Feministische Einzelkämpferinnen Gruppen

Die virtuelle Welt gehört Dir, sie wurde nur gestohlen!

Grundlage dieses Texts ist ein Artikel in der aktuellen (März 2011) Wir Frauen mit dem Titel "Wir erobern uns die Nacht zurück". Dort habe ich (Stephanie) den Versuch unternommen, der Aussage "...und deshalb bin ich nicht im Netz unterwegs", eine Liste an verschiedenen Strategien entgegen zu setzen und die Eroberung des virtuellen Raumes als feministisches To-Do darzustellen.

FemZ wird hier die Möglichkeiten bieten, über Kommentare die Tipps zu ergänzen. Weiterhin dürfen die Tipps aus feministischer Perspektive diskutiert werden. Bis auf eventuelle Ausnahme werden Kommentare zu sonstigen Themen nicht veröffentlicht.

In der Wir Frauen wurden aufgrund des Print-Platzmangels nur einige Tipps genannt und hierhin verwiesen. Nachfolgend also eine Liste von Möglichkeiten, sich diesen Raum zu erobern. Teilweise widersprechen sich die Tipps, damit ein möglichst weitreichendes Repertoire an Verhaltensweisen eröffnet wird.

1. (Sexuelle) Belästigung / Widerlichkeiten per Textnachricht

E-Mails, Privatnachrichten über Netzwerk-Plattformen, Tweets usw. geben Menschen die Möglichkeit, Dir Nachrichten zu schicken, die nicht zwangsläufig wohlgesonnen sind.

  • Wenn sich diese nicht im rechtlichen Rahmen bewegen, ist es möglich Anzeige zu erstatten. Die Ermittlungsbehörden haben weitergehende Rechte um die Identität des Absenders / der Absenderin zu ermitteln. Bei E-Mails helfen die „Headerdaten“ weiter. Die Polizei ist die richtige Ansprechstelle. Geh beim ersten Mal persönlich hin und lass Dir eine E-Mailadresse geben, an welche Du bei Bedarf weitere Anzeigen schicken kannst. Die Unterlagen Deiner ersten Anzeige können Dir für weitere als Vorlage dienen.
  • Absender_in blockieren. Social Media-Plattformen bieten immer die Möglichkeit, Menschen aus der Kommunikation mit einer selbst zu blocken. Bei E-Mails helfen Spam-Filter und E-Mails über Mail-Anonymisierer können bei den Anbieter_innen dieser ausgeschlossen werden. Wie das geht, steht in den Headerdaten der E-Mails von Mail-Anonymisierern.
  • Ebenso können Accounts auf Netzwerkseiten gemeldet werden, mit der Bitte den/die Nutzer_in des feindlich gesinnten Accounts aus dem Netzwerk auszuschließen.
  • Privatfunktionen nutzen. Viele Social Media Plattformen geben Dir die Möglichkeit, Deine Inhalte oder Teile dieser nur Freund_innen zugänglich zu machen.
  • Auf vielen Plattformen musst Du Dein Geschlecht nicht angeben oder kannst Dich unter einem anderen Geschlecht eintragen. Wenn Du deutlich weniger „anzügliche“ Nachrichten erhalten möchtest, hilft ein geschlechtsloser oder männlicher Account (inkl. Nickname/Pseudonym).

2. Kommentare

Diskussionen in Blogs, Foren usw. werden häufig von Menschen missbraucht, um irrelevante oder widerliche/triggernde „Beiträge“ zu veröffentlichen.

  • Schau Dir die Nettiquette/Regeln der Blogs und Foren an, auf welchen Du aktiv bist oder aktiv werden möchtest – sei es lesen oder schreiben. Wenn die Regeln des Kommentierens Dir nicht ausreichend erscheinen, mach Verbesserungsvorschläge oder halte Dich von den Diskussionen der Plattform fern.
  • Wird nicht entsprechend moderiert, kannst Du in einen eigenen Kommentar auf die jeweilige Regel der Nettiquette verweisen und so der Moderation helfen – schließlich müssen die alles lesen und übersehen sicherlich manches.
  • Achtet die Moderation nicht konsequent auf die Einhaltung der Regeln, hilft eine Nachfrage bei dieser, um Dir eine Entscheidung zugunsten oder gegen die Plattform zu erleichtern.
  • Nicht nachvollziehbare, provozierende oder irrelevanter Kommentare: Ein „Don’t feed the trolls“ / “Trolle nicht füttern“ kann helfen.

3. Eigenes Webprojekt, Blog oder Forum

Wenn Du ein eigenes Blog, ein eigenes Forum oder eine eigene Website hast oder haben willst, wird es Kommentare/Nachrichten geben, die a) nicht zum Thema passen, b) eklig sind c) triggern und/oder d) Dich beleidigen. Es ist wichtig darauf vorbereitet zu sein, denn diese nehmen Dir bewusst und/oder unbewusst, den Spaß an Deinem Webprojekt.

  • Überlege Dir vorher Regeln / eine Netiquette und halte diese für Dich und andere konsequent ein (s. 2. Kommentare).
  • Lösch einfach alles, was Dir nicht gefällt: Du kannst Dein Webprojekt als Deine Wohnung betrachten, für die Dir Menschen Sachen schenken – in Form von Kommentaren. Welche geschenkten Kommentare Du behälst, umtauschst oder im Schrank verschwinden lässt, bleibt damit Dir überlassen.
  • Such Dir ein_e Freund_in, die Dir bei Zweifelsfällen sagt, wie Recht Du hast, den „Mist“ zu löschen.
  • Tausch Dich mit anderen Webprojektbetreiber_innen aus. Das hilft dagegen, sich alleine zu fühlen und zeigt Dir weitere Wege mit blöden Kommentaren umzugehen. (z.B. frauenim.net, grrrls on web society)
  • Nicht alle Webprojekte sind impressumspflichtig. Wenn Du kein Impressum willst, halte Dich zumindest im rechtlich grauen Bereich auf. Ansonsten hilft ein Postfach und es gibt auch „Telefonnummern“, die Du angeben kannst (z.B. frankgehtran.de).
  • Wenn Du das nicht alleine stemmen willst, tue Dich mit anderen zusammen oder schließe Dich einem bestehenden Projekt an. Gemeinsam macht’s auch Spaß und das Moderieren ist geteiltes Leid.
  • s. auch 1 und 2

4. Ohnmacht

Nicht nur im Netz werden Menschen zu Opfern. Ein Effekt des zum Opfer gemacht werdens ist das Ohnmachtgefühl und die daraus entstehende Lähmung.

  • Wenn Du das erste Mal das Ohnmachtgefühl erlebst, beobachte Dich genau. Was macht es mit Dir? Wann erlebst Du welches Gefühl? Was sind Deine Bedürfnisse? Was lässt Dich wieder herausfinden? Was triggert Dich, also lässt das Ohnmachtsgefühl wieder aufleben? Nutze diese Erfahrungen beim nächsten Mal.
  •  Mach Dir bewusst, dass Du im Recht bist. Mal Dir ein Schild, bedruck ein T-Shirt, etc. Gib Dir die Möglichkeit, dem Gefühl „Das ist Unrecht und ich habe Recht“ Raum zu geben.
  • Such Dir Menschen, die Ähnliches erleben/erlebt haben. Das zeigt Dir, dass Du nicht alleine bist und der Erfahrungsaustausch bringt Dich weiter.
  •  Werde aktiv. Bring Dich in eine Machtposition! Tue etwas, das Dich stark fühlen lässt. Zerschmeiss einen Teller, veröffentliche einen Text über Deine Wut, erstatte Anzeige, schick eine böse E-Mail zurück, unterstreiche Deine Position, spende an ein gutes Projekt. Vielfach hilft es irgendetwas zu tun, auch ohne dass der/die Täter_in dadurch (maßgeblich) beeinträchtigt wird. (Versuche keine anderen Menschen zu verletzen.)
  • Belohn Dich, Du gehst grad unverdient durch eine schwere Zeit. Erkenne das an. Erlaube Dir etwas Außergewöhnliches.
  •  Nimm Dir Zeit. Du hast jedes Recht Dein Ohnmachtsgefühl mit depressiven Zügen auszuleben. Lass Dir nicht einreden, dass Du das einfach übergehen solltest. Mit Übung wird’s leichter und kürzer, wenn Du nicht über Deine Bedürfnisse hinweg gehst.
  • Gesteh Dir Schutz zu. Wenn Du das nicht noch mal erleben möchtest, dann beende Deinen Kampf um diesen Raum. Gib bei Möglichkeit als letzten Zug Deinen Grund bekannt, damit andere an Deiner Stelle weitermachen können.
  •  Vermeide Trigger bzw. gehe bewusst mit diesen um. Viele Webseiten schreiben vor schwierigen Themen eine Triggerwarnung mit kurzer Erklärung worum es fortfolgend geht. Lies dann nur weiter, wenn Du es Dir zutraust.

5. Verunglimpfungen

Egal ob Du im Netz unterwegs bist oder nicht: Dein Name kann im Internet auftauchen.

  • Entscheide ob Du wissen willst, was über Dich im Netz steht.
  • Wenn Du es wissen willst, kannst Du einen Google-Alert über Deinen Namen bestellen. Dann bekommst Du eine E-Mail, wenn Dein Name im Internet auftaucht. Achte dabei auf verschiedene Schreibweisen (z.B. Spitznamen).
  • Wirst Du im Internet verunglimpft, kannst Du die Betreiber_innen der Webseiten dafür haftbar machen oder um Löschung der Dich betreffenden Inhalte bitten.

Nochmals zum Kommentieren:

FemZ wird hier die Möglichkeiten bieten, über Kommentare die Tipps zu ergänzen. Weiterhin dürfen die Tipps aus feministischer Perspektive diskutiert werden. Bis auf eventuelle Ausnahme werden Kommentare zu sonstigen Themen nicht veröffentlicht.

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