Aufruf zur Unterstützung:
Autonomes Frauenreferat an der Uni Gießen soll in seinem Stimmrecht beschnitten werden
Das autonome Frauenreferat an der Uni Gießen soll massiv in seinem Stimmrecht und damit in seinem Mitspracherecht beschnitten werden. Hintergrund ist das Vorhaben des Studierendenparlaments der Justus-Liebig-Universität Gießen, sich eine neue Satzung zu geben - in dieser sollen die autonomen Referate zwar erwähnt werden, aber ihr Stimmrecht soll gravierend eingeschränkt werden. Bisher durften die Referentinnen (für das autonome Frauenreferat sind derzeit drei Referentinnen aktiv) noch mit einer Stimme pro Person an Abstimmungen des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA) teilnehmen, nun soll sich jedes Referat mit einer Stimme begnügen. Diese Regelung, die die Möglichkeiten zur Mitsprache und zur aktiven Gestaltung der Belange von Frauen an der Uni inklusive LesBiTrans*-Studentinnen extrem einengt, favorisieren die Juso-Hochschulgruppe, die Liberale Hochschulgruppe (LHG) und der Ring christlich-demokratischer Studenten (RCDS), die momentan die Mehrheit im Gießener Studierendenparlament stellen.
Am 28.01.2010 fand die zweite Lesung zur Satzungsänderung der Verfassten Studierendenschaft statt, dort wurde über das personengebundene Stimmrecht (eine Stimme pro Person) abgestimmt. Die einfache Mehrheit des amtierenden Studierendenparlaments stimmte dagegen. Gerade die sich als links bezeichnende Juso-Hochschulgruppe (Jungsozialist_innen, zugehörig zur SPD), die sich in ihrem Wahlprogramm für 2010 für mehr Geschlechtergerechtigkeit und gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Homosexualität aussprachen, stimmten geschlossen gegen das Stimmrecht pro Person. Am 11.02. findet die dritte und letzte Lesung statt. Falls dort eine Zweidrittel-Mehrheit zustande kommt, wird die strukturelle Unterdrückung der seit Jahrhunderten unterdrückten Frauen an einer heutigen Universität festgeschrieben.
Daher ruft das autonome Frauenreferat der JLU Gießen zur Unterstützung auf: „Wir wollen uns nicht geschlagen geben und auf ein Wunder hoffen, wir brauchen Menschen, die zur Sitzung am 11.02. kommen, wir brauchen Presse, die vor Ort und/oder breit darüber berichtet, wir brauchen euch für alles, was euch zur Unterstützung einfällt. Denn wir wollen keine Unterdrückung mehr für Frauen, die sich selbst vertreten wollen!“ so Karoline Klamp-Gretschel, autonome Frauenreferentin im AStA der JLU.
Die amtierenden Referentinnen Katharina Payk, Karoline Klamp-Gretschel und Sarah Rögl sind in einer Vollversammlung aller Studentinnen gewählt und verstehen sich als Vertreterinnen aller Frauen an der Uni, egal ob hetero, lesbisch, bi oder transsexuell. Sie leisten politische und kulturelle Arbeit und schaffen einen Rückzugsort für Gespräche und bieten Beratung und kulturelle Veranstaltungen an. Die Referentinnen sind Ansprechpartnerinnen u.a. bei sexueller Belästigung, bei Fragen zur eigenen sexuellen Identität und für feministische Diskussionen. Das autonome Frauenreferat muss daher aus der Sicht der Referentinnen und ihrer Unterstützer_innen ein Referat bleiben, das mitreden und mitentscheiden kann. „Die Beschneidung des Stimmrechts ist nur der erste Schritt auf dem Weg zur Abschaffung der autonomen Referate - neben dem Frauenreferat beispielsweise noch dem Schwulenreferat und dem Referat für behinderte und chronisch kranke Studierende – wie sie an einigen Universitäten, beispielsweise in Hamburg, bereits stattgefunden hat. Die weitere Marginalisierung dieser Gruppen wäre ein Skandal und muss verhindert werden“ so Sarah Rögl, AStA-Frauenreferentin seit 2007.
Wer vertritt also die ohnehin schon Marginalisierten, wenn sie noch weiter ins Abseits gedrängt werden? Wer soll zukünftig für die Vielfalt an der Uni sprechen, mit einer hörbaren Stimme?
Kontakt:
Autonomes Queer-Feministisches Frauenreferat
Otto-Behaghel-Str. 25D
35394 Gießen
http://www.uni-giessen.de/Frauenreferat
lila.block@yahoo.de
