Update! Heute erhielt ich meine 4. Morddrohung. Die Letzte kam vor über einem Jahr. Immer der vermeintlich selbe Täter - und ich bin nicht das einzige Opfer. Ich wußte, als lange keine Morddrohungen mehr kamen, dass es nicht vorbei sein würde - andere hatten mir von "Pausen" berichtet.
Ebenso weiß ich inzwischen, wie ich damit umgehen kann. Bei der ersten Morddrohung bin ich eine komplette Woche ausgefallen - Angst, Missbrauchsgefühle usw. hatten mich unter Kontrolle. Mit der Beobachtung und Analyse meiner Reaktionen konnte ich den "Ausfallzeitraum" minimieren.
Heute entschied ich mich für Zynismus. Um nicht depressiv zu werden, baute ich mir ein Schutzschild, damit die Emotionen schlicht nicht an mich heran kommen. Es stand ein schwerer Weg vor mir: Der Gang zur Polizei.
Was bisher geschah
Mein erster Gang zur Polizei hätte eigentlich dem Machtgewinn dienen sollen. Ich habe das Recht auf meiner Seite, die Polizei wird sich darum kümmern. Schnell lernte ich, dass dies nicht der Fall ist. Anfangs war ich guter Hoffnung, als ich nach der ersten Morddrohung bei der Polizei anrief, beriet mich der Polizist sehr vernünftig - "ist meine Wohnung einsehbar?", etc. Daraufhin fuhr ich hin, erstattete Anzeige. Ich erfragte eine Woche später meinen Sachbearbeiter, sammelte weitergehende Informationen, hielt Kontakt. Dann ging's zur Staatanwaltschaft, die stellte das Verfahren ein. Die Morddrohungen hörten nicht auf, ich schaltete eine Anwältin ein, wir erstatteten wieder Anzeige, legten Beschwerde gegen die Einstellung des Verfahrens ein. Ich schaltete die Presse ein. Wir hatten keinen Erfolg. Es gab noch Wege den Täter zu ermitteln, aber die Ermittlungsbehörden wollten nicht helfen.
Zu Gast bei der Polizei Lerchenberg
Dementsprechend desillusioniert machte ich mich heute auf den Weg. Unbestritten war ich nicht gerade in einer guten, höflichen und zuvorkommenden Laune. Aber ich schätze, die Polizei ist darin geschult, dass Opfer nicht unbedingt immer bestgelaunt sind. Soviel vorweg.
Ankunft an der umzäunten Polizeistation Mainz-Lerchenberg. Das Tor ist geschlossen, ich muss klingeln. Eine Stimme fragt nach meinen Begehr. Ich sage, dass ich Anzeige erstatten will. Anscheinend kein Grund die Tür zu öffnen, Nachfrage "Warum"? - Antwort "Eine Morddrohung". Fühle mich jetzt schon nicht mehr willkommen. Stimme sagt mir, reinzukommen und im Wartebereich Platz zu nehmen. Summer ertönt, ich öffne die Tür, gehe zum Gebäude, öffne die Tür, gehe rein, setzte mich auf einen Stuhl. Hinter einem Glasfenster sehe ich an einem der hinteren Schreibtisch eine Person sitzen, die nicht mal aufschaut. Nach ca. 5 Minuten erscheint ein Polizeibeamter, beginnt mit Fragen, während ich aufstehe und ihm die Hand geben will... was eher zum aufzwingen mutiert, somit entfällt die Vorstellung. Er befragt mich kurz "im Gang", ich händige ihm den Ausdruck der neuen Morddrohung aus. Erst als er überzeugt ist, dass ich nicht zum Spaß (oder was auch immer) da bin, bittet er mich in ein Büro. Wir nehmen Platz, er bittet um meinen Ausweis, er geht die Formulare durch. Irgenwann beginnt die Vernehmung. Ich versuche alle bisher gesammelten Fakten zusammen zu fassen. Er - sowieso schon nicht sehr zuvorkommend - befiehlt/bittet darum, nur seine Fragen zu beantworten. Irgendwann kommt's zu der Frage, warum ich glaube, die Morddrohungen zu erhalten. Ich führe aus, dass ich feministische Aktivistin bin. Sein Blick sagt mir, dass das nicht gerade seine politische Lieblingseinstellung ist. Irgendwann lasse ich fallen, dass ich vermute, dass die Morddrohungen aus Maskuli(ni)sten Kreisen kommen. Er fragt, was den Maskulinisten seien. Ich antworte etwas, wie "rechter Flüger der Männerrechtsbewegungn". Im späteren Ausdruck steht komischer Weise als meine Antwort u.a. "Maskulinisten fühlen sich als Mann sehr wohl" - ich lasse das streichen, keine Ahnung wie er darauf kommt.
Irgendwann die Nachfrage, ob ich glaube, dass der Täter die Drohung wahr machen wird. Ich antworte "Ich weiß nicht ob es medizinisch möglich ist, mir alle Gedärme mit einer Axt einzeln rauszuhacken" (Wunsch des Verfassers der Morddrohung) - ich hasse diese Frage, woher soll ich die Antwort darauf wissen? Ein Orakel befragen? Ich antworte also auch ernsthaft, dass ich es nicht weiß. Kein Ort ist zu weit entfernt, seit dem wir nicht mehr mit Postkutschen reisen müssen.
Ebenso ärgert mich an dieser Frage, da sie zeigt, dass Morddrohungen nicht wirklich ernst genommen werden. Ich hatte sogar am am Anfang der Vernehmung ausgeführt, dass Morddrohungen allein schon in mein Leben eingreifen, und dass dies wohl auch ein Zweck davon sein wird. Menschen müssen mich nicht umbringen, um mir zu schaden.
Zwischendurch greife ich immer wieder zu Defensivreaktionen, um ihn irgendwie zu motivieren, meinen Fall ernst zu nehmen. Er ließ keinen Erfolg meiner Bemühungen erkennen. Ich danke ihm am Ende sogar. Schließlich will ich, dass die Ermittlungsbehörden sich darum kümmern - Selbstjustiz ist ja verboten.
Doch kaum bin ich raus, weiß ich nicht, wovon ich mich jetzt eigentlich missbrauchter fühle: Von der Morddrohung oder wie die Polizei mit mir umgesprungen ist. Und: Wenn ich mich über die Polizei beschwere, werden sie dann meine Anzeige mit der nötigen Motivation behandeln?
Update: Manche Dinge fallen mir leider erst sehr spät auf. Als der Polizist meinen Pass studierte, fragte er nach, ob ich eine doppelte Staatsbürgerschaft hätte. Nur so viel: In meinen Pass steht deutsch. Aber der Geburtsort erschien ihm wohl unpassend.

Ich habe heute auch wieder eine erhalten (wie immer mit gleichzeitiger Bedrohung meiner Tochter), obwohl es gar nicht Samstag ist. Allerdings gab's bei mir auch keine längere Pause. Das nervt alles. Noch ärgerlicher sind aber die Fakeeinträge auf irgendwelchen bekloppten Webseiten/Foren/Gästebüchern.