgerecht erhalten als Männer: das Paar hat sich bereits schon vorher privat darauf geeinigt. Außerdem ist ein Kind automatisch biologisch und damit rechtlich an die Mutter gebunden. Mittlerweile hat in Deutschland auch der nichteheliche Erzeuger einen Rechtsanspruch auf das Kind, auch wenn ihm die Aufzucht des Kindes schnuppe ist.

Es ist ohnehin eine relativ neue Sache, dass Frauen das Sorgerecht für ihr Kind zugesprochen wird. Bis ins 19. Jahrhundert hinein waren Frau und Kinder einfach Besitz des Mannes. Erst mit der Industrialisierung und Freuds psychoanalytischer Untermauerung wurden Frauen die Kinder überlassen und diese Bindung als natürlich angesehen. Eine Idealisierung der Mutterschaft begann. Und auch heute noch werden konservative Priester, Politiker und Bindungsforscher nicht müde, das Bild der heiligen Mutter zu propagieren. In Deutschland waren Martin Luther, Biedermeier und das Dritte Reich immer wieder damit beschäftigt, Frauen auf die Mutterrolle zu reduzieren. Dabei geraten auch der weibliche Körper und seine reproduktiven Eigenschaften immer wieder ins Fadenkreuz der Öffentlichkeit.

The Amazing Atheist bemängelt, dass Männer nicht dieselben reproduktiven Rechte hätten wie Frauen. Dabei führt er die Beschneidung bei Männern an. Zu recht. Aber da hört es mit dem Vergleich auch schon auf. Der weibliche Körper ist seit jeher ein Schlachtfeld, auf dem verschiedenste ideologische Kämpfe ausgetragen werden. An ihm hängen gesellschaftliche Vorstellungen und Mythen von Sitte, Reinheit, Ehre, Schwangerschaft, Gebären, Stillen, und die weibliche Sexualität an sich. An ihm werden staatliche Besitzansprüche gemeldet, er gilt als medizinischer Sonderfall, risikohaft, anfällig, empfindsam, er wird ästhetisiert und bezüglich Gebärfähigkeit idealisiert. Die Frau als denkendes, fühlendes Wesen verschwindet meist dahinter. Sie wird zu einem Ding, über das bestimmt werden kann.

Sie soll gefälligst für Nachwuchs sorgen, sie wird für demographischen Wandel verantwortlich gemacht, ihr wird Gebärstreik vorgeworfen, Frauen, die mehr an persönlicher Entwicklung statt an Nachwuchs interessiert sind, gelten als karrieregeil, arbeitende Frauen als Rabenmütter, abtreibungswillige als Mörderinnen und kinderlose als bemitleidenswerte Geschöpfe.

Vor allem in Bezug auf Sexualität und Reproduktion sind die Bereiche Verhütung und Schwangerschaft stark politisch und ideologisch aufgeladen. In den USA wurden an Frauen bis 1981 Zwangssterilisationen vorgenommen. In demselben Land ist Abtreibung in jedem Wahlkampf ein riesiges Thema. Abtreibung ist moralisch so aufgeladen, dass es selbst im legalen Rahmen als Sünde und Schande bewertet wird. Auch bei Verhütung und sexueller Selbstbestimmung ist es mit der Emanzipation noch nicht weit her. Die Hauptgründe, warum Frauen auf den Gebrauch von Kondome verzichten, sind emotionale und finanzielle Abhängigkeit von ihrem männlichen Partner, Gewalt und mangelndes Selbstbewusstsein. Wenn selbst Lady Gaga jungen Frauen auch heute noch Mut machen muss, auf ein Kondom zu bestehen, dann kann die Gleichberechtigung in Sachen reproduktive Rechte noch nicht ganz in der Realität angekommen zu sein.

Und der ganze Hype um Brustkrebsforschung, die The Amazing Atheist als Beweis für die Nicht-Existenz des Patriarchats hochhält, wird bestimmt nicht veranstaltet, nur weil die Pharmaindustrie Frauen so gern hat. Hier hat sich The Amazing Atheist von der pinken Schleife einwickeln lassen. Zunächst einmal – die Forschung hat bezüglich Brustkrebs lange geschlafen. Für Programme zur Früherkennung mussten Frauen erst einmal kämpfen. Auch das ist eine Errungenschaft des Feminismus und nicht ein Liebesbeweis durch Männer und damit ein Beweis gegen das Patriarchat. Außerdem sind Diagnostik und Therapie von Brustkrebs eng mit ökonomischen Interessen verknüpft. Die pinke Schleife wird mittlerweile für PR-Events für alle möglichen Produkte missbraucht, die selbst ironischerweise häufig krebserregend sind. Samantha King veranschaulicht wie Brustkrebs sich von einer stigmatisierten Erkrankung und individuellen Tragödie zu marktgetriebenener Industrie des Überlebenskampfes gewandelt hat.

Apropos Überlebenskampf. The Amazing Atheist beschwert sich ja darüber, dass die Männer in den Krieg ziehen und dort ihr Leben lassen müssen. Als ob Krieg Frauen überhaupt nicht beträfe. Nur die Männer scheinen unter dem Kampfeinsatz zu leiden. Es ist mittlerweile allseits bekannt, dass Vergewaltigung als Mittel der Kriegsführung eingesetzt wird. 80 Prozent der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder. Und wo Militär ist, da ist auch Prostitution. In kriegsgebeutelten Ländern sind es die Frauen, die häufig ihre Familien allein durchringen müssen, sie schaffen Essen heran und begeben sich täglich in Gefahr, nur um an etwas Nahrhaftes zu gelangen.

In Deutschland waren es nach dem Zweiten Weltkrieg die sog. Trümmerfrauen, die mit bloßen Händen zerbombte Gebäude freiräumten und damit den Fortbestand der Innenstädte sicherten. In dem Moment war es plötzlich gar nicht mehr wichtig, dass Frauen eigentlich zuhause am Herd sein und Kinder hüten sollten wie es sich geziemt. Gedankt hat man es ihnen nicht. Sie wurden danach fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel.

Auch Krieg ist im übrigens stark ideologisch aufgeladen. Frauen spielen darin eine große Rolle als idealisierte Opfer und Märtyrer. Sie erdulden Qualen für ihr Vaterland und sie dienen als Projektionsfläche, um an ihnen zu veranschaulichen, wie ungerecht die Gegner doch sind und dass somit noch härter gekämpft werden müsse. Im Krieg wird eine klare Geschlechtertrennung manifestiert: Männer gelten natürlich als Aggressor und stehen für Gewaltbereitschaft und Tapferkeit. Frauen hingegen werden Passivität, Friedfertigkeit und Mütterlichkeit zugeschrieben. In zig Kriegsfilmen kann diese Rollenverteilung immer wieder nachverfolgt werden.

Das Verteidigen von Frau und Kindern wird gerne zum Anlass genommen, um endlich mal wieder richtig metzeln zu können. Irgendeine Rechtfertigung muss es halt geben. Die Frauen werden zum schützenden Symbol einer Nation. Natürlich ist das nicht im Sinne eines jeden Mannes. Nicht umsonst gibt es Kriegsdienstverweigerer. Aber wie oben schon erwähnt: nach den Wünschen einzelner wird nicht gefragt. Es geht hier um die Demonstration von Dominanz und das funktioniert nur, wenn sich alle in das System einfügen und nicht jeder ständig diese oder jene Befindlichkeit anmeldet. Es geht hier um etwas größeres als das Individuum.

Das Patriarchat ist am Ende wie ein großes Theater, bei dem alle irgendwie mitspielen, jeder hat eine Rolle, etliche tanzen zwar aus der Reihe, im Große und Ganzen machen wir alle aber recht brav mit. Ansonsten würden Gesellschaften gar nicht funktionieren. Denn wer aus der Reihe tanzt und dazu nicht die nötigen ökonomischen Ressourcen besitzt, findet sich sehr bald am Bühnenrand wieder.

Dabei funktionieren Normen übrigens weitaus effektiver als Gesetze. In Deutschland z.B. gibt es kein Gesetz, das verbietet, dick zu sein, eine schiefe Nase zu haben oder zu kurze Beine. Auch gibt es kein Gesetz, das besagt, Menschen mit schwarzer Haut dürfen nicht eingestellt werden oder Menschen mit Behinderung müssen weggeschlossen werden. Genauso wenig ist es hier gesetzlich verboten, gleichgeschlechtlichen Sex zu haben. Das alles braucht es gar nicht. Denn gesellschaftliche und historisch überlieferte Vorurteile, die immer wieder reproduziert werden, sorgen schon dafür, dass die Leute diskriminiert werden, die nicht so recht ins Muster passen. Hänseleien, Nicht-Beachtung, Ausschluss, Stereotypisierung, etc. – all das trägt dazu bei, dass nicht jeder einfach so sein kann wie er möchte. Viele müssen riesige Hürden überwinden, um dazu gehören zu können. Deswegen denke ich, ist es ein Luxus, sich „Universal human self-determinist“ zu nennen, wie es The Amazing Atheist tut. Als weißer Mann der Mittelklasse ist das bestimmt nicht allzu schwer. Indem er das sagt, verleugnet er aber seine privilegierte Position in seiner Gesellschaft und verkennt, dass andere sich diese Freiheit nicht herausnehmen können.

Ich würde mich freuen, wenn Ihr auf Youtube unter dem Video von The Amazing Atheist Kommentare schreiben und Euch an der Diskussion beteiligen könntet.

http://www.angryyoungwoman.de/

Kommentare
NelsonsCannon hat auf deinen Kommentar zu Failure of Feminism geantwortet:
@TheAngryYoungWoman A phenomenon? a phenomenon word to point and say „look“ to back up your ideology? yes an ideology just like nazism? =)… you mention social structures but such things are somewhat irrelevant since the genders differ via biology rather than what society tells us to be. Well do me, neo-feminism is basically just misandry concealed in a cloak. The real fems were from the 60’s-70’s. The fact you have your rights yet still scream victim n keep wanting to push it further is bleak.

fidelbogen hat auf deinen Kommentar zu Failure of Feminism geantwortet:
@TheAngryYoungWoman „patriarchy is not what is says on the tin“
That’s a great saying, and you know what else? It is exactly what I have been saying about FEMINISM for YEARS.
„Feminism is not what it says on the tin.“
I think I‘ll steal that. It’s one of the best summaries of Feminist Subjectivism I have ever heard — and it is from a feminist, no less!
I thank you kindly!

FidelbogenJan 30, 2012 06:20 PM
My study of feminism over the years has led me to conclude that feminism is identical with female supremacism.
I discovered this by peeling open the tin and looking inside.

FidelbogenJan 31, 2012 01:35 PM
You should try engaging with pro-male activists and agitators who know their stuff.
You sound like a bit of a hothouse flower, if you know what I mean. Very orderly, very methodical, very. . German.
I would suggest some cultural immersion. Try registering and commenting at ‚A Voice for Men‘.
http://www.avoiceformen.com
We‘ll see how long you can take the heat. You think that YOU are the angry one…eh?
I‘m one of the contributing writers there, by the way.
As for the Amazing Atheist: I appreciate his attitude, but I‘m afraid his political weltanschauung is a bit primitive.

genderpolitik
Radikale Feministinnen haben in einem deutschen Femi-Blog dazu aufgerufen den Kommentarbereich dieses Videos vollzuspamen. Mitvulven einer sexistischen Bewegung (Feminismus) beschweren sich über Sexismus und weisen auf die unterschiedlichen feministischen Strömungen hin (Etikettenschwindel es ist immer = Täter, Frau = Opfer). So wundert auch nicht der Hinweis auf das Patriarchat.

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Frauenversteher

Mädchenblog - 31 Jan 2012 - 13:08

Sehnen wir uns ewa nach den alten Männerklischees? Kommen wir mit den weicher gewordenen Männern nicht mehr klar? Ein amüsanter Text in der Faz zum Thema Frauenversteher. Auszug: „Dabei würden sich Frauen auch heute noch freuen, wenn ihnen einer mal den Hof macht / die Tür aufmacht / den BH aufmacht, obwohl sie das selbstverständlich allein können.“ Mir persönlich sind die Männer noch nicht „weich“ genug, aber ich bin auch für ein neues Klischee in Richtung lauter „Macho“ mit Respekt. Können doch nicht alle ruhig/ schüchtern/ passiv sein.

Faz Artikel

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Ans Licht mit dem Wolkenkuckucksblog! Ein Aufruf.

Mädchenmannschaft - 31 Jan 2012 - 13:00

Jana hat gerade ihren Wolkenkuckucksblog gestartet und wir veröffentlichen mit freundlicher Genehmigung Ihren Blogpost zu Lurker_innen. Sie sucht außerdem Kontakt zu anderen Lurker_innen, die sich unter wolkenkuckucksblog@gmail.com bei ihr melden können.

Seit mindestens vier Jahren habe ich ein imaginäres Blog. Ich befülle es allwöchentlich mit virtuellen Einträgen. Wenn ich in Stimmung bin, denke ich mir virtuelle Kommentare dazu aus. Ich habe sogar schon diverse Domains registriert, WordPress-Themes angepasst und About-Seiten verfasst. Doch freigeschaltet habe ich sie nie. Und einen tatsächlichen Blogeintrag habe ich noch nie geschrieben, auch wenn ich es mir jeden Monat aufs Neue vornehme.

Ich habe das immer für meine persönliche Wahnsinnigkeit gehalten. Doch seit einiger Zeit frage ich mich, ob das wirklich stimmt. Ob es nicht doch noch viele andere Wolkenkuckucksblogger*innen wie mich gibt – und ob es nicht tatsächlich vornehmlich Wolkenkuckucksbloggerinnen sind. Denn plötzlich fielen mir Parallelen auf: Diese existentielle Angst, wenn ich mal einen Blogkommentar (zweimal in meinem Leben habe ich mich das – unter Pseudonym! – getraut) oder ein Mailinglistenposting geschrieben habe – irgendwie fühlte sie sich doch sehr ähnlich an wie der Fluchtimpuls, der mich regelmäßig in platzhirschdominierten Gesprächsrunden ergreift. Dieser Drang, bloß unsichtbar zu bleiben. Diese Stimme, die mir einredete, ich habe nichts Sinnvolles beizutragen: War das nicht vielleicht der „innere Patriarch“, vor dem mich eine wohlwollende ältere Kollegin immer gewarnt hatte? Diese ständigen Gedankenschleifen: Ich blogge unter meinem richtigen Namen, ist doch Quatsch sich zu verstecken. Aber was, wenn ein wahnsinniger Internettroll mich aufspürt? Also doch ein Pseudonym? Aber das ist doch feige! Und da capo. War diese Angst vor „dem bedrohlichen Internet“ nicht sehr vergleichbar mit der Angst vor dem gefährlichen Park / der unheimlichen Seitenstraße / dem finsteren Hinterhof / der einsamen Haltestelle in der Dämmerung?

Mit dem Slogan „Reclaim the night“ haben sich mutigen Feminist*innen gegen das systematische Vertreiben ganzer Bevölkerungsteile von den Straßen gewehrt. Eigentlich müsste es doch auch in Bezug auf das Internet möglich sein, den Fluchtimpuls kritisch zu reflektieren und möglicherweise in einen Angriffsimpuls umzuwandeln.

Die Forderung „Mehr Frauen* ins Netz!“ liest man häufiger. Aber einen fruchtbaren Austausch über die Mechanismen, die am invisibilitätsproduzierenden Werke sind, und vor allem eine Beteiligung der Betroffenen, der unsichtbaren Mitleser*innen, vermisse ich noch. Daher krieche ich, passionierte unsichtbare Mitleserin, aus meinem Schneckenhaus und strecke die Fühler aus:

Hey, ihr anderen Wolkenkuckucksblogger*innen: Diese Panik bei dem Gedanken: Ich bin sichtbar – kennt ihr das? Dieses Ach, was ich zu sagen habe, interessiert doch keine(n) – kennt ihr das? Ich würde mich gerne mit euch darüber unterhalten.

Und ihr wunderbaren bereits Bloggenden: Den inneren Patriarchen im Zaum halten – wie macht ihr das? Sich sichtbar und gleichzeitig (halbwegs) sicher fühlen – wie macht ihr das?

Ich brauche eine Coach, eine Selbsthilfegruppe, eine virtuelle Wolkenkuckucks-WG-Küche. Ich brauche eure Hilfe. Meldet euch bei mir. Reclaim the blogosphere und alles.

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EU-Initiative: Gleiche Bezahlung für Frauen und Männer

Mädchenmannschaft - 31 Jan 2012 - 09:00

Salut,

Ich möchte euch heute über meine Initiative “Gleiche Bezahlung – JETZT!” berichten, die ich im März 2011 gestartet habe, um endlich etwas gegen die immer noch enormen Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern in der EU zu tun. Schon in den Gründungsverträgen der Europäischen Union von 1957 wurde das Prinzip der gleichen Bezahlung für Männer und Frauen bei gleicher Tätigkeit festgeschrieben – doch bis heute gibt es keinerlei EU-weit verbindliche Regelungen dazu. Der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern stagniert seit Jahren bei 17,5 Prozent im EU-Durchschnitt und ganzen 23 Prozent in Deutschland.

(c) Eva Hillreiner, www.evahillreiner.de

Im Jahre 2008 verabschiedete das Europäische Parlament einen guten Bericht, der damals die Europäische Kommission aufforderte, weitere gesetzliche Schritte im Bereich der Transparenz und der Sanktionen vorzulegen. Die Kommission hat bisher nicht reagiert. Das muss sie auch nicht – nach dem alten Vertrag von Nizza, der bei der Annahme des Berichts im Jahre 2008 noch gültig war, muss die Kommission nicht auf Aufforderungen des Parlaments reagieren.
EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat am 5. März 2011 den ersten EU-weiten “Equal pay day” ausgerufen – eine rein plakative Maßnahme, die Aktivität der EU-Kommission gegen ungleiche Bezahlung vortäuschen soll.

Das reicht aber nicht! Daher habe ich am 100. Internationalen Tag für die Frauenrechte am 8. März 2011 die Aktion “Gleiche Bezahlung – JETZT!” mit neun anderen weiblichen Abgeordneten aller pro-europäischen Fraktionen im Europaparlament gestartet. Die Auftaktveranstaltung im Straßburger Europaparlament war ein voller Erfolg!

Im Anschluss an die Aktion übergaben die Parlamentarierinnen einen Brief mit ihrem Vorschlag für einen neuen Bericht, basierend auf dem erwähnten Bericht von 2008, an Parlamentspräsident Jerzy Buzek.
Damit wurde ein Verfahren in Gang gesetzt, das das durch den Lissabon-Vertrag verstärkte Initiativrecht des Europaparlaments nutzt. Auf einen nach diesem Verfahren verabschiedeten Bericht MUSS die Kommission dann – innerhalb einer vom Europaparlament gesetzten Frist – reagieren: entweder mit der Vorlage einer Gesetzesinitiative oder einer begründeten Ablehnung.

Jetzt ist der nächste Schritt in diesem Verfahren gemacht: Nachdem Jerzy Buzek unseren Vorschlag akzeptiert und an den zuständigen Ausschuss für die Rechte der Frau und Gleichstellung (FEMM) weitergeleitet hat, wurde der Bericht “Gleiche Bezahlung” nun auf die Tagesordnung des FEMM-Ausschusses gesetzt; er soll im Mai 2012 im Plenum abgestimmt werden. Der Berichtsentwurf liegt leider noch nicht vor, kann aber eingesehen werden, sobald die Berichterstatterin Edit Bauer ihn veröffentlicht.

Übrigens: Der nächste Internationale Tag für die Rechte der Frau am 8. März 2012 steht im Europäischen Parlament ganz unter dem Motto “Gleiche Bezahlung für Frauen und Männer” – eine gute Gelegenheit, das Thema erneut auf die Agenda zu setzen und unseren Initiativbericht im Europaparlament voranzubringen.

Ich halte euch über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden!

Viele Grüße aus Brüssel,

Eure Franziska

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Kurze Gedanken zu Jane Elliotts Antirassismustrainings

Medienelite - 30 Jan 2012 - 12:35

Als Martin Luther King erschossen wurde, hat sich die damals als Lehrerin arbeitende, weiße US-Amerikanerin Jane Elliott an einem Experiment versucht: Sie teilte ihre Schulklasse in Braun- und Blauäugige ein. Die Braunäugigen waren aufgerufen, die Blauäugigen schlecht zu behandeln. Ihnen zu unterstellen, sie wären ungebildet, ignorant, böse. Die Kinder spielten das Spiel mit und merkten schnell: Die Wirkungsweisen von Rassismus sind so banal wie um-sich-greifend. Jede_r kann rassistisch handeln.

Das “Augen-Experiment” hat internationale Bekanntheit erlangt und Jane Elliott arbeitet nach wie vor als Antirassismus-Trainerin. Mit unterschiedlichem Erfolg. Was einerseits an dem Kontext liegt, in dem sie als Dozentin die Trainings durchführt und an ihrer Art und Weise dies zu tun.

Ich habe mir vor ein paar Tagen zwei Filme mit ihr angesehen. Eine Filmreihe mit dem Titel “How racist are you?”, die mensch sich unter folgendem Link in fünf Teilen anschauen kann. (Triggerwarnung für Rassismus-Denials und rassistische Äußerungen der Teilnehmer_innen)
Der andere Film hieß “The angry eye”:

Die Filme unterscheiden sich. Im ersten Film leitet Elliott eine Gruppe aus PoC und weißen Erwachsenen aus Großbritannien. Das Experiment misslingt, kaum eine_r der weißen Teilnehmer_innen lässt sich auch nur ansatzweise auf einen Erkenntnisprozess ein. Zumindest zeigen das die Szenen. Im zweiten Film leitet Elliott eine Gruppe aus PoC und weißen Schüler_innen aus den USA. Das Experiment ist erfolgreich. 1

Doch warum? Ich erkläre mir das so, dass in den USA aus der Historie heraus ein Grundwissen darüber herrscht, was Rassismus ist, wie und wo er sich institutionalisiert hat. Über Rassismus wird in den USA offener gesprochen. Rassismus ist kein Tabu. Was sich als Tabu herausstellt, ist die Thematisierung von weißen Privilegien und inwiefern das auch etwas mit mir selbst (als weiße Person) zu tun hat. Das ist jetzt grob vereinfacht, aber allein der Fakt, dass es dort große soziale Bewegungen gegeben hat, die bspw. in Europa weitestgehend ausblieben, macht schon einen Unterschied. Das heißt nicht, dass dort in postrace-Verhältnissen gelebt und gehandelt wird, im Gegenteil, allerdings wird Rassismus in den USA nicht grundsätzlich negiert.

Im Gegensatz dazu zeigen sich die Proband_innen aus UK in fast ausschließlicher Verteidigungshaltung. Die Übungen werden vielfach von weißen boykottiert und verfehlen so ihre Wirkung. Ein PoC erklärt, dass er seine “biracial” Tochter niemals von der Schule abholt, weil sie in einer vollkommen weißen Schule “zum Glück” noch als “weiß genug” gelesen wird und er nicht möchte, dass sie Schwarz “wird”. Eine weiße Lehrerin(!) erklärt darauf hin, dass ihr Mann auch nicht in seinen legeren Klamotten zur Arbeit geht oder seine Tochter von der Schule abholt m( So geht es eigentlich die ganze Zeit. Die weißen Proband_innen halten sich für reflektiert genug zu erkennen, was Rassismus ist und behaupten, sie würden immer und überall intervenieren, wenn ihnen Rassismus auffällt. Rassismus hat mit ihnen persönlich nichts zu tun. Eine Derailing-Strategie jagt die nächste. Sie fühlen sich angegriffen, verletzt, ungerecht behandelt, von Elliott selbst, von den PoC im Raum.

Ich hatte mir beim Schauen des Films gedacht, dass die weißen zugänglicher wären, auch weil Elliott als weiße Autorität in Erscheinung tritt und es eigentlich hätte zu Bonding-Effekten kommen können. “Aaah, wenn es mir eine weiße erklärt, dann muss sie ja recht haben”. Was Elliott jedoch macht: Sie verhindert das, weil sie weiße Verteidigungshaltung kaum zulässt und stets am Sanktionieren ist, wenn es zu Privilege Denying und White Whining kommt. Mir imponiert dieser straighte Umgang sehr, ist er doch konsequente Solidarisierung mit Betroffenen. Er kann allerdings auch Rassismus verstärkend wirken. Nicht weil Elliott so handelt, wie sie es tut, sondern weil die weißen denken, ihnen würde kein Raum gewährt: Zum Lernen und zur Artikulation.

Wenn offenbar nicht einmal ein Grundbewusstsein darüber vorherrscht, was Rassismus ist und wie er sich äußern kann, dann ist es schwierig, weiße Proband_innen mit dieser Taktik etwas “beizubringen” bzw. sie zum Lernen zu animieren. Ich gehe mal davon aus, dass das Experiment hierzulande ähnliche Effekte hätte. Es ist nicht Elliotts Aufgabe, Rassismus so zu vermitteln, damit auch der_die letzte weiße es endlich kapiert, schon gar nicht, wenn Betroffene im Raum sind, denn offensichtlich funktioniert ihr Experiment auch in anderen Kontexten. Aber es wird schwieriger, wenn wir uns in Kontexten bewegen, wo Rassismus nicht zum Alltagswissen gehört. Der Diskurs um “wir sind doch alle gleich” ist offenbar in einigen Nationalstaaten derart hegemonial, dass er sich nur schwer aufbrechen lässt. Noch nicht mal dann, wenn bspw. anerkannt wird, dass sexualisierte Gewalt verachtenswert ist, herrscht Konsens darüber, dass dies bestimmte Ursachen hat, die auch mit mir selbst als vergeschlechtlichtes Wesen zu tun haben. Dass jeder Typenwitz über Frauen Ausdruck dessen ist, was sexualisierte Gewalt weiterhin legitimiert. Dass jedes Nice Guy Gejammere Ausdruck dessen ist, was sexualisierte Gewalt weiterhin legitimiert. Dass jedes Festhalten an Privilegien Ausdruck dessen ist, was Herrschaft weiterhin legitimiert.

Letztendlich geht es bei jeder Denial- und Derailingstrategie darum, ob ich das Gefühl habe, als guter oder als schlechter Mensch zu gelten. Handele ich rassistisch, bin ich schlecht. Ich will aber nicht schlecht sein, deswegen weise ich jeden Vorwurf der rassistischen Handlung von mir. Diese Haltung ist dermaßen selbstbezogen und ignorant, dass es schon fast wieder lächerlich ist, wenn diese Menschen behaupten, sie wären tolerant und am Gemeinwohl oder an Gerechtigkeit interessiert. Denn offenbar ist ihnen nur daran gelegen, ihre Komfortzone nicht zu verlassen.

Ich denke, dass da anzusetzen als erster Schritt wichtiger wäre, als weißen vor den Latz zu knallen, wie und wo Rassismus auftritt. Denn die Abwehrhaltung ist ein erstes Zeichen dafür, dass eigentlich das Verständnis dafür da ist, worum es gehen soll, aber der Egozentrismus noch den Riegel vorschiebt. Denn sonst würde ja mit Gleichgültigkeit reagiert werden (so meine Interpretation).

Notes:

  1. In “The Angry Eye” weist eine weiße Probandin darauf hin, dass sie das Gefühl hat, im Training werde Rassismus als “schlimmer” bewertet als Sexismus und Homophobie. Sie fühle sich deswegen unwohl und in ihren eigenen Diskriminierungserfahrungen zurückgewiesen. Elliott reagiert auf dieses Unbehagen, indem sie die weiße Frau und einen Schwarzen Teilnehmer nach vorn holt und erklärt, dass Menschen unterschiedliche Erfahrungswelten haben, die wir erst einmal akzeptieren müssen, ohne sie abzuerkennen. Die Oppression Olympics werden leider nicht thematisiert bzw. aufgelöst, stattdessen arbeitet Elliott mit stark verkürzten Differenz(feministischen)-Ansätzen. Sie geht nicht auf Intersektionalitätsaspekte ein und definiert Geschlecht lediglich in Gebärmutter(nicht)/Penisvorhandensein. Es wird also kein Machtverhältnis thematisiert, das kontextabhängig unterschiedliche Wirkungen hat und die ProbandInnen stets verschieden positioniert, sondern Elliott erklärt: Alle sind grundverschieden. Essentialismus galore!

    Was allerdings dem “geschulten” Auge klar wird: Dies ist ein Awarenesstraining für Rassismus. Kein “Lasst uns über all unsere Diskriminierungserfahrungen sprechen. Diese Gefühle, die die weiße (meiner Zuschreibung zufolge nicht heterosexuell begehrende) Probandin macht, hatte ich auch schon öfter. Oppression Olympics sind scheiße, aber hier gilt es zu unterscheiden, ob das nur meine Wahrnehmung ist, weil ich auch mal sagen will, wie diskriminiert ich bin und das Gefühl habe, das nicht zu “dürfen”, oder ob mein_e Gegenüber_in tatsächlich vorhat, Macht- und Unterdrückungsverhältnisse zu hierarchisieren, indem sie es konkret so benennt. Das ist nicht immer eindeutig zu trennen, aber ich denke, das ist der Preis, den wir zahlen müssen, wenn wir Diskriminierung auf der Interaktionsebene betrachten.

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Ausrastende Schriftsteller, Kinderdiäten und die feministische Vollzeitfrage – die Blogschau

Mädchenmannschaft - 30 Jan 2012 - 12:22

In der letzten Woche hat die unfassbar peinliche Geschichte von Autor John Asht für Aufsehen im Netz gesorgt: Bloggerin Myriel hatte sein Buch rezensiert und insgesamt ein negatives Fazit parat – Asht leistete sich darauf mehrere Ausraster sondergleichen. Ekkart hat alles zusammengefasst (Triggerwarnung).

Unsere ehemalige Muttibloggerin Mrs. Pepstein macht weiter fleißig Radio. Nach 13 Jahren hat sie neulich einmal die Seiten getauscht und wurde selbst interviewt.

“Geht Feministin sein nur mit Vollzeit-Job?”, fragt sich die Zahlenzauberin, und die Frage, was sich Frauen wünschen, wird auf dem Graphitti-Blog mit einer aufschlussreichen Graphik erklärt – das interessante Diagramm findet Ihr hier.

Es gibt einen verlängerten Aufruf der Denkwerkstatt, und zwar zu Forschungsergebnissen von Abschlussarbeiten im Bereich Gender Studies und feministischer Wissenschaft.

Was Schnee in Pakistan mit Dekonstruktion zu tun hat? Das haben die nofreteten kurz erklärt. Für den Text “Slavoj Žižek, linke Kerle und die Revolution” von Antje Schrupp sollte man sich ein paar Minuten Zeit nehmen, weil: Sehr gut.

Der Mädchenblog regt sich tierisch über ein Abnehmbuch für junge Mädchen auf.

Um die kleinen Lücken des Lebens im Bereich E-Books geht es in “Legal kaufen macht Mühe”.

Queer.de kritisiert den Umgang der Polizei mit den Rechtsextremen, die in der Stuttgarter Gay-Kneipe “Goldener Heinrich” randaliert haben.

anders deutsch hat sich die Zahlen zur Asylanerkennung vorgenommen – und ist not amused.

Zum Verhüten kommt alles in Frage außer Hormone? Dann ist die Übersicht von I do give a Damn interessant für Euch.

Der Vergewaltigungsvorfall im brasilianischen Big Brother-Haus wird nochmal bei Fernseher kaputt thematisiert.

Maria Wersig wühlte sich nochmal durch den Instrumentendschungel und stellte fest: Weniger Kinder sind im Hartz-IV-Empfang, dafür gibt es mehr Kinderzuschläge.

Und nach dem Klick ein Call for Papers und Termine:

Ein Call for Papers des Chaos Computer Club zu allen chaosrelevanten Themen.

Am 3. Februar dreht sich an der FU Berlin alles um Recht, Macht und Geschlecht, so das ZtG Blog.

Claudia Kilian organisiert das nächste GOWs-Treffen am 1. März in Frankfurt mit.

Kategorien: Deutsche Blogs

Ingenieurinnen vor!

Mädchenmannschaft - 30 Jan 2012 - 09:57

Mit ihren beiden Söhnen unternahm sie 1888 die erste Autoreise der Welt: Bertha Benz. Doch nicht nur Wagemut bewies sie damit, auch ihre technischen Fähigkeiten stellte sie während der Fahrt wiederholt unter Beweis. Mit Hutnadel und Strumpfband reparierte sie Pannen des Patent-Motor­wagens. Dessen Bedienung auch etwas komplizierter war, als die heutiger Autos.

Seit Juli 2009 gibt es inzwischen den nach ihr benannten „Bertha Benz-Preis“ – mit ihm zeichnet die Daimler und Benz Stiftung jährlich eine Ingenieurin aus, die ihre Promotion herausragend abgeschlossen hat. Auch in diesem Jahr können Universitäten und Forschungsinstitute wieder Kandidatinnen für den mit 10.000 Euro dotierten Preis vorschlagen. Bewerbungsschluss ist der 15. März.

Wenn es auch in deinem Forschungsgebiet einen Preis gibt, mit dem engagierte Frauen oder Gruppen ausgezeichnet werden, kannst du uns unter post(at)maedchenmannschaft.net Bescheid geben.

Kategorien: Deutsche Blogs

Cellulite-Wahn

Mädchenblog - 29 Jan 2012 - 23:36

Susanne Klingner kotzt sich über die Cellulite-Lüge aus:

Wissenschaftler lachen sich über die von Anti-Cellulite-Tees und -Tabletten versprochene „Entschlackung“ kaputt. Was die Käuferinnen nicht interessiert.

Kategorien: Deutsche Blogs

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