„Wir besetzen Räume!“
1. bundeweites Netzwerktreffen junger Feministinnen aus der Mädchenarbeit: ju_fem_netz
Vom 28.-29. August 2010 fand das erste, bundeweite Netzwerktreffen junger Feministinnen aus der Mädchenarbeit in Marburg statt (ju_fem_netz). Über 30 Frauen aus vielfältigen Zusammenhängen aus ganz Deutschland folgten dem Ruf nach Vernetzung und Austausch.
An den beiden Tagen wurde über Dekonstruktion, Gleichheit und Differenz diskutiert, die Geschichte feministischer Mädchenarbeit beleuchtet, Mädchenbilder in den Medien kritisch reflektiert und Generationenkonflikte diskutiert. Diese Diskussionen über (neue) Selbstverständnisse, herrschafts- und patriarchatskritische Perspektiven, queerfeministische Impulse, praktische Methoden oder historische Perspektiven ermöglichten den Teilnehmerinnen spannende und richtungsweisende Diskussionen. Dabei war eine der zentralen Fragen: Wie lassen sich Theorie, Praxis und Politik in der Mädchenarbeit verknüpfen und unterschiedliche Selbstverständnisse zusammen denken?
Notwendigkeit einer Repolitisierung und Vernetzung feministischer Mädchenarbeit
In einem diskussionsfreudigen Klima stand somit die Reaktivierung einer Vernetzungskultur als eine Antwort auf diese Fragen und aktiver Beitrag zu einer Repolitisierung feministischer Mädchenarbeit im Fokus der Auseinandersetzungen. Denn zur Beantwortung dieser Fragen braucht es Zeit, Distanz und Räume, die es ermöglichen, unterschiedliche theoretische Perspektiven als Analyseinstrumente zu verstehen, welche die stetige Wirksamkeit verschiedener, machtvoller Kategorien wahrnehmen, um sie gleichzeitig in einem herrschenden, heteronormativen und binären System zu verorten. Die Eroberung von Diskussions- und Denkräumen stellt dabei gerade in neoliberalen Zeiten, die in den einzelnen mädchenspezifischen Projekten vor Ort wenig Zeit zum gemeinsamen Denken und Diskutieren lassen, ein Politikum dar.
Hier verortet sich, nach Meinung der Runde, wohl auch der Generationenkonflikt: Denn auch dieser lässt sich oft verstehen als Produkt fehlender Verständigung oder Verstehens. Hier liegt die Chance durch intergenerative Dialoge, unterschiedliche Positionen kennenzulernen, um gemeinsame Ziele formulieren zu lernen.
Feministische Mädchenarbeit ist mehr als die Arbeit mit Mädchen!
Denn Mädchenarbeit ist Mädchenpolitik: Hier waren sich die Teilnehmerinnen einig, dass eine feministische Mädchenarbeit wieder viel stärker herrschende Verhältnisse und die Bedingungen, in denen Mädchenarbeit passiert statt das Verhalten einzelner Mädchen, in den Blick nehmen muss. Es gilt, sich kritisch mit neoliberalen Diskursen wie den „Alphamädchen“ oder „Mädchen als Bildungsgewinnerinnen“ auseinander zu setzen, um gesellschaftliche Konfliktlinien, Widersprüche und somit Ausschließungsprozesse zur Grundlage/Legitimation der pädagogischen und politischen Arbeit zu machen. Dabei war es den Netzwerkerinnen wichtig, neue Bündnisse zu denken und sich kritisch gegenüber Neoliberalismus oder Kapitalismus zu verorten.
ju_fem_netz 2011
Im nächsten Jahr soll an der Formulierung gemeinsamer Positionen sowie einem gemeinsamen Profil gearbeitet werden, die dann ein einem Manifest münden sollen. Das nächste Treffen wird vom 2.-4.9.2011 in Darmstadt organisiert. Aktive Fachfrauen der Mädchenarbeit sind herzlich willkommen und können sich über die LAG Mädchenpolitik in Hessen e.V. weitere Informationen einholen oder sich in den Verteiler aufnehmen lassen.
